Clownis Welt

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Sterntaler

38, Weiblich

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Beiträge: 38

Re: Clownis Welt

von Sterntaler am 31.10.2026 21:11

Ja. =) 

was Menschen alles tun können.

Interessanterweise im Schlechten wie im Guten, mhm.

☆

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pausenclown

-, Männlich

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Beiträge: 616

Re: Clownis Welt

von pausenclown am 01.11.2026 08:01

Hallo Sterntaler.

Beim darüber nachdenken, was und wie ich schreibe, ist mir aufgefallen, gar nicht so einfach.
In meiner Zeit in der Gedenkstätte bin ich der Frage nachgegangen: Haben die jüdischen Häftlinge die biblischen Feste gefeiert und war das überhaupt möglich?
Tatsächlich wurden diese Feste gefeiert und von Wundern wurde berichtet.

Das Wunder zu Pessach.
Um die Geschichte etwas besser zu verstehen. Das Lager wurde im Sommer 1944 gegründet. Dazu wurden über 2000 männliche Juden aus dem Ghetto Radom zur Zwangsarbeit deponiert. Nachdem im Herbst die Arbeiten an der Baustelle aufhörten, wurde das Lager, das Zentrale Krankenlager für die umliegenden Lager.
Natürlich war es kein Erholungslager, sondern ein Sterbelager, die Häftlinge starben an Unterernährung, Krankheiten wie Typhus.
Ende März, kurz vor der Befreiung, stand Pessach vor der Tür. Pessach das Gedenken an Ende des ägyptischen Sklaverei und wie Gott sein Volk aus Ägypten befreit hat.
Und im all diesen Wahnsinn die Frage: Wie können wir Pessach feiern, wie das Gebot einhalten, keinen Sauerteig zu essen und Mehl für das Matzenbrot zu bekommen?

Einer der jüdischen Häftlinge erhielt aus einem Dienst für einen Wachsoldaten 5 Kilo Mehl und der nächste aus der Wachmannschaft machte daraus 5 Kilo Mehl und am Ende haben sie 15 Kilo Mehl bekommen.
Zitate: 
Die erloschenen Seelen wurden wieder entzündet. Wir haben unsere Arbeit übernommen, zusammen haben wir Holzstücke „organisiert“. Das Holz lieferte ein Zimmermann aus Radom. Ich fand ein Rad in meiner Werkstatt und die Heilige Aufgabe begann.
Mit einem Glasscherben aus einer Flasche bereiteten wir uns darauf vor, die Tischoberfläche zu reinigen. Wir legen den vorbereiteten Teig auf den Tisch und in den kleinen Werkstattofen habe ich Ziegelsteine gelegt und so haben wir unsere Matza gebacken…
Am ersten Seder-Abend versammelten sich in meiner Werkstatt die oben genannten sowie Hamia'la Milstein, Leibel Krel aus Warschau, Leibel Richtman, Ezriel Warchivker und Motele Gritzer, und in großer Angst, wie die Anusim von Spanien vor Jahren, wir saßen ehrfurchtsvoll um zwei große tische und führten unseren „seder“.
Wir waren Sklaven !...
Jeder beim Seder erhielt 3 Matzen. Anstelle von Wein servierten wir gesüßtes Wasser. Statt maror-weiße Rüben. Als karpas -kartoffeln. Salz und Wasser hatten wir reichlich ….
Wir sagten die Haggada aus einem Siddur, den wir die ganze Zeit verstecken konnten. Nach der ersten Hälfte der Haggada verfiel Ezriel Warchivker in Ekstase und führte eine ganze Predigt, um nicht zu verzweifeln, unseren Glauben zu bewahren, die Ungerechtigkeit zu ertragen, weil unsere Erlösung nahe ist…
Später wurden wir informiert, andere Juden standen draußen auf der Hut. Die Nacht war wirklich ein Segen….

Ca 2 Wochen später wurde das Lager befreit…
Vielen gab Pessach die Kraft und die Hoffnung zum Überleben. 

Shalom Pausenclown.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 01.11.2026 08:03.
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