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Re: Die metaphysische Dimension der menschlichen Existenz: Die Unsterblichkeit der Seele
von nusskeks am 21.07.2026 13:59Hm. Also gut.
Argos Beiträge verwenden christliche Begriffe, vertreten in wesentlichen Punkten aber keine biblische Lehre. Es geht nicht nur um einzelne missverständliche Formulierungen. Hier wird ein eigenes metaphysisches System entworfen und anschließend mit Bibelversen versehen, die dieses System überhaupt nicht tragen.
Die Bibel lehrt, dass der Tod nicht das Ende des Menschen ist. Sie lehrt Auferstehung, Gericht und ewiges Leben. Sie lehrt jedoch nicht, dass die menschliche Seele bereits vor der Geburt existierte, von Natur aus ewig sei oder sich nach dem Tod auf eine „Reise zum Licht" begebe.
Nur Gott besitzt Unsterblichkeit in sich selbst (1. Timotheus 6,16). Ewiges Leben ist keine natürliche Eigenschaft der menschlichen Seele, sondern „die Gnadengabe Gottes" in Jesus Christus (Römer 6,23). Christus hat „Leben und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht" (2. Timotheus 1,10). Die christliche Hoffnung ruht deshalb nicht auf einer angeblich unzerstörbaren Seele, sondern auf Jesus Christus und der Auferstehung der Toten.
Auch das biblische Menschenbild wird verkürzt. Nach 1. Mose 2,7 wurde dem Menschen nicht einfach ein unsterblicher Seelenkern in einen austauschbaren Körper eingesetzt. Gott bildete den Menschen aus Erde, hauchte ihm den Lebensatem ein, und so wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Die endgültige Erlösung besteht daher nicht in der Befreiung der Seele vom Körper, sondern in der Auferstehung und Verwandlung des ganzen Menschen (1. Korinther 15,42–54; Philipper 3,20–21).
Besonders problematisch ist die Behauptung, Verstorbene hielten sich nach dem Tod noch in ihrer bisherigen Umgebung auf, durchliefen eine Übergangsphase und sendeten kodierte Botschaften an ausgewählte Angehörige. Für keine dieser Aussagen wird ein biblischer Beleg genannt. Hebräer 9,27 sagt lediglich, dass dem Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben und danach vor das Gericht zu kommen. Von einer Zwischenstation, einer Abschiedsphase oder Botschaften an Hinterbliebene steht dort nichts.
Auch das Gleichnis vom reichen Mann und Lazarus stützt diese Vorstellung nicht. Im Gegenteil: Eine Rückkehr des Lazarus als Botschafter zu den Lebenden wird abgewiesen. Die Antwort lautet: „Sie haben Mose und die Propheten; auf diese sollen sie hören" (Lukas 16,29). Nicht Zeichen Verstorbener sollen Glauben schaffen, sondern das offenbarte Wort Gottes.
Noch deutlicher ist Jesaja 8,19:
„Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Soll man die Toten für die Lebenden befragen?"
Die Bibel lenkt den Menschen nicht zu Botschaften Verstorbener, sondern entschieden von ihnen weg. Auch 5. Mose 18,10–12 verbietet jede Form der Totenbefragung. Das bedeutet nicht, dass jede ungewöhnliche Wahrnehmung bewusst herbeigeführt wurde. Es bedeutet aber sehr wohl, dass Christen solche Wahrnehmungen nicht als Botschaften Verstorbener annehmen und daraus eine Lehre entwickeln dürfen.
Dass eine Tonaufnahme ein unbekanntes Geräusch enthält, beweist nicht, dass ein Verstorbener gesprochen hat. Sie dokumentiert ein Geräusch, nicht dessen Ursache. Persönliche Erfahrungen können aufrichtig berichtet und dennoch falsch gedeutet werden. Gerade deshalb fordert die Bibel: „Glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind" (1. Johannes 4,1). Geprüft wird nicht daran, ob eine Erfahrung tröstlich, eindrucksvoll oder persönlich eindeutig erscheint, sondern daran, ob sie mit Gottes Wort übereinstimmt.
Auch 2. Korinther 1,3 und Johannes 11,25 werden unzulässig erweitert. Gott ist der „Gott allen Trostes". Daraus folgt nicht, dass er Verstorbene Botschaften senden lässt. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben." Er verweist damit auf sich selbst, nicht auf Zeichen aus dem Jenseits. Der biblische Trost für Trauernde ist die Wiederkunft Jesu und die Auferstehung der Toten (1. Thessalonicher 4,13–18), nicht die vermeintliche Gegenwart verstorbener Angehöriger.
Ebenso unbiblisch ist die Vorstellung, die Seele müsse durch „Seelenarbeit", Gebotserfüllung und moralische Entwicklung für das Jenseits stabilisiert werden. Der Mensch wird nicht durch die Pflege seiner Seele oder sein Bemühen gerettet. Er wird „aus Gnade durch Glauben" gerettet, „nicht aus Werken" (Epheser 2,8–9). Gott rettet „nicht um der Werke der Gerechtigkeit willen, die wir getan hätten", sondern nach seiner Barmherzigkeit (Titus 3,5). Gehorsam ist die Folge der Rettung, nicht ihre Voraussetzung. Gott tritt in Vorleistung und er tut es quer durch die Bibel. Er vollendet. Sein Geist ist es, der Wiedergeborene antreibt.
Auch die Behauptung, Terroristen seien „keine Menschen wie wir Christen", widerspricht dem Evangelium. Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes, und alle haben gesündigt (Römer 3,23). Christen sind nicht von Natur aus eine bessere Menschenart. Paulus erinnert die Gläubigen daran, dass auch sie einst in Sünde lebten und allein durch Gottes Gnade gerettet wurden (Epheser 2,1–5; Titus 3,3–7).
Schließlich schützt auch das Bekenntnis, Christ zu sein, nicht automatisch vor esoterischem Denken. Ein Christ kann sehr wohl Vorstellungen übernehmen, die ihrem Wesen nach esoterisch sind. Die Behauptung eines nur für geistig offene Empfänger wahrnehmbaren, kodierten Kommunikationssystems Verstorbener ist geradezu ein klassisches Kennzeichen esoterischer Erkenntnis: Einige Menschen sollen Zugang zu einer unsichtbaren Wirklichkeit besitzen, die sich der allgemeinen Prüfung entzieht.
Das Problem liegt deshalb nicht in der Verwendung des Wortes „Esoterik". Das Problem liegt darin, dass persönliche Erfahrungen und menschliche Schlussfolgerungen zur geistlichen Wahrheit erklärt und anschließend in die Bibel hineingelesen werden.
Die Bibel kennt Leben nach dem Tod. Sie kennt Auferstehung, Gericht und ewiges Leben durch Jesus Christus. Sie kennt aber keine Reise der Seele zum Licht, keine Abschiedsphase in der Nähe der Angehörigen, keine kodierten Botschaften Verstorbener und keine Erlösung durch Seelenarbeit.
Was hier vorgetragen wird, ist daher nicht lediglich eine andere christliche Auslegung. Es ist eine mit christlichen Begriffen vermischte, außerbiblische Jenseitslehre.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Was hilft, hoffnungsvoll zu bleiben?
von nusskeks am 20.07.2026 14:50*nickt* Den Eindruck habe ich bei meiner Einschränkung auch. Ich habe einen Sprachfehler und er hat mich, auch in jungen Jahren, in sehr sehr schlimme Situationen geführt. Manchmal wundere ich mich, dass ich noch da bin.
Heute weiß ich, dass Gott diesen Weg genutzt hat. Vielleicht, da bin ich mir noch nicht sicher, hat er diesen Weg herbeigeführt. Ich sehe da in meinem Leben zumindest Hinweise, die darauf hindeuten.
Dazu kommt noch ein großer Korb mit Erlebnissen, Bewahrungen, Freunden, Segnungen und Gebetserhörungen, die ich meinem Jesus gerne zum Lob bringe. Das Wort Gottes ist einfach wahr. Ich habe mich darauf verlassen und wurde nicht verlassen. Das lässt mich hoffnungsvoll bleiben.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Die metaphysische Dimension der menschlichen Existenz: Die Unsterblichkeit der Seele
von nusskeks am 20.07.2026 14:37Na, hier geht es ja wieder wild zu.
Auch wenn ich es nicht als Fehler ansehe, bei Argos führeren Themen ausführlich reagiert zu haben frage ich mich trotzdem, ob ich es wiederholen sollte.?
Daher mal eine Frage an euch Leser: Ihr seht schon, dass Argo einen bunten Mix aus Esoterik, eigener Vorliebe für das Thema "Gewissen" und einen Hauch von biblischen Inhalten als Basis für seine waghalsigen Thesen verwendet, oder? Da muss man nichts mehr klärendes zu schreiben, oder?
gruß
nk
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Die metaphysische Dimension der menschlichen Existenz: Die Unsterblichkeit der Seele
von nusskeks am 19.07.2026 12:40@Cleo, danke für Deine Gedanken. Einen "Like-Button" hätte ich jetzt geklickt. *schmunzelt*
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Die metaphysische Dimension der menschlichen Existenz: Die Unsterblichkeit der Seele
von nusskeks am 18.07.2026 16:37Das wäre nicht die erste Einschätzung, die mir zu Argos Beitrag einfiele. Nach seinen letzten Reaktionen hier im Forum bin ich mir allerdings nicht sicher, ob er überhaupt an einer inhaltlichen Diskussion interessiert ist. Rückfragen und biblische Einwände schienen ihm bisher eher unangenehm zu sein; schließlich hatte er deshalb sogar seinen Abschied angekündigt.
Was also tun?
Einigen Aussagen seines Beitrags kann man als Jesusnachfolger zustimmen. Der Mensch lässt sich nicht auf materielle Vorgänge reduzieren, und mit dem körperlichen Tod endet nicht seine Verantwortung vor Gott. Anderes widerspricht dem biblischen Selbstzeugnis jedoch grundlegend.
Argos Beitrag ist deutlich esoterisch geprägt. Er verwendet zwar Begriffe wie Seele, Gewissen, Gott, Ewigkeit und Licht, füllt sie aber mit Bedeutungen, die sich aus der Bibel nicht ableiten lassen. Die Präexistenz der Seele, geistige Zeichen Verstorbener, die Entwicklung der Seele für eine „Reise zum Licht" und eine natürliche Vereinigung jeder Seele mit Gott gehören nicht zur biblischen Lehre.
Seine Gedanken mögen auf den ersten Blick in sich geschlossen und gut durchdacht erscheinen. Legt man sie jedoch neben das Gesamtzeugnis der Bibel, trägt diese Einschätzung nicht mehr. Dann zeigt sich, dass hier kein biblisches Menschen- und Heilsverständnis entfaltet wird, sondern ein eigenes metaphysisches System, das mit christlichen Begriffen beschrieben wird.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Was hilft, hoffnungsvoll zu bleiben?
von nusskeks am 13.07.2026 16:33Hm. Dann wird es aber schwierig. Denn gleichzeitig besteht Deine Frage darin, wie man ohne Erfüllung Frieden finden kann. Geht es da denn überhaupt ohne das konkrete Beispiel, wenn man konkret und praktisch werden möchte?
Ich zum Beispiel habe eine Behinderung. Etwas, von dem mich Jesus mit Leichtigkeit befreien könnte. Er tut es nicht und zwar schon sehr lange nicht, da ich diese Behinderung seit meiner Kindheit habe. Ich bin mit etwa 22 Jahren von Jesus errettet worden. Meine Behinderung hat Gott dafür genutzt, dass ich ihn kennenlernen durfte. Puh. Harter Stoff. Ich kann Jesus also nach meinem Empfinden nicht einmal böse sein, da er mein Leid dazu benutzt hat, den größten Schatz der Menschheitsgeschichte zu finden. "Alle Dinge müssen zum Besten dienen..." diesen Vers habe ich also nicht aus blanker Theorie zitiert. Da ist es ganz konkret geworden, in meinen Leben.
Das meine ich. Man muss konrket oder zumindest konkreter werden.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Was hilft, hoffnungsvoll zu bleiben?
von nusskeks am 12.07.2026 14:58Das hängt bei mir zunächst von dem Wunsch ab. Ich hatte in meinem Leben schon verschiedene Wünsche, die ich für mehr oder weniger wichtig gehalten habe. Ich möchte in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes leben. Deshalb wäre eine meiner ersten Fragen: Entspricht mein Wunsch überhaupt dem Willen Gottes? Ist es vielleicht sogar Gottes Bewahrung, dass dieser Wunsch nicht erfüllt wird?
Diese Frage habe ich mir schon mehrfach gestellt. Denn längst nicht alles, was wir Menschen uns von Gott wünschen, ist tatsächlich gut für uns. Inzwischen bin ich sehr froh darüber, dass Gott mir nicht alles gegeben hat, was ich mir im Laufe meines Lebens gewünscht hatte.
Dann ist da noch die Frage nach der Wichtigkeit. Zumindest mir geht es so, dass ich mich in diesem Punkt schon deutlich geirrt habe. Die Gründe dafür waren unterschiedlich: Naivität, Unerfahrenheit, fehlendes Bibelwissen, eigener Stolz oder schlicht die umfassende weltliche Prägung, die man in unserer Gesellschaft mitbekommt. Denn die Welt um uns herum hält sehr oft Dinge für wichtig, die es in den Augen Gottes nicht sind.
Wünsche können sehr unterschiedlich sein. Manchmal geht es um Gegenstände, Menschen, Situationen oder Orte. Weshalb bewahrt Gott mich nicht vor Schwierigkeiten im Berufsleben? Diesen Wunsch hatte ich schon mehrfach. Manche schwierigen Lebenslagen, solche dunklen Täler, ziehen sich über Monate oder sogar Jahre hin. Dann stellt sich schnell die Frage: Wo ist Gott, wenn man ihn braucht?
Dabei kommt es entscheidend darauf an, wer Gott wirklich ist – nicht nur darauf, welches Bild ich mir von ihm mache. Die Bibel zeigt ihn als vollkommen vertrauenswürdig. Er macht keine Fehler, wird durch nichts überrascht und meint es gut mit seinen Kindern. Seine Vorsehung ist so weise und umfassend, dass mein Verstand nicht ausreicht, sie vollständig zu durchdringen. Was bleibt, ist Vertrauen.
Dieses Vertrauen gründet sich auf sein Wort. Gott sagt, dass denen, die ihn lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken. Das ist eine gewaltige Aussage, die mir schon oft Trost, Zuversicht und Hoffnung geschenkt hat. Sie bedeutet allerdings nicht, dass sich alles gut anfühlt oder dass ich den Sinn jeder Schwierigkeit erkennen werde. Das Gute besteht nach dem folgenden Vers auch darin, dass Gott mich dem Bild seines Sohnes ähnlicher macht. Manches Gute werde ich vielleicht erst in der Ewigkeit verstehen.
Woher weiß ich außerdem, dass mein Wunsch endgültig unerfüllt bleibt? Vielleicht wird manches tatsächlich ganz anders erfüllt, als ich es mir vorgestellt hatte, und auf eine wesentlich bessere Weise. Denn die Lösungen, die uns für unsere Schwierigkeiten vorschweben, sind oft gar nicht oder nur begrenzt dazu geeignet, diese wirklich zu lösen. Gott hat den Überblick, den Durchblick und den Weitblick, die mir fehlen. Er ist Gott. Ich bin ein Mensch
Es kann aber auch sein, dass Gott einen Wunsch nicht erfüllt. Dann gilt das Wort: „Meine Gnade genügt dir." Paulus bat dreimal darum, von seinem Leiden befreit zu werden. Gott nahm es ihm nicht, versprach ihm aber seine tragende Kraft. Gottes Antwort kann „noch nicht" heißen, aber auch ein endgültiges „Nein" sein. Seine Liebe zu mir hängt jedoch nicht davon ab, ob er meinen Wunsch erfüllt. Seine Liebe hat er in Jesus Christus und am Kreuz eindeutig bewiesen.
Wird mir ein Wunsch, den ich für besonders wichtig oder sogar existenziell halte, nicht gewährt, kann ich mich auch fragen: Was sagt dieser Wunsch über mich selbst aus? Ist der Grund meines Wunsches wirklich der, für den ich ihn halte? Ist der Wunsch vielleicht so wichtig geworden, dass ich meine Hoffnung, Sicherheit oder Identität von seiner Erfüllung abhängig mache? Oder steckt etwas dahinter, das ich bisher nicht erkannt habe?
Diese Selbstprüfung kann hilfreich sein. Sie darf aber nicht zu dem Schluss führen, dass hinter jedem unerfüllten Wunsch ein falsches Motiv oder eine verborgene Sünde stecken muss. Auch gute und berechtigte Wünsche können unerfüllt bleiben. Nicht jede schwere Situation lässt sich erklären.
Hoffnungsvoll zu bleiben bedeutet für mich deshalb nicht, Enttäuschung oder Trauer zu verdrängen. Die Psalmen zeigen, dass wir Gott unsere Klage, unsere Fragen und unseren Schmerz sagen dürfen. Christliche Hoffnung besteht nicht darin, dass sich jeder wichtige Wunsch erfüllt. Sie besteht darin, dass Gott bleibt, dass seine Gnade trägt und dass nichts uns von seiner Liebe in Jesus Christus trennen kann.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Impulse
von nusskeks am 04.07.2026 14:46Wach bleiben
Die Naherwartung der ersten Christen war kein Fehler. Sie war kein Missverständnis, keine unreife Endzeitstimmung und auch keine begrenzte Sicht, die wir heute in der Rückschau korrigieren müssten. Jesus hätte damals wiederkommen können. Paulus durfte damit rechnen. Die Gemeinde durfte damit rechnen. Und wir sollen es ebenfalls.
Denn Jesus hat nicht gesagt: Ihr werdet den Zeitpunkt ungefähr erkennen. Er hat gesagt: „Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand." Darum ruft er seine Jünger zur Wachsamkeit. Der Herr kommt wie ein Dieb in der Nacht. Der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der man es nicht meint. Das ist keine Drohung für Neugierige, sondern korrekte Perspektive oder die Einnahme der richtigen Priorität.
Zugleich lehrt Jesus auch die mögliche Verzögerung. Der Bräutigam bleibt aus. Der Herr kommt nach langer Zeit zurück. Das Reich erscheint nicht sofort sichtbar. Nähe und Verzögerung gehören also zusammen. Nicht wir sind klüger als die ersten Christen, weil zweitausend Jahre vergangen sind. Die Bibel macht uns vielmehr klug, indem sie uns lehrt: Der Herr kann jederzeit kommen, und niemand kann den Zeitpunkt berechnen oder korrekt einschätzen.
Paulus steht genau in dieser Linie. Wenn er in 1. Korinther 7 schreibt: „Die Zeit ist zusammengedrängt", dann meint er nicht, er kenne den Termin. Er sieht die Welt seit Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu auf ihr Ziel hin gedrängt / konzentriert. Die Gestalt dieser Welt vergeht. Ds bedeutet nicht, dass Gottes Schöpfung wertlos ist, aber ihre jetzige Ordnung ist vorläufig und vorübergehend.
Darum sagt Paulus: Die Verheirateten sollen sein, als hätten sie keine Frau; die Weinenden, als weinten sie nicht; die sich Freuenden, als freuten sie sich nicht; die Kaufenden, als behielten sie es nicht. Das bedeutet nicht Kälte. Nicht Lieblosigkeit. Nicht Rückzug aus Ehe, Familie, Arbeit oder Alltag. Es bedeutet: Nichts davon darf das Letzte werden und unser Leben bestimmen. Das soll und darf nur Gott.
Die Ehe ist gut. Aber sie ist nicht Christus. Trauer ist echt. Aber sie hat nicht das letzte Wort. Freude ist Geschenk. Aber sie ist noch nicht Vollendung. Besitz kann nützlich sein. Aber er darf nicht das Herz besitzen. Wir gebrauchen die Welt, aber wir dürfen uns nicht von ihr gebrauchen und vereinnahmen lassen.
Genau dazu ist uns die Schrift gegeben. Sie zeigt nicht nur, was damals galt. Sie richtet unsere Prioritäten auch heute auf die Perspektive Gottes aus. Wir leben nicht aus der Frage: Wie sichere ich mein Leben möglichst vollständig ab? Sondern: Wie lebe ich heute so, dass ich dem Herrn gehöre, wenn er kommt?
Die Wehen der Endzeit begleiten die Geschichte. Jede Generation erlebt Erschütterungen, Verführung, Not, Verfolgung, falsche Sicherheiten. Keine Generation darf oder kann sagen: Jetzt kennen wir den Termin. Aber jede Generation muss sagen: Der Herr könnte kommen.
Falls überhaupt war also nicht die Naherwartung der Apostel das Problem. Eher ist es unsere Erwartungslosigkeit die ein Problem sein könnte. Ba muss sich jeder selber prüfen.
Das Neue Testament ruft uns nicht zur Panik, sondern zur Wachheit. Nicht zur Spekulation, sondern zum Gehorsam. Nicht zur Weltflucht, sondern zu einem Leben mit gelösten Händen und klarem Herzen.
Der Herr kann heute kommen. Er kann sich noch verzögern. Beides liegt in Gottes Hand. Unsere Aufgabe ist nicht, den Zeitpunkt zu kennen. Unsere Aufgabe ist, bereit zu sein und bis dahin so zu leben, dass es dem Willen Gottes entspricht.
Maranatha. Unser Herr, komm.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: Rettungsschiff MS Jesus.
von nusskeks am 02.07.2026 08:19Ich kann diese Video-Reihe nur empfehlen. Habe sie mir bereits angeschaut.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel
Re: 5. Mose 31,24-27
von nusskeks am 30.06.2026 13:12Hallo Merciful,
mir ist nicht ganz klar, worauf Du hinauswillst. Da Du lediglich eine bestimmte Aussage aus meinem Beitrag zitierst, vermute ich, dass Du meiner Aussage widersprechen möchtest, Jesus und die Apostel ließen keinen Zweifel daran, dass die Schrift in allem verbindliche göttliche Autorität besitzt. Falls das so ist, sehe ich den Zusammenhang zu Deiner Erwiderung noch nicht richtig.
Denn ja, Jesus differenziert hier tatsächlich. Aber diese Differenzierung spricht nicht gegen die göttliche Autorität der Schrift, sondern zeigt, wie sorgfältig Jesus die Schrift auslegt. Weder wird die Schöpfungsordnung aufgehoben, noch war der Scheidebrief falsch. Beides gehört zusammen.
Jesus stellt Mose nicht gegen Gott, als hätte Mose eigenmächtig eine menschliche Sondermeinung in Gottes Gesetz eingebracht. Er unterscheidet vielmehr zwischen Gottes ursprünglicher Schöpfungsordnung und einer Regelung, die wegen der Herzenshärtigkeit Israels gegeben wurde. Eine solche Regelung ist nicht deshalb falsch oder ungöttlich. Sie hat nur eine andere Funktion: Sie offenbart nicht Gottes ursprüngliches Ideal, sondern ordnet und begrenzt das Leben gefallener Menschen.
Gerade darin zeigt sich die Weisheit Gottes in der Tora. Die Schrift enthält nicht nur Schöpfungsordnung, sondern auch Gebote, Gerichtsordnungen, Schutzbestimmungen, Zugeständnisse und heilsgeschichtliche Übergangsregelungen. Nicht alles ist in derselben Weise und für jeden normativ, aber alles ist zuverlässig und mit göttlicher Autorität gegeben.
Jesus relativiert also nicht die Schrift. Er korrigiert eine falsche Anwendung der Schrift durch die Schrift selbst. Die Scheidungsregelung aus Mose durfte nicht gegen Gottes ursprünglichen Willen aus Genesis ausgespielt werden. Genau das ist für mich kein Argument gegen das biblische Selbstzeugnis, sondern ein starkes Beispiel dafür, wie Jesus die Tora als Gottes Wort ernst nimmt und richtig ordnet.
Hoditai, Mensch des Weges
One of Israel


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