Impulse
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Re: Impulse
von nusskeks am 11.09.2025 16:44Ein Ja, das Ja bleibt
(Matth. 5,33-37)
„Ihr habt gehört ... ich aber sage euch." Mit diesen Worten führt Jesus seine Zuhörer mitten hinein in ein Thema, das damals wie heute brandaktuell ist: Wahrhaftigkeit.
Im Alten Testament war Schwören nicht verboten. Wer schwor, sollte es nur im Namen des Herrn tun und durfte den Eid nicht brechen (Lev 19,12; Num 30,3). Der Schwur war also eigentlich eine Bekräftigung der Wahrheit. Doch zur Zeit Jesu hatte sich eine Kultur entwickelt, die genau das unterlief. Man erfand Ausweich-Formeln: „bei Himmel", „bei Erde", „bei Jerusalem", „bei meinem Haupt". Solche Schwüre galten in manchen rabbinischen Schulen als weniger bindend als ein Schwur im Namen Gottes. Mit anderen Worten: Man konnte scheinbar schwören und sich doch ein Hintertürchen offenhalten.
Genau dagegen richtet Jesus seine Worte: „Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt... Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen." (Mt 5,34.37). Er nimmt den Menschen die Ausreden weg. Denn jeder Schwur, ob bei Himmel, Erde oder Jerusalem, bezieht letztlich Gott mit ein. Der Himmel ist sein Thron, die Erde sein Schemel, Jerusalem die Stadt des großen Königs. Selbst dein „Haupt" gehört dir nicht, weil du kein einziges Haar weiß oder schwarz machen kannst.
Damit legt Jesus den Kern frei: Das Problem liegt nicht in der Form des Schwurs, sondern im Herzen, das nach Schlupflöchern sucht, statt die Wahrheit klar zu sagen.
Der Ruf Jesu ist radikal einfach: Ein „Ja" soll ein Ja sein. Ein „Nein" ein Nein. Keine Füllwörter, keine Absicherungen, kein verschwurbeltes Kleingedrucktes. Menschen, die zu Jesus gehören, zeichnen sich durch eine Sprache der Klarheit aus.
Das ist herausfordernd. Denn wie oft weichen wir in unserem Alltag aus: Wir sagen Dinge so, dass sie gut klingen, aber nicht ganz die ganze Wahrheit sind. Wir geben Zusagen, bei denen wir schon spüren, dass wir sie nicht halten können. Wir schmücken, beschönigen oder polstern ab, damit wir besser dastehen. Jesus entlarvt all das als „vom Bösen".
Doch sein Ziel ist nicht, uns bloßzustellen, sondern uns frei zu machen. Frei von dem Druck, immer noch eine Absicherung einbauen zu müssen. Frei von dem Zwang, mit Worten zu tricksen. Frei, einfach zu sagen, was ist.
Das Reich Gottes zeigt sich schon darin, dass Christen Menschen sind, denen man glauben kann. Dass unser Wort trägt – auch ohne Eid. Dass wir nicht mit großen Schwüren beeindrucken, sondern mit still verlässlicher Wahrhaftigkeit.
Jesus lädt uns ein, neu anzufangen: „Herr, mach mein Herz wahrhaftig, damit meine Worte verlässlich sind." Dann wird unser Ja ein echtes Ja sein – und unser Nein ein verlässliches Nein. Und Menschen um uns herum werden etwas von Gottes Treue erkennen, die niemals wankt.
Hoditai, Mensch des Weges
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Re: Impulse
von nusskeks am 07.09.2025 07:52Ein reines Herz in einer gebrochenen Welt
Jesus führt die Linie aus 5,17–20 fort: Nicht nur die Tat, sondern schon das Herz steht vor Gott zur Prüfung. Beim 7. Gebot („Du sollst nicht ehebrechen") widerspricht er der gängigen Auslegung, die Schuld erst beim vollzogenen Akt sah. Er zeigt: Die innere Begierde bricht bereits die Gerechtigkeit des Gebotes – noch bevor irgendetwas „passiert". Wer „anschaut, um zu begehren", hat im Herzen schon die Grenze überschritten. Die Tat wächst aus dem Inneren; deshalb muss dort die Umkehr beginnen.
Bemerkenswert: Auch jüdische Stimmen seiner Zeit kannten diese innere Zuspitzung. Rabbinische Texte warnen, dass Blicke und Gedanken den Weg zur Sünde bahnen; wer „mit den Augen" ehebricht, ist vor Gott nicht unschuldig. Das Auge gilt als „Vehikel" des Ehebruchs; unreine Einbildung ist „schlimmer als die Tat". Jesus steht damit nicht gegen das Alte Testament, sondern führt zu seinem eigentlichen Sinn: Heiligung beginnt im Verborgenen.
Darum seine drastischen Bilder: „Rechtes Auge ausreißen, rechte Hand abhauen" – keine Aufforderung zur Selbstverstümmelung, sondern eine auffällige Redeweise für entschlossenes Abschneiden dessen, was zu Fall bringt. Besser radikal mit der Ursache brechen, als das ganze Leben zu verlieren. Jesus ruft zu einer konsequenten Jüngerschaft, die Versuchungsquellen entfernt, bevor sie Frucht tragen.
Im zweiten Teil (V. 31–32) nimmt er die Scheidungsfrage auf (Dtn 24,1). Damals stritten zwei Schulen: Hillel erlaubte Scheidung „aus (fast) jedem Grund", Schammai beschränkte sie auf einen sexuellen Fehltritt. Jesus weist die „Beliebigkeit" zurück und stellt die ursprüngliche Intention Gottes wieder her: Bundestreue – mit einer engen Ausnahme („außer wegen Unzucht"). Damit liegt er in der Sache bei der strengen Lesart: Scheidung ist nicht ein bequemes Ausweichmanöver, sondern nur da denkbar, wo der Bund durch sexuelle Untreue zerbrochen wurde.
Das Wort porneía (V. 32) bezeichnet sexuelle Unmoral im weiteren Sinn; an anderer Stelle wird klar: Diese Ausnahme benennt den legitimen Grund für Scheidung – nicht einen Katalog. Das Ziel bleibt: schützen, was Gott verbunden hat; heilen, was heilbar ist; und das Opfer eines gebrochenen Bundes nicht zusätzlich belasten.
Was heißt das für uns?
-> Hüte dein Herz. Der Kampf wird früh entschieden – bei Blick, Gedanke, Fantasie. Bitte den Geist Gottes um ein waches Gewissen und klare Grenzen.
-> Schneide entschlossen ab. Alles, was dich regelmäßig zu Fall bringt (Medien, Wege, Kontakte, Routinen), gehört konsequent „abgestellt". Das ist keine Askese um ihrer selbst willen, sondern Liebe zur Reinheit.
-> Ehre den Bund. Ehe ist Gottes Werk. Wo Untreue zerstört, braucht es Wahrheit, Buße und gegebenenfalls eine nüchterne Anwendung der Ausnahme – ohne Zynismus, ohne Härte, mit dem Blick auf Gottes Herz für Treue.
So ruft Mt 5,27–32 nicht zuerst zu mehr Regeln, sondern zu mehr Wirklichkeit: ein Herz, das Gott fürchtet und Menschen liebt – in Blick, Wort, Entscheidung und Bund.
Hoditai, Mensch des Weges
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Re: Impulse
von nusskeks am 01.09.2025 15:49Matthäus 5,21–26
(Quellen: Bibel und "Yeshua, The life of Messiah", A. Fruchtenbaum)
Jesus setzt nach 5,17–20 sofort um, was er mit „nicht auflösen, sondern erfüllen" meint: Er stellt nicht das Gebot gegen Mord in Frage, sondern zeigt dessen innere Gerechtigkeit – die Ebene, auf der das Herz schon lange vor der Tat schuldig werden kann. Der Einstieg „Ihr habt gehört, dass gesagt ist ..." greift eine geläufige rabbinische Lehrformel auf („ihr habt eine Überlieferung empfangen") und kontrastiert sie mit seiner eigenen Vollmacht: „Ich aber sage euch ...". Es geht also um Gottes Gebot vs. die gängige Auslegungstradition – und um die Richtigkeit des Herzens, nicht nur um äußere Korrektheit.
Darum verschiebt Jesus den Brennpunkt: Anhaltender Zorn gegen den Bruder stellt bereits vor das Gericht; die abwertende Anrede „Raka" („leer, Hohlkopf") bringt in Gefahr vor den Rat; das vernichtende „Narr!" (mōros) zielt auf die Gehenna des Feuers. Das ist keine juristische Staffelung zum Abhaken, sondern Jesus baut seine Warnungen stufenweise auf – jede Stufe ernster als die vorherige: Aus innerer Feindseligkeit wachsen Worte, aus Worten Taten. Schon „Raka" wird in rabbinischen Texten als scharfes Wort angesehen; Jesus markiert genau diesen Moment, in dem Worte zum Bruch der Gebots-Gerechtigkeit werden.
Gehenna (hebr. Gê Hinnom, „Tal Hinnom") ist dabei nicht bloß ein Synonym für „Hölle", sondern ein bekannter jüdischer Bildraum: das Tal südlich Jerusalems, mit der düsteren Erinnerung an Kinderopfer – daher wurde es zum Bild des endgültigen Gerichtsfeuers. Wenn Jesus sagt „Gefahr der Gehenna des Feuers", legt er den Finger auf die letzte Konsequenz ungeklärter, verächtlicher Herzenshaltung.
Auffällig ist die Vorrangregel in V. 23–24: Mitten im Gottesdienst – „wenn du deine Gabe zum Altar bringst" – hat Versöhnung Priorität vor der Opferhandlung. Gottesdienst ohne geklärte Beziehungen ist unvollständig. Jesus ruft dazu auf, den Gottesraum nicht als Fluchtort vor menschlichen Konflikten zu benutzen, sondern als Anstoß, sie endlich zu klären. Erst dann: „... und komm und opfere deine Gabe."
Die folgende Mini-Gleichnisrede (V. 25–26) macht das praktisch: „Einig dich schnell mit deinem Gegner auf dem Weg" – also bevor ihr im Gerichtssaal steht und die Sache euch entgleitet. Worte wie „Richter", „Gerichtsdiener", „Gefängnis", „bis du den letzten Pfennig bezahlt hast" illustrieren die Konsequenzkette ungeklärter Schuld: Je länger man wartet, desto teurer wird es – und irgendwann entscheidet ein anderer über dich. Der geistliche Punkt: Proaktive Versöhnung ist nicht nett, sondern Gehorsam.
Was heißt das für uns?
Nimm dein Herz ernst. Nicht nur die Faust, auch die Feindseligkeit verletzt das Gebot. Prüfe: Wo haben sich Groll, zynische Etiketten und kalte Geringschätzung breitgemacht? („Raka" beginnt heute oft als Augenrollen.)
Repariere Beziehungen vor Ritualen. Lehre, Dienst, Liturgie – alles zweitrangig, wenn zwischen mir und meinem Bruder / meiner Schwester etwas steht. Gott ehrt, wenn wir aufstehen, hinausgehen und Frieden suchen.
Handle früh. „Auf dem Weg" ist die Gnadenzeit der freiwilligen Klärung. Später regelt „das System" – und selten zu deinem Guten. Geistlich gesprochen: Heute ist der Tag, Schritte zu tun.
Gewicht der Worte. Unsere Zunge kann „Gericht" lostreten – oder Segen. Jesus' Warn-Crescendo will uns nicht lähmen, sondern zum Friedensstiften befreien.
Kurz: Mt 5,21–26 ruft nicht zu weicheren Maßstäben, sondern zu tieferer Gerechtigkeit. Wer dem König gehört, lässt es nicht zur Tat kommen, weil er schon beim Zorn inne hält, bei der Wortwahl umkehrt und bei der Versöhnung den ersten Schritt tut. Das ist Gottesdienst, der Gott wirklich ehrt.
Hoditai, Mensch des Weges
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Re: Impulse
von nusskeks am 29.08.2025 20:16„Nicht auflösen, sondern erfüllen" – Matthäus 5,17–20
Die Bergpredigt ist (wie bereits erwähnt) nicht nur eine Ethikrede, sondern eine Königsrede: Jesus erklärt, wie die Bürger seines Reiches leben. Und hier räumt er mit einem möglichen Missverständnis auf: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen;" (5,17a).
Das Wort „aufzulösen" (katalysai) ist ein starkes Verb – es meint „zerstören, niederreißen". Genau das tat Jesus nicht. Vielmehr sagt er: „ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen (plērōsai). Dieses Wort ist bei Matthäus durchgängig aufgeladen: Es beschreibt, dass das, was Gott im Alten Testament angekündigt hat, jetzt in Jesus zur Vollendung gebracht wird. Er stellt das Gesetz nicht beiseite, sondern lebt es so, wie es von Anfang an gedacht war. Während menschliche Traditionen es oft verdrehten, bringt er es auf seinen wahren Sinn zurück.
Darum sagt er in Vers 18: „Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht." Damit betont er nicht die ewige Verpflichtung jedes einzelnen mosaischen Gebots in seiner kultischen Form, sondern die unerschütterliche Verlässlichkeit der ganzen Schrift: Alles, was sie ankündigt, erfüllt sich – in seiner Person und in seinem Werk.
Vers 19 zeigt: Wer das Geringste in Gottes Wort beiseite schiebt, zeigt eine Haltung, die gering im Reich ist. Wer aber auch im Kleinen ernst nimmt, was Gott sagt, der gilt als groß. Jesus ruft also dazu auf, die Autorität der Schrift in ihrer ganzen Tiefe zu achten – nicht selektiv, nicht willkürlich.
Der Kern kommt in Vers 20: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen." Für die Hörer war das radikal. Denn gerade die Pharisäer galten als die strengsten Gesetzeshüter. Doch Jesus entlarvt ihre Gerechtigkeit als äußerlich. Sie bestand in Regelwerken, Traditionen, Abgrenzung – aber nicht im erneuerten Herzen.
Die geforderte „überfließende Gerechtigkeit" (perisseusē) bedeutet mehr als „ein bisschen mehr als die Pharisäer". Es ist eine Gerechtigkeit anderer Qualität – eine, die von innen kommt, aus einer lebendigen Beziehung zu Gott. Nur durch eine von Gott geschenkte Gerechtigkeit (vgl. Jer 31,31–34; Hes 36,26–27) wird der Mensch befähigt, wirklich in Gottes Reich zu stehen.
In den damaligen rabbinischen Schriften findet sich die Aussage: „Ganz Israel hat Anteil an der kommenden Welt." Jesus widerspricht direkt: Nicht nationale Zugehörigkeit und nicht äußere Gesetzestreue sind entscheidend, sondern eine neue Gerechtigkeit, die Gott selbst schenkt.
Für uns heute
-> Das Gesetz erfüllt: In Jesus ist Gottes Wille nicht abgeschafft, sondern vollkommen gelebt. Wer ihn kennt, sieht, was „Gerechtigkeit" wirklich bedeutet.
-> Die Schrift bestätigt: Kein Strichlein vergeht, bis alles geschehen ist. Gottes Wort ist absolut zuverlässig.
-> Die wahre Gerechtigkeit: Sie geht tiefer als äußerer Schein. Sie ist nicht Machwerk des Menschen, sondern Geschenk Gottes, das im Glauben empfangen wird.
Damit wird deutlich: Jesus ruft nicht zu mehr äußerlicher Strenge auf, sondern zu einer ganz neuen Art des Lebens – einer Gerechtigkeit, die überfließt, weil sie aus dem Herzen kommt, das Gott erneuert hat.
Hoditai, Mensch des Weges
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Re: Impulse
von nusskeks am 27.08.2025 09:35„Salz, das nicht mehr salzt?" (Mt 5,13–16)
Jesus sagt: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? (Mt 5,13). Der griechische Grundtext ist an dieser Stelle erstaunlich scharf. Dort steht nicht ein Verb wie „würzen", sondern μωρανθῇ – wörtlich: „töricht, dumm werden". Das Bild ist also: Salz, das „dumm" geworden ist, das seinen Sinn verloren hat.
Wie ist das zu verstehen? Reines Natriumchlorid verliert seine Würzkraft nicht. Doch das „Salz" im antiken Israel war meist Mischsalz, besonders aus dem Toten Meer. Dieses war mit anderen Mineralien durchsetzt. Wenn das eigentliche Salz ausgewaschen war, blieb eine farblose, geschmacklose Masse zurück. Sie sah noch aus wie Salz – aber sie hatte keinen Wert mehr, „zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.".
So macht Jesus klar: Die Identität seiner Jünger ist nicht etwas, das sie sich mühsam erarbeiten müssen – „Ihr seid Salz!" –, aber dieses Salz kann „geschmacklos" werden, wenn es seine Kraft verliert. Christsein ohne Wirkung ist wie „dumm gewordenes" Salz: äußerlich noch da, aber ohne Einfluss.
Dasselbe gilt für das Bild vom Licht. „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein" (V. 14). Israel sollte „Licht für die Nationen" sein (Jes 49,6), und nun überträgt Jesus diesen Auftrag auf seine Nachfolger. Licht ist sichtbar oder es ist nicht Licht. Niemand zündet eine Lampe an, um sie unter einen Eimer zu stellen.
Beide Bilder – Salz und Licht – haben gemeinsam: Sie existieren nicht für sich selbst, sondern für andere. Salz wirkt, indem es durchdringt. Licht wirkt, indem es sichtbar ist. Der Zweck von Salz ist nicht, hübsch im Streuer zu bleiben, sondern Speisen zu bewahren und zu würzen. Der Zweck von Licht ist nicht, verborgen zu sein, sondern zu leuchten.
Und Jesus sagt, warum: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (V. 16). Nicht der Ruhm des Jüngers ist das Ziel, sondern dass Menschen im gelebten Glauben Gott erkennen.
Für uns heute liegt darin eine ernste, aber ermutigende Botschaft. Ernst, weil wir uns fragen müssen: Ist mein Glaube noch „salzig" – spürbar für andere? Oder ist er ausgelaugt wie das alte Mischsalz am Toten Meer? Ermutigend, weil Jesus nicht fordert: „Strengt euch an, Salz zu werden", sondern sagt: „Ihr seid es." Unsere Aufgabe ist, das nicht zu verlieren, sondern in seiner Kraft zu leben.
Salz, das nicht mehr salzt, ist nutzlos. Aber Salz, das wirkt, kann verderbnishemmend und geschmackgebend sein. Licht, das leuchtet, weist Menschen zum Vater. Das Reich Gottes wird nicht durch Macht oder Politik sichtbar, sondern durch Jünger, die treu Salz und Licht sind – mitten in der Welt.
Hoditai, Mensch des Weges
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Re: Impulse
von nusskeks am 26.08.2025 07:15Matthäus 5,1–12
Die Seligpreisungen gehören zu den bekanntesten Worten Jesu – und doch werden entscheidende Nuancen oft übersehen.
Zunächst die Adressaten: Matthäus betont, dass Jesus seine „Jünger" lehrte (Mt 5,1–2). Die Menge hört zwar zu, doch die Worte gelten in erster Linie denen, die ihm nachfolgen. Es geht also nicht darum, wie man ins Reich hineinkommt, sondern wie die aussieht, die schon dazugehören.
Die Struktur macht dies deutlich: Die erste und die achte Seligpreisung enden identisch – „denn ihrer ist das Reich der Himmel" (V. 3 und V. 10). Damit wird der Abschnitt eingerahmt, eine sogenannte „Inklusion". Alles dazwischen beschreibt Wesenszüge der Reichsangehörigen.
Ein weiterer Punkt ist der zeitliche Wechsel: Zweimal heißt es „denn ihrer ist" – Gegenwart. Dazwischen: „sie werden ..." – Zukunft. Das zeigt den typischen Rhythmus des Reiches: Es ist schon da, und doch noch nicht vollendet. Wir leben im Dazwischen – Anteil am Reich jetzt, Erfüllung in der Zukunft.
Auch der jüdische Hintergrund ist zentral. „Arm im Geist" (πτωχοὶ τῷ πνεύματι) erinnert an die 'anawim (ענוים), die Demütigen in den Psalmen und Jesaja 61: Menschen, die nichts vorzuweisen haben und allein auf Gott hoffen. „Die Sanftmütigen werden das Land erben" (V. 5) greift wörtlich Psalm 37,11 auf. Für jüdische Hörer war das sofort ein messianisches Signal: das verheißene Erbe des Landes, das Gott den Treuen geben wird.
Oft übersehen wird, wie stark Leid und Verfolgung betont sind. Gleich zweimal spricht Jesus davon (V. 10–12). Wer ihm gehört, wird Widerstand erleben – so wie die Propheten vor ihnen. Reichszugehörigkeit bedeutet nicht Bequemlichkeit, sondern Auseinandersetzung mit einer feindlichen Welt.
Ein weiteres Missverständnis hält sich hartnäckig: Die Seligpreisungen seien eine Liste von „Tugenden", die man sich erarbeiten müsse. Doch Jesus beschreibt hier nicht Stufen, die man erklimmen muss, um selig zu werden. Er beschreibt, wie das Wesen der Menschen aussieht, die er selig nennt – Kennzeichen eines Lebens, das von Gott erneuert wurde.
Schließlich der Kontext: Jesus steigt auf den Berg und lehrt – bewusst in Anklang an Mose am Sinai. Doch er bringt keine neue Gesetzessammlung, sondern spricht als der König selbst. Die Bergpredigt ist nicht bloß Ethik, sondern "Reichsverfassung": die Beschreibung des Charakters der Bürger des messianischen Reiches.
Für uns heute liegt hier eine doppelte Botschaft: Trost und Herausforderung. Trost, weil die Seligpreisungen Menschen ansprechen, die nichts vorzuweisen haben – die Armgewordenen, die Trauernden, die Hungernden nach Gerechtigkeit. Genau sie nennt Jesus „selig". Herausforderung, weil die Nachfolge unweigerlich zu Widerstand führt. Doch mitten in Verfolgung steht die Zusage: „Euer Lohn ist groß im Himmel."
So sind die Seligpreisungen nicht einfach schöne Worte. Sie sind ein Spiegel: Bin ich arm im Geist, angewiesen auf Gott? Sehne ich mich nach seiner Gerechtigkeit? Bin ich bereit, Verachtung zu tragen, weil ich zu ihm gehöre? Dann darf ich gewiss sein: „Denn deiner ist das Reich der Himmel."
Hoditai, Mensch des Weges
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Re: Impulse
von nusskeks am 24.08.2025 12:37Matthäus 4,18–25 – Ruf in die Nachfolge und Beginn des öffentlichen Wirkens
Nachdem Jesus in Galiläa seine Botschaft verkündigt hatte („Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen"), schildert Matthäus, wie er die ersten Jünger in seinen Dienst ruft. Am See von Galiläa begegnet er Simon (Petrus) und Andreas sowie den Brüdern Jakobus und Johannes. Bemerkenswert: Dies war nicht die erste Begegnung (Johannes 1 berichtet von einem früheren Kennenlernen). Doch jetzt geht es um einen entscheidenden Schritt: Sie sollen nicht nur glauben, sondern in verbindliche Nachfolge als seine Jünger treten.
Jesu Ruf lautet: „Kommt, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen." (Mt 4,19). Im Grundtext steht hier das starke Imperativ Δεῦτε ὀπίσω μου – „kommt hinter mich her". Es ist kein freundliches Angebot, sondern ein autoritativer Ruf des Messias. Das Bild vom „Menschenfischer" knüpft an ihren Beruf an, bedeutet aber eine völlige Umkehr der Zielrichtung: Statt Fische aus dem Wasser zu ziehen, sollen sie künftig Menschen für Gottes Reich gewinnen.
Alle vier Männer reagieren sofort und lassen Netze, Boote und sogar den Vater zurück. Das zeigt die Radikalität der Jüngerschaft: Nachfolge Jesu duldet keinen Aufschub und fordert volle Hingabe.
Ab Vers 23 wird Jesu Wirken zusammengefasst. Drei Tätigkeiten werden genannt:
Lehren in den Synagogen – der natürliche Ort, um Israel zu erreichen.
Verkündigen des Evangeliums vom Reich – im Griechischen: τὸ εὐαγγέλιον τῆς βασιλείας. Hier ist nicht in erster Linie das Evangelium vom Kreuz und der Auferstehung gemeint (das wird später das Zentrum), sondern die „gute Nachricht": Der verheißene König ist da, und mit ihm ist das messianische Reich nahe.
Heilen aller Krankheiten und Schwachheiten – diese Zeichen bestätigten seine Botschaft. Sie waren nicht Selbstzweck, sondern Beweis seiner messianischen Autorität.
Die Wirkung war beachtlich: Die Kunde von ihm verbreitete sich „in ganz Syrien" (V. 24), also über die jüdischen Grenzen hinaus in die römische Provinz. Menschen kamen mit allen möglichen Krankheiten, Besessenheiten und Leiden – und er heilte sie alle. Große Volksmengen folgten ihm aus Galiläa, Judäa, Jerusalem, der Dekapolis und dem Gebiet jenseits des Jordan. Schon hier erfüllt sich, dass das Licht des Messias (vgl. Jes 9) weit über Galiläa hinausstrahlt.
Dieser Abschnitt zeigt zwei Dinge in besonderer Tiefe:
Der Ruf zur Nachfolge ist verbindlich und radikal – Jesus ruft nicht zu einer lockeren Sympathie, sondern zu einem Leben, das alles andere zurückstellt.
Die Botschaft vom Reich war die Verkündigung, dass Gottes Herrschaft in der Person des Messias angebrochen ist. Seine Heilungen und Zeichen beglaubigen diesen Anspruch und machen deutlich: Hier ist der König, der gekommen ist, um das Reich aufzurichten.
Für uns heute bedeutet das: Nachfolge heißt, dem Ruf Jesu ohne Zögern zu folgen – und zugleich zu erkennen, dass das Reich Gottes nicht eine ferne Hoffnung ist, sondern schon in Jesus mitten in die Welt hineingebrochen ist.
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Re: Impulse
von nusskeks am 23.08.2025 10:58Matthäus 4,12–17 – Jesu Beginn in Galiläa
Wenn Jesus hört, dass Johannes der Täufer gefangen genommen wurde, zieht er sich nach Galiläa zurück (V. 12). Das ist kein zufälliger Ortswechsel, sondern ein von Gott geführter Schritt. Zum einen war Johannes' Gefangennahme ein Warnsignal: Der Herold des Messias wurde verworfen, und damit deutete sich an, dass auch der König selbst Ablehnung erfahren würde. Zum anderen wuchs in Judäa bereits die Aufmerksamkeit der Pharisäer, sodass Jesus den Konflikt zu diesem Zeitpunkt noch nicht eskalieren ließ.
Bemerkenswert ist, dass Jesus Galiläa wählt – ausgerechnet das von Judäern oft verachtete Gebiet, stark geprägt durch heidnischen Einfluss. In Vers 13 heißt es, dass er in Kapernaum seinen Wohnsitz nahm. Dieser Ort am Nordufer des Sees Gennesaret lag an der Via Maris, einer wichtigen Handelsroute, von der aus Botschaften weit ins Reich getragen werden konnten. So war es ein strategischer Platz, von dem aus die Nachricht von Jesu Wirken schnell verbreitet wurde.
Matthäus betont, dass sich damit Jesaja 9,1–2 erfüllt: „Das Volk, das im Finstern sitzt, hat ein großes Licht gesehen." Geographisch passt dies genau: Nazareth lag im Gebiet Zebuluns, Kapernaum im Gebiet Naftalis. Und gerade dort, im „Galiläa der Nationen", wo Juden und Heiden dicht beieinander lebten, sollte das Licht des Messias zuerst aufleuchten. Das unterstreicht Gottes Plan: Sein Heil richtet sich nicht nur an das Zentrum in Jerusalem, sondern auch an die Ränder, wo die Dunkelheit am größten ist.
In Vers 17 beginnt Jesus seine Verkündigung: „Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen." Auffällig ist hier der Grundtext: ἤγγικεν (Perfekt von ἐγγίζω) bedeutet „ist nahe gekommen, ist herangetreten". Das Reich war nicht nur eine ferne Hoffnung, sondern in der Person des Königs bereits gegenwärtig. Die Zuhörer mussten das Reich nicht neu erklärt bekommen, denn es war genau das Reich, von dem die Propheten gesprochen hatten: die messianische Königsherrschaft Gottes.
Das Evangelium, das Jesus hier verkündigt, war also zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Botschaft von Kreuz und Auferstehung – das sollte später kommen. Es war die gute Nachricht, dass der verheißene König da ist und das Reich unmittelbar bevorsteht. Darum lautet der Ruf: „Tut Buße!" – eine echte Sinnesänderung, nicht das Vertrauen auf Abstammung oder Tradition.
Jesus tritt nicht zufällig in Galiläa auf, sondern genau dort, wo die Prophetie es angekündigt hat. Er beginnt nicht mit Macht und Glanz in Jerusalem, sondern mit Licht im Dunkel einer verachteten Grenzregion. Und er ruft sein Volk zur Umkehr, weil die Herrschaft Gottes jetzt anbricht – in seiner Person.
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Re: Impulse
von nusskeks am 21.08.2025 11:07Matthäus 4. Hierzu habe ich mit großen Gewinn "Yeshua The Life of Messiah" herangezogen. In deutscher Sprache wurde das Werk in ein einzelnes Buch zusammengefasst. Das englische Original hat 4 Bände. Beide Version befinden sich in meiner Biliothek. Ich kann sie jedem Jesusnachfolger wärmstens empfehlen.
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Nach seiner Taufe im Jordan, wo Jesus als der „geliebte Sohn" bestätigt wurde, führt ihn der Geist Gottes in die Wüste. Es ist bemerkenswert, dass dieser Weg nicht vom Teufel erzwungen, sondern vom Geist geleitet wird. Jesus tritt bewusst in diese Situation hinein – nicht als Opfer, sondern als der Gehorsame, der den Willen des Vaters erfüllt.
Vierzig Tage fastet er. Diese Zahl erinnert an Israels vierzig Jahre in der Wüste. Arnold Fruchtenbaum betont, dass Jesus hier die Geschichte Israels aufnimmt und sie neu lebt. Während Israel in der Prüfung versagte – es murrte über das Manna, es stellte Gott auf die Probe, es verfiel dem Götzendienst – geht Jesus denselben Weg, bleibt aber vollkommen treu. Das wird schon daran deutlich, dass er alle seine Antworten aus dem fünften Buch Mose nimmt, gerade aus jenen Kapiteln, die Israels Versuchungen und Gottes Erziehung in der Wüste schildern.
Der Versucher setzt an der Identität Jesu an: „Wenn du Gottes Sohn bist..." Doch Jesus sucht keine Abkürzung. Er verwandelt keine Steine in Brot, sondern vertraut auf das Wort des Vaters: „Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus dem Mund Gottes geht" (Dtn 8,3). Seine Nahrung ist der Wille Gottes.
Dann führt der Teufel ihn auf die Zinne des Tempels. Auch hier könnte Jesus seine Sohnschaft beweisen, indem er sich hinabstürzt und Gott zu einem Wunder zwingt. Aber er weigert sich, Gott auf die Probe zu stellen (Dtn 6,16). Fruchtenbaum macht deutlich: Jesus erkennt den Missbrauch der Schrift. Satan kann Bibelworte zitieren, aber er verdreht sie. Der wahre Sohn prüft nicht den Vater, sondern vertraut ihm.
In der dritten Versuchung bietet der Teufel ihm alle Reiche der Welt, wenn er niederfällt und ihn anbetet. Der „Kürzere Weg" zum Königtum ohne Kreuz. Aber Jesus weist dies entschieden zurück: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten und ihm allein dienen" (Dtn 6,13). Er wählt den Weg des Gehorsams, auch wenn er über Leiden und Kreuz führt.
Am Ende weicht der Versucher, und Engel dienen ihm. Hier zeigt sich: Wer dem Wort Gottes treu bleibt, erfährt auch die Hilfe Gottes.
Für uns hat das tiefe Bedeutung. Jesus ist nicht nur das Muster eines standhaften Glaubens, er ist auch unser Stellvertreter. Er bestand die Prüfung, wo Israel und Adam gefallen sind. Hebräer 4,15 sagt: „Er ist in allem versucht worden wie wir, doch ohne Sünde." Darum ist er unser treuer Hohepriester, der uns versteht und uns helfen kann.
Fruchtenbaum fasst es so: Jesus beweist in der Wüste, dass er wirklich der Messias ist – nicht indem er Wunder für sich selbst tut, sondern indem er Gottes Wort vollkommen vertraut. Das Reich Gottes wird nicht durch menschliche Abkürzungen oder Machtspiele kommen, sondern durch den Gehorsam des Sohnes, der den Weg bis ans Kreuz geht.
So lehrt uns Matthäus 4: Die Stimme, die am Jordan sprach „Dies ist mein geliebter Sohn", wird in der Wüste bestätigt. Jesus ist der wahre Israelit, der zweite Adam, der Sieger über den Versucher. Und weil er treu blieb, können auch wir in seinen Spuren gehen – nicht aus eigener Kraft, sondern im Vertrauen auf den, der das Wort Gottes vollkommen gelebt hat.
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Re: Impulse
von nusskeks am 20.08.2025 16:03Wenn ich Matthäus 3 lese, spüre ich sofort den Ernst. Johannes der Täufer tritt in der Wüste auf, ruft zur Umkehr und kündigt das Reich der Himmel an. Das Wort, das er gebraucht – metanoeîte (μετανοεῖτε) – geht tiefer als ein bisschen Reue. Es bedeutet, den Sinn zu ändern, den ganzen Weg zu wenden. Im Hebräischen entspricht es der teschuwa (תשובה): zurückkehren zu Gott. Dass Johannes gerade Juden dazu aufruft, ist bemerkenswert. Er sagt damit: Abstammung und Tradition genügen nicht. Jeder braucht persönliche Umkehr.
Seine Erscheinung ist so auffällig: Kamelhaarmantel, Heuschrecken, wilder Honig. Es erinnert an Elia – und so sahen ihn auch viele. Für Israel war Elia der Ankündiger des Messias. Johannes erfüllt also diese Rolle, aber nicht auf politische Weise, sondern indem er die Herzen vorbereitet.
Dann begegnet mir seine Auseinandersetzung mit den Pharisäern und Sadduzäern. „Schlangenbrut!" – das sind harte Worte. Johannes zielt auf ihr Herz: Sie meinen, durch Abstammung von Abraham schon sicher zu sein. Aber Gott kann aus Steinen Kinder Abrahams machen. Hier klingt etwas Durchschlagendes: Gottes Wirken hängt nicht an menschlicher Herkunft oder Leistung, sondern allein an seiner Gnade.
Darauf folgt die Ankündigung des Messias. Endlich! Er spricht von einer Taufe „mit Heiligem Geist und Feuer". Das ist kein sanftes Bild. Geist und Feuer reinigen, aber sie scheiden auch. Weizen wird gesammelt, Spreu wird verbrannt. Johannes zeichnet den Messias nicht zuerst als Heiler und Tröster, sondern als Richter, der unterscheidet. Das fordert heraus: Wo stehe ich, bin ich Weizen oder Spreu?
Und dann kommt Jesus selbst. Johannes erschrickt – eigentlich müsste er von Jesus getauft werden. Aber Jesus besteht darauf: „Alle Gerechtigkeit zu erfüllen." Das berührt mich. Er, der keine Sünde hat, stellt sich in die Reihe der Sünder. Er identifiziert sich mit dem, was wir nötig haben. Seine Taufe ist ein Vorgriff auf das Kreuz: Er trägt stellvertretend unsere Schuld.
Als der Himmel sich öffnet, kommt der Geist Gottes wie eine Taube herab, und die Stimme des Vaters sagt: „Dies ist mein geliebter Sohn." Das ist für mich einer der bewegendsten Momente: Die Dreieinigkeit tritt sichtbar hervor. Der Vater bekennt sich zum Sohn, der Geist salbt ihn zum Dienst. Und das alles geschieht nicht im Tempel oder Palast, sondern im schlichten Wasser des Jordans, inmitten von Menschen, die ihre Sünden bekennen.
Für mich persönlich ist Matthäus 3 ein Kapitel, das mich zugleich aufrüttelt und tröstet. Es erschüttert, weil es zeigt: Gott sieht nicht auf Abstammung, Leistung oder äußere Frömmigkeit. Er fordert Umkehr, echte Hinwendung zu ihm. Aber es tröstet, weil Jesus sich genau zu den Sündern stellt und die „ganze Gerechtigkeit" erfüllt, die ich selbst nie erfüllen könnte. Und wenn ich mit ihm verbunden bin, gilt auch mir das Wort des Vaters: „Du bist mein geliebtes Kind, an dir habe ich Wohlgefallen."
Hoditai, Mensch des Weges
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