Eine Reise voller Zufälle

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Amber

34, Weiblich

  Neuling

Beiträge: 1

Eine Reise voller Zufälle

von Amber am 31.10.2026 16:21

Hallo zusammen,

ich bin neu im Forum und möchte meine Geschichte mit euch teilen.

Ich bin in eine auf dem Papier evangelische Familie hineingeboren (auf dem Papier deshalb, weil der Glaube bei uns nie eine große Rolle gespielt hat), bin auch mit 15 konfirmiert worden, wie man das halt so macht. Ungefähr in dem Alter hab ich mich zum ersten Mal näher mit dem christlichen Glauben beschäftigt, davor ... als Kind, war mir das relativ egal. Ich wusste warum wir Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern und darüber hinaus hab ich mich nicht damit beschäftigt. Meine Oma war vermutlich die einzige wirklich gläubige Person in meiner Familie, aber sie war eher verurteilend als unterstützend. Ich kann mich gut erinnern wie sie einmal vorwurfsvoll zu mir meinte „du betest bestimmt auch nie!", während ich mir dachte, du hast keine Ahnung was ich tue oder nicht tue und es geht dich auch überhaupt nichts an... (schwieriges Verhältnis damals) Jedenfalls war meine Oma kaum jemand, dem ich mich anvertraut hätte.

Jedenfalls hatte ich mit 15 die etwas absurde Vorstellung, dass ich mit meiner Konfirmation bestimmt eine Art Offenbarung hätte und dann wirklich an Gott glauben würde (so war es natürlich nicht). Stattdessen hab ich in der Zeit danach sogar am stärksten gezweifelt, ob es überhaupt einen Gott gibt. Ich hatte zu der Zeit auch die größten Schwierigkeiten in der Schule, vor allem mit Mobbing, Pubertät und wie das halt so ist in dem Alter. Keine Ahnung warum ausgerechnet die Frage ob Gott existiert für mich zu dem Zeitpunkt so eine Rolle gespielt hat, es macht im Nachhinein eigentlich keinen Sinn, ich hatte ja ganz andere Probleme. Gebetet hab ich trotzdem, manchmal. Eher so nach dem Motto „ich weiß nicht ob du überhaupt existierst, aber falls doch, dann..." Ich habe immer wieder verlangt, dass er mir doch ein Zeichen geben soll, wenn es ihn wirklich gibt.

Eines Tages war ich mit einer Freundin auf einem Bücherflohmarkt. Ein Kilo Buch ein Euro. Ich liebe ja diese Flohmärkte. Ich habe nach nichts bestimmtem gesucht, einfach die Kartons durchgesehen. Es waren bestimmt hundert Kartons, alle voll mit Büchern, unsortiert. Ich hab garantiert nicht mehr als fünf Kartons überhaupt angeschaut. Und auf dem Boden von einem, ganz unten, lag das Buch „Gespräche mit Gott" (von Neale Donald Walsch). Man muss sicher nicht allem zustimmen, was er so schreibt, aber ich kann mich noch gut erinnern, wie absurd mir dieser Zufall vorkam. Ich hab das Buch gekauft und mir hat das einen völlig neuen Zugang eröffnet. Ich hatte wirklich das Gefühl als hätte sich Gott mir in dem Moment zugewandt, als hätte ich eine Einladung bekommen. Es war wild.

Etwas später nach der Lektüre dieses Buchs trat das Leben wieder in den Vordergrund und Gott in den Hintergrund. Es war eine Zeit voller Umbrüche – ich habe die Schule abgeschlossen, mein Vater ist gestorben, meine Mutter landete in der Psychiatrie. Ich bin in eine andere Stadt gezogen, um dort zu studieren. Das Studium war toll und ich fand viele neue Freunde, aber gleichzeitig bekam ich Depressionen, die sich immer weiter verschlimmerten. Ich war wie zwei Personen. Tagsüber das blühende Leben und nachts aufgelöst in Tränen. Schließlich beendete ich mein Studium, hatte aber noch keine Arbeit, sodass ich gezwungen war, aus dem Wohnheim auszuziehen und zurück zu meiner immer noch schwer psychisch kranken Mutter zu ziehen. Ein fataler Fehler, aber es gab nicht wirklich eine andere Option. Ich war psychisch am Ende und wollte sterben. Seit langem habe ich wieder gebetet, diesmal um den Tod. Ich wollte nicht mehr, ich konnte nicht mehr. Alles was ich durch meine Zeit fern von zuhause verdrängt hatte, holte mich nun ein und ich sah keine Zukunft mehr für mich.

So richtig aufgegeben hatte ich wohl trotzdem noch nicht, denn ich versuchte immer wieder, irgendwo Hilfe zu finden. Ich stieß auf die Internetseite einer psychiatrischen Ambulanz in meiner Stadt. Ich rief an und bekam sofort einen Termin, irgendwer musste wohl abgesagt haben. Ich sprach mit einem Psychiater, der mich sofort in eine ambulante Klinik einwies. Ich konnte direkt zum Beginn der neuen Woche kommen. Auch das war wild. Muss man sonst nicht immer endlos auf einen Therapieplatz warten? Randbemerkung: Schon im Studium wurde mir nahegelegt, einen Therapieplatz zu suchen, die Wartezeit wurde aber auf 8 Monate beziffert. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir, bis dahin brauche ich keinen Platz mehr (ich dachte, die Depression wäre nur vorübergehend). Aus eigener Erfahrung: denkt niemals, dass eine Depression von alleine verschwindet. Das tut sie nicht.

Ich blieb drei Monate in der Psychiatrie. Es ging mir deutlich besser. Kurz vor meiner Entlassung bekam ich meine erste Jobzusage, nachdem dieselbe Stelle mir bereits abgesagt hatte. Warum? Ihr Favorit war abgesprungen. Wieder ein Zufall.

Der Vertrag war befristet und ich bewarb mich um ein weiteres Studium in einer anderen Stadt. Es war schon damals schwer, eine Wohnung zu finden, und ich wohnte 800 km entfernt von dieser Stadt. Ich inserierte selbst, wurde angerufen und für eine Wohnung „ausgewählt". Es war die einzige Wohnung, die ich besichtigte. Zufall.

Ich hatte zuvor noch nie einen Partner gehabt, wie auch, hatte die meiste Zeit ja genug mit mir selbst zu tun. Nach zwei Jahren in der neuen Stadt traf ich jemanden in einer Studentenkneipe, der mir von Anfang an sympathisch war. Ich sprach ihn an, fragte nach seiner Nummer, im Endeffekt die Liebe meines Lebens. Zufall.

Auch der Job in dem ich jetzt arbeite war ziemlicher Zufall. Eigentlich habe ich etwas anderes studiert, aber einen Quereinstieg gemacht, da ich nach dem Studium mal wieder arbeitslos war und Optionen rar waren. Stellt sich raus, es gefällt mir ganz gut dort.

Dann hatte ich ein anderes psychisches Problem, eine extreme Schlafstörung, wodurch ich kaum mehr zwei Stunden pro Nacht schlafen konnte. So wie immer bete ich erst dann, wenn es mir richtig schlecht geht. Besser wurde es deshalb trotzdem nicht. Über Tage nicht. Also gehe ich zum Hausarzt, der mich zu einem Psychiater überweist. Ich rufe an und erkläre das Problem und bekomme wieder sofort den Termin. Nein, ich bin nicht privat versichert. Mit Schlafmitteln und anschließenden Beruhigungsmitteln überstehe ich diese Krise und bin nach nur zwei Wochen geheilt und wieder frei von Medikamenten.

Und dann blicke ich zurück und stelle fest, dass Gott sich immer um mich gekümmert hat. Klar hab ich viel scheiße erlebt aber der anschließende Aufstieg war ... beispiellos? Richtig begreifen kann ich es nicht. Warum ich? Es geht auch anderen Menschen schlecht. Anderen, die es vielleicht mehr verdient hätten, dass Gott ihnen hilft. Die gläubiger sind als ich. Besser sind. Aber mein Glaube hat sich weiterentwickelt dadurch. Für mich zeigt sich, dass ich nie wirklich allein war, dass Gott immer mir zugewandt war. Und seitdem wende ich mich tatsächlich auch Gott zu. Nicht mehr nur weil ich irgendetwas möchte, sondern einfach so. Es ist ein bisschen wie das biblische „Gott hat uns zuerst geliebt" (ich bin nicht gut im Bibel zitieren) und ich hab das Gefühl, gerade eine Beziehung zu Gott zu entdecken, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte.

Trotzdem hab ich das Gefühl, so vieles nicht zu wissen und immer noch dazuzulernen, weshalb ich mich sicher noch an anderen Stellen im Forum melden werde, um sich darüber auszutauschen.

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Burgen

-, Weiblich

  Urgestein

Beiträge: 3189

Re: Eine Reise voller Zufälle

von Burgen am 03.11.2026 08:57


Hallo Amber, 

Du schreibst von deiner Konfirmation, so wie du es erlebt hast. Danke dafür. 

Die zwei Jahre Unterrichtszeit waren für mich damals auch schon irgendwie besonders. Insofern, wir mussten sonntags ja zum GD und erhielten dafür einen kleinen Stempel als Nachweis, dass wir wirklich am GD teilgenommen hatten. 
Diese zwei Jahre waren so prägend, dass ich das Glaubensgelübte dann aus vollem Herzen mit "Ja" beantwortete. Den Abend vorher wurden wir sozusagen im Gemeindehaus vor allen Eltern 'geprüft', ob wir auch das Gelernte auswendig wussten. 
Für mich war es der Psalm 23, den aufzusagen hatte. Oh je, damit tat mich echt schwer und war total aufgeregt ... hat aber geklappt. 
Auswendig lernen und behalten im Gedächtnis fällt auch heute nicht leicht. 

Die Jahre danach waren dann leider nicht einfach und musste mich mit dem "Sinn des Lebens" auseinandersetzen. Und irgenwie kam mir dann das kleine Büchlein "der kleine Prinz" in die Hände. Einige Leute schenkten mir immer mal ein Exemplar. 

Das wunderbare und unerklärliche war, immer, auch in der Schule und später, wenn wir die Bibel (stattdessen Mathe hatten) lasen, hinterliess so eine Stunde oder GD ein behütetes und doch sehnsuchtvolles Gefühl in mir. 
Jetzt so im Rückblick kann ich sagen, dass Gott, Vater, Jesus Christus mich von Beginn des eigenen Lebens nie allein gelassen hat - sein Zug zu ihm war manchmal drängend, und dann auch wieder völlig im Hintergrund und beinahe vergessen. 

1971 nach einer christlichen EC-Freizeit übergab ihm mein Leben. Und nun wurde alles viel konkreter, obwohl vieles natürlich noch gar nicht verstehen konnte. Gottes Geduld mit mir wurde öfter auf die Probe gestellt. Dennoch war es leider immer streckenweise ein auf und ab, aber nie ohne ihn. Das kam, weil seit meinem 20. Lebensjahr täglich die Bibel las und die Texte wie ein Tagebuch mich begleiteten. 

Und auch die unterschiedlichen Denominationen irgendwie heilsam wurden in ihrer jeweiligen Unterschiedlichkeit. Beides, schwer und heilsam, weil es auch immer darum ging, Geisterunterscheidung zu lernen im Hinblick, dass einerseits Vertrauen und Abhängigkeit von Jesus zu lernen, andererseits lernen Menschen zu vertrauen. Das lernen wir allerdings letztlich durch das Wort Gottes. Es geht nie darum ein "besserer Mensch" zu werden. 

Immer wieder gibt es neue Tiefen in der Beziehung mit Jesus zu haben. Manchmal sind wir ja wie ein Schwamm und manchmal wie Perlen, die einfach von einem abgleiten. Wichtig ist einfach dran zu bleiben und von "alten" Christen, die Jesus kennen und lieben, zu lernen. Und hoffen sein Wort im Herzen immer mehr bewegen. Dazu muss man es halt kennen. Nicht nur das, was andere in Büchern uns präsentieren, aber auch. Deswegen ist es so wichtig, dass Jesus das starke Fundament des Glaubens in uns eine Beständigkeit erreicht, die unerschütterlich ist, komme was da wolle. 

In diesem Sinne - dir sein täglicher Segen sei gegenwärtig, auf deiner Lebensbahn bis in Ewigkeit. 

Burgen 



Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! 
2.Kor 5,17 (Schl 1995) 

In Ihm leben, weben und sind wir! (als wiedergeborene Christen)  


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