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Re: biblische Nächstenliebe
von pausenclown am 05.09.2026 09:21Hallo und Off Topic.
Jeder von uns hat ein Vorverständnis, was erstmal nicht falsch ist, aber jeder Satz der Bibel ist in einer Zeit geschrieben und Kultur geschrieben, die uns heute fremd ist.
Kannte eine Jude zur Zeit das Wort Grenzüberschreitung im Sinne von: In zwischenmenschlichen Beziehungen?
Nein, z.B. Familien sahen sich als ein Kollektiv und der Zusammenhalt ist ein hoher Wert und nicht das Individuum, was sich selbst verwirklicht.
Gab es überhaupt das Einmischen und wenn ja, ist das negativ oder positiv?
In der jüdischen Tradition und der Troah wird dieses „Einmischen“ nicht negativ gesehen, sondern als eine der Formen von sozialer Verantwortung und Nächstenliebe definiert.
Die jüdische Tradition widmet diesem Thema ein eigenes Konzept: die sogenannte Tochecha übersetzt: die Zurechtweisung oder das konstruktive Feedback
Die Pflicht zur Zurechtweisung geht auf die Bibel zurück.
Du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen...“
„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
In einer Midrasch heißt es dazu:
„Jede Liebe, mit der nicht auch Zurechtweisung einhergeht, ist keine wahre Liebe.“ Sich nicht einzumischen, wenn der Nachbar oder der Bruder einen Fehler macht, galt als Gleichgültigkeit und somit als Sünde.
Das heutige Prinzip von Grenzüberschreitung kommt aus der modernen Psychologie.
Der Maßstab hat sich geändert, nicht die Bibel ist der Maßstab und die Gebote Gottes sondern:
Das Individuum und seine Rechte, es geht weniger um Sünde und die Folgen für ein Kollektiv, sondern: Mein Trauma, meine Verletzungen, mein Leben, meine Grenzen, meine Selbstverwirklichung und was eine Kirche/Gemeinde bringt.
Zurück zur Zeit Jesu.
Kollektive Mitverantwortung.
Im Talmud wird das Prinzip gelehrt: Ganz Israel bürgt füreinander.
Die jüdische Tradition vergleicht die Gemeinschaft oft mit Menschen in einem Boot: Wenn einer unter seinem eigenen Sitz ein Loch in den Bootsboden bohrt, kann er nicht sagen: „Das ist meine Privatsache, es ist doch mein Sitz.“ Das Boot sinkt für alle. Da das Verhalten des Einzelnen das Schicksal der gesamten Gemeinschaft beeinflusst, hat jeder das Recht und die Pflicht, das Handeln des anderen zu hinterfragen.
Jetzt zum praktischen “Wie”.
Weil das Einmischen so alltäglich war, hat die jüdische Tradition extrem strenge Regeln aufgestellt, wie man sich einmischen darf, um den anderen nicht zu verletzen:
Keine Beschämung: Wer jemanden öffentlich kritisiert oder bloßstellt, begeht nach dem Talmud eine schwere Sünde. Das Gespräch muss immer unter vier Augen, sanft und aus echter Sorge heraus geschehen.
Selbstreflexion: Bevor man sich einmischt, muss man sich selbst prüfen. Im Talmud diskutieren die Rabbinen: „Gibt es in dieser Generation überhaupt noch jemanden, der weiß, wie man richtig zurechtweist? Und gibt es überhaupt noch jemanden, der Zurechtweisung annehmen kann?“
Die jüdische Tradition und bestimmt schon Zeit Jesu, verurteilt ein öffentliches Demütigen eines Menschen:
Wer das Gesicht seines Nächsten in der Öffentlichkeit erblassen lässt (ihn beschämt), ist so, als ob er Blut vergossen hätte.
Schaut man jetzt in die Evangelien und auf Jesus…
Darf jeder für sich einordnen.
Shabbat Shalom Pausenclown
Re: biblische Nächstenliebe
von pausenclown am 02.09.2026 07:46Hallo Cleo.
Natürlich hat sich Jesus in das Leben anderer eingemischt.
Zb. denk nur mal an Berufungen der Jünger, komm und folge mir nach.
Oder, Jesus im Tempel wo er etwas randaliert hat usw usw
Deine Frage ist, welche Art der Nächstenliebe im neuen Testament beschrieben wird?
Das Problem ist die Brille, mit der man einen Text liest, du mit einer christlichen Brille und ich mit einer jüdischen Brille und vermutlich zwei unterschiedliche Ergebnisse.
Für mich sind Jesus und z.B Paulus, Kinder ihrer Zeit und kennen nur das Verständnis der Nächstenliebe ihrer Zeit.
Natürlich kann man schreiben, Jesus war ganz anders als die damaligen Juden und vor allem Pharisäer, aber stimmt das?
Zurück zum Thema:
Jeder kennt doch nur die Liebe zählt, Liebe geht vor das Gesetz, aus Liebe darf man Gebote brechen, all you need is Love.
Das Hebräische Wort für Liebe ist Ahava, die Wurzel Hav und bedeutet übersetzt: „Gib!“ oder „Geben“.Aus jüdischer Sicht zeigt das Wort selbst: Wahre Liebe existiert nicht durch Gefühle, sondern durch die Tat des Gebens
Und das Wort Nächstenliebe verdichtet es: Ahavat Re'a oder vollständig Ahavat Re'acha
Liebe und dein Nächster oder der Nächste.
Shalom Pausenclown
P.S. und schaut man ins AT, wird ja formuliert was und wie Nächstenliebe ist, oder konkret: In den 613 Geboten geht es oft um Nächstenliebe.
P.S. und schaut man ins AT, wird ja formuliert was und wie Nächstenliebe ist, oder konkret: In den 613 Geboten geht es oft um Nächstenliebe.
Re: Träume - gelebte Wirklichkeit
von pausenclown am 01.09.2026 08:05Ja, ist denn schon Weihnachten?
Nurmalso.
Vermutlich werden wir die meisten zustimmen, Jesus war Jude, die Apostel waren Juden, auch das Neue Testament wurde im jüdischen Kontext geschrieben.
Nächstenliebe ist in diesem Kontext kein Gefühl, sondern Taten.
Diese Taten sind in der Bibel ausformuliert, diese sind für Juden vor Jesus, nach Jesus und heute ebenfalls bindend, weil der Bund.
Liebe ist Verantwortung gegenüber Gott , den Nächsten und mir selbst geregelt.
Liebe ist aufgeteilt auf zwei Säulen:
Zedaka (Gerechtigkeit / Wohltätigkeit): Dies ist die gesetzliche (Torah) Pflicht, Bedürftige finanziell oder materiell zu unterstützen. Es ist kein Akt der Gnade, sondern die Wiederherstellung von sozialer Gerechtigkeit.
Chessed (Taten der Liebe / Güte): Diese zeigt sich Chessed durch persönlichen Einsatz: das Kleiden von Mittellosen, das Trösten von Trauernden oder das Begraben von Toten , Krankenbesuchen usw usw .
Shalom Pausenclown
Re: Der Fernsehevangelikalismus näher betrachtet und beurteilt
von pausenclown am 28.08.2026 09:06Hallo Nusskeks.
Ich hoffe, dass ich mich verständlich ausdrücke.
Ich mag nicht wirklich über ein Vermögen von Menschen urteilen, falls die Person damit ein Problem hat, einfach spenden.
Wo ich ins Nachdenken komme und betroffen bin, wenn Hoffnungen und Träume platzen und diese aus einer Not entstehen und bei mir landen.
Es ist ja nicht von mir frei erfunden, wenn ich sage, Prediger XY verkauft ein: Dein Weg zu einem erfüllten Christsein, Spende und Gott, gibt dir das Zehnfache zurück, kauf mein Buch usw usw .
Vor allem mit dem Argument: Bei mir (Prediger XY) hat es ja funktioniert.
Ein Freund von mir hält mich da ungefragt auf dem Laufenden und informiert mich über 2567 Internetseiten, doppelte an YouTube Videos, die sich berufen fühlen aufzuklären.
Shalom Pausenclown
Re: Der Fernsehevangelikalismus näher betrachtet und beurteilt
von pausenclown am 28.08.2026 07:07Hallo Nusskeks.
Ich habe mich auf die Namen, der hier aufgeführten TV-Prediger bezogen und davon werden die meisten Reich sein.
Das schreibe ich ohne Wertung.
Shalom Pausenclown
Re: Der Fernsehevangelikalismus näher betrachtet und beurteilt
von pausenclown am 27.08.2026 20:40Hallo Cleo.
Ich muss ja nicht einmal einen Fernseher haben, selbst wenn, muss ich nicht solche Sendungen anschauen und nicht einmal Spenden.
Maria dagegen war durch die Torah verpflichtet zu Opfern usw usw.
Die Sadduzäer haben diese Pflicht finanziell für eigene Zwecke missbraucht.
Und heute wird die Bibel für eigene Zwecke missbraucht, als Argument für TV-Prediger, die meistens Superreich sind und für ihre Gegner.
Shalom Pausenclown
Re: Der Fernsehevangelikalismus näher betrachtet und beurteilt
von pausenclown am 27.08.2026 16:52Es hat sich wohl erledigt
Re: Der Fernsehevangelikalismus näher betrachtet und beurteilt
von pausenclown am 27.08.2026 13:57Kleiner Nachtrag, ob sich die damalige Zeit, auf heute und TV Prediger übertragen lassen, dass darf jeder für sich entscheiden.
Re: Der Fernsehevangelikalismus näher betrachtet und beurteilt
von pausenclown am 27.08.2026 13:49Hallo Cleo.
Also:
Im Talmud (Pesachim 57a) findet sich ein berühmt-berüchtigter Klagegesang über die herrschenden Priesterfamilien:„Wehe mir wegen des Hauses Hannas, wehe mir wegen ihres Zischens [ihres Raunens/ihrer Verschwörungen]... Denn sie sind Hohepriester, ihre Söhne sind Schatzmeister, ihre Schwiegersöhne sind Tempelaufseher, und ihre Knechte schlagen das Volk mit Stöcken!“
Und weiter wird berichtet : Talmud (Mischna Keritot 1:7) belegen, wie dramatisch die Preistreiberei im 1. Jahrhundert war:Zu Spitzenzeiten stieg der Preis für ein Paar Opfertauben auf über einen Golddenar.Das entsprach dem durchschnittlichen Lohn eines einfachen Arbeiters für etwa 25 Arbeitstage.
Maria musste laut: 3. Mose 12,8 ist festgelegt, dass eine Frau nach der Geburt eines Sohnes eigentlich ein Schaf (Lamm) als Brandopfer und eine Taube als Sündopfer darbringen musste.
Zusammengefasst in einem Wort: Wucher.
Darüber hinaus explodierten die Preise an den Pilgerfesten, wo Hunderttausende nach Jerusalem gekommen sind.
Die Pilger mussten ihr Geld erst bei den Tempelwechslern in den Silberschekel eintauschen. Dafür verlangten die Wechsler extrem hohe Gebühren, 10-12 % oben drauf.
Dazu war es ja logistisch für die Pilger unmöglich Opfertiere mitzubringen.
Für die Bewohner Jerusalems war es einfacher und schneller die Opfertiere gleich im Tempel zu kaufen, da die Tiere ja ohne Mackel sein mussten und der Priester sie für unrein erklärte.
Mit einem Satz ausgedrückt:
Es war das perfekte System zur Abzocke.
Salomos Säulenhalle, hier befanden sich die Geldwechseler und Opfertiere Verkäufer und zusätzlich. Wo zb auch Rabbiner gelehrt und gepredigt haben, aber bitte nicht mit einer Predigt aus einer Kirche und Gemeinde verwechseln.
Und einem Trakt der Säulenhalle tagte auch der Sanhedrin.
Hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen Cleo.
Shalom
Re: Der Fernsehevangelikalismus näher betrachtet und beurteilt.
von pausenclown am 26.08.2026 18:07Schau mal, mir fehlt die Zeit und die Lust um auf darauf einzugehen.
Weiter viel Spaß beim Aufklären usw.
LG


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