Clownis Welt
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Clownis Welt
von pausenclown am 12.02.2026 06:53Hallo und herzlich Willkommen in Clownis-Welt.
Durch den Thread nebenan bin etwas du inspiriert worden die Thread zu starten.
Solche absurde Ideen wie, man müsse das politische Israel von den Juden trennen, na klar, wir dürfen keinen Staat haben….
Ich werde ein bisschen über mich schreiben, ein bisschen über das christliche Fundament.
Ich werde über die Vorurteile über uns schreiben, über die Geschichte des Antijudaismus usw
In den letzten 25 Jahren war ich in Dauer Diskussionen verwickelt. Zum einen in meiner Arbeit, zusätzlich Aufklärungsarbeit , dann als Ehrenamtlicher Mitarbeiter in einer KZ Gedenkstätte.
Das hat mich müde gemacht und bin den meisten Diskussionen aus dem Weg gegangen und dann kam der 7.Oktober
In den letzten 2.5 Jahren habe ich Menschen, die medial an der Front standen, mit Recherchen bezüglich des Krieges und der Geschichte des Nahostkonflikts versorgt.
Der Thread soll kein Thread gegen Christen sein, sondern es geht um die Geschichte, woher die Feindseligkeit mancher Christen gegen uns herkommt und bis heute in manchen Köpfen und Herzen ist.
Ein Blick in die frühe Kirchengeschichte und was ist eigentlich Antijudaismus im Gegensatz zu Antisemitismus.
Zu Begriffen Unter Antijudaismus wird die religiös und theologisch begründete Judenfeindschaft verstanden.
Antisemitismus ist die Gewalt gegen Juden, weil sie Juden sind. Antisemitismus bezeichnet eine Geistes-haltung wie auch verbale und tätliche Übergriffe gegen Jüdinnen und Juden sowie gegen jüdische Einrichtungen.
Ich habe eine Studie aus 2024 gefunden.
Kleine Auszüge:
12% der Bevölkerung sind der Meinung, die jüdische Religion legitimiere die Gewalt gegen Kinder,
ein Viertel stimmt der offenen Version der Verschwörungstheorie vom übermäßigen Einfluss der Juden" zu,
47% fordern, einen „Schlussstrich unter die Vergangenheit" des Holocausts zu ziehen.
Quelle: Studie „Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024”
Shalom Pausenclown.
Re: Clownis Welt
von pausenclown am 12.02.2026 09:57Hallo.
Woher kommt eigentlich dieser ganzer Wahnsinn?
War das schon immer so?
Zurück zu den Anfängen, der Blick zurück zeigt, wie lange es schon seltsame Ansichten über das Judentum gibt. Dass das Fundament so tief ist, wundert es mich nicht, dass es in vielen Köpfen und Herzen noch aktuell ist.
Starten möchte ich mit einem Überblick und den Hauptknackpunkten in der Entwicklung der frühen Kirche seit dem 2. Jahrhundert.
Im 2. und 3. Jahrhundert werden kirchliche antijüdische Dokumente veröffentlicht. Es entstand eine „Adversus-Judaeos-Literatur". Dem Judentum wird vorgeworfen:
1. Ihre eigene hebräische Bibel würde von Juden falsch verstanden.
2. Die Heilszusagen Gottes an die Juden seien auf die Kirche als „das neue Israel" übergegangen. (Betrifft das ganze Thema Substitutionstheologie oder Ersetzungstheologie genannt)
3. Das Alte Testament (die Tora) sei durch das Neue Testament überholt und ersetzt.
Weiter zitiere ich Aussagen und Gedanken der Kirchenväter, die meisten stehen für sich alleine.
Frühe Kirche: Ignatius (110-117 Bischof in Antiochia)
Ignatius verwandte in seinen Briefen erstmals die Bezeichnung „Christentum", das er dem „Judentum" entgegensetzte. Es ging dem Bischof um eine Identitätsbildung des Christlichen in scharfer Abgrenzung zum Jüdischen.
Hier wird ein Mechanismus der Ausgrenzung ersichtlich, der in der Identitätsbildung gegen
Kleine Anmerkung: Bis heute begegnen mir solche Ideen, die ihren Ausdruck darin finden: Bei uns Christen ist es so und bei den Juden so. Nicht als Unterschied, sondern Abgrenzung, Wir haben Gnade und ihr Gesetz.
Melito von Sardes (Bischof 161-180)
erhebt erstmals den Vorwurf des „Gottesmordes" als Kollektivschuld der Juden. Aus einer Osterpredigt zitiert:
Höret es, alle Geschlechter der Völker und sehet: Unerhörter Mord geschah inmitten Jerusalems.
Gott ist getötet, der König Israel ist durch Israels Rechte beseitigt worden.”
Kleine Anmerkung: Hier kommen zwei Aspekte zusammen, die Kollektivschuld und Mord muss gesühnt werden.
Aus Ausgrenzung wurde Hass.
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Johannes Chrysostomos (ca. 354-407)
Johannes Chrysostomos kämpfte gegen die in seiner Gemeinde in Antiochien aufkommende Sympathie für Juden. Die Synagoge sei der Ort des „Götzendienstes": „Wenn sie [die Juden] tatsächlich den Vater nicht kennen, den Sohn kreuzigten, die Hilfe des Geistes ausschlugen, wer würde es da nicht wagen zu sagen, der Ort sei ein Unterschlupf der Dämonen? Nicht Gott wird dort angebetet. Vielmehr ist es ein Ort des Götzendienstes."
In der 6 Spricht er uns direkt an: Weil ihr Christus getötet habt , weil ihr gegen den Herrn die Hand heroben habt, weil ihr sein kostbares Blut vergossen habt, deshalb wird es für euch keine Verbesserung mehr, keine Verzeihung und keine Entschuldigung mehr.
(Chrysostomos, Acht Reden gegen die Juden, Erste Rede)
Weitere gravierende Einschnitte in dieser Beziehung: Das Christentum wurde im römischen Reich zur Staatsreligion erklärt und die ersten Kreuzzüge.
Davon das nächste Mal.
Shalom Pausenclown.
P.S. beim Schreiben ist mir ein Gedanke gekommen, viele mögen heute noch das mit, Amen stimmt doch beipflichten.
Re: Clownis Welt
von pausenclown am 13.02.2026 06:53Hallo
Nachdem das Christentum im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion aufgestiegen war, änderte sich der Status der Juden grundlegend.
Das Konzil von Nicäa überspringe ich und die weitreichenden Maßnahmen wurden gegen die damaligen Juden getroffen zusammen.
Diese lassen sich in drei Bereiche unterteilen.
1. Rechtliche Degradierung:
Ausschluss von Staatsämtern.
Verbot von Mischehen.
2. Religiöse Unterdrückung.
Um die Ausbreitung des Judentums zu verhindern und Übertritte zum Christentum zu fördern, wurden drakonische Strafen eingeführt.
Christen, die zum Judentum konvertierten, verloren ihr Erbe und ihre bürgerlichen Rechte. Der Bau neuer Synagogen wurde untersagt.
3 Soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung.
Sklavenverbot, Juden war es untersagt, christliche Sklaven zu besitzen.
Durch die Predigten der Kirchenväter wurden Juden gesellschaftlich als „Gottesmörder“ gebrandmarkt, was zu einem feindseligen Klima und gelegentlichen Übergriffen wie Synagogenbränden führte, die oft straffrei blieben.
Kleine Anmerkung von mir.
Die Gesetzgebung zielte darauf ab, das Judentum in einem Zustand der Schwäche und Erniedrigung zu halten, um die Überlegenheit des Christentums sichtbar zu machen. Die Juden sollten nach der Zeugnistheorie des Augustinus zwar überleben, aber als gedemütigtes Beispiel für die Folgen des Unglaubens dienen.
Mit dem ersten Kreuzzug um 1096 fingen zahlreiche Pogrome gegen Juden in Europa an. Das eigentliche Ziel des Kreuzzuges war die Befreiung Jerusalems von den Muslimen.
Paradoxerweise fingen gleichzeitig massivsten Ausschreitungen, bekannt als Gezerot Tatnu, konzentrierten sich auf das Rheinland. Besonders betroffen waren die Städte Speyer, Worms und Mainz sowie Köln, Trier und Xanten.
Weitere Regionen: Auch in Prag und in jüdischen Siedlungen entlang des Weges nach Ungarn kam es zu Massakern.
Die geschätzten Opferzahlen belaufen sich
Auf 2000 bis 12000 Juden. Viele Juden wählten den Freitod (Kiddush HaShem), um der Zwangstaufe oder Ermordung zu entgehen.
Die Zahl der zerstörten jüdischen Gemeinden in der Zeitspanne der Kreuzzüge beläuft sich auf ca. 500, darin eingeschlossen auch die Pestpogromen.
Tut mir leid, aber das wird insgesamt erst einmal nicht besser.
Shalom Pausenclown
Re: Clownis Welt
von pausenclown am 13.02.2026 11:42Hallo.
Mal ein kleines Zwischenfazit von mir.
Ich weiß nicht, wie es euch mit den Postings geht.
In zahlreichen Diskussionen, in denen ich verwickelt war, kamen reflexartig Sätze wie: Haja, gerade die Kreuzzüge, waren keine richtigen Christen. Ich kann diesen Reflex verstehen, aber ich finde das nicht zu Ende gedacht.
Es impliziert die Frage: Was ist ein richtiger Christ und wurde es in jeder Epoche anders verstanden und definiert?
Wo die Reise hingeht, wird immer deutlicher.
Im Laufe der Zeit wurde der theologische Rahmen verlassen und die Aspekte Gewalt, Verfolgung und Tod kamen dazu.
Und ehrlich, ich kann das nachvollziehen, was es nicht bedeutet, zu tolerieren.
Wenn die Identitätsbildung des Christentums in Abgrenzung zum Jüdischen passierte und zum Fundament dazugehört.
Dieses Fundament wurde ja über die Jahre verfestigt.
Bevor ich falsch verstanden werde, ist die Abgrenzung als Merkmal ein Teil der Identitätsbildung.
Shalom Pausenclown


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