biblische Nächstenliebe

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pausenclown

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Beiträge: 583

Re: biblische Nächstenliebe

von pausenclown am 09.09.2026 17:32

Hallo Sterntaler.

Danke für deine Gedanken.
Ich glaube, Zurechtweisung ist und war zu jeder Zeit heikel.

Mit 19 Jahren ging ich auf eine Jüngerschafts/Lebenschule, die zugleich eine Lebensgemeinschaft war.
Dass man Auskunft über sich bekommen hat, also wie ich auf andere wirken, war ein Bestandteil der Schule.
Seit dieser Zeit begleitet mich ein Satz: Gemeinschaft ist eine Versammlung von Sündern und ich denke, das stimmt auch außerhalb von einer Gemeinschaft.

Du hast mit der gegenseitigen Wechselwirkung Recht und meine Lösung in all den Jahren ist Vergebung.
Ich persönlich habe keine erfolgreiche Strategie, wie ich zum Beispiel nicht verletzt werde und auch keine, wie ich niemanden verletze.

Am Freitag ist im jüdischen Kalender Neujahrsfest und es ist der Monat Elul.
In diesem Monat geht es um Zeit der inneren Einkehr. Selbstprüfung, Reue und Umkehr. Man nutzt die Tage, um das vergangene Jahr zu reflektieren, Mitmenschen um Verzeihung zu bitten.
Mir gefällt die Idee und sicherlich brauche ich einen Monat Zeit.

Sterntaler, deine Gedanken generell dazu, oder ne Idee was und wie helfen kann?

Shalom 


Antworten Zuletzt bearbeitet am 09.09.2026 17:41.

Sterntaler

38, Weiblich

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Beiträge: 21

Re: biblische Nächstenliebe

von Sterntaler am 10.09.2026 22:06

Ich finde deinen Post sehr schön. Es ist gar nicht so leicht, dem etwas hinzuzufügen.

Mir wäre es auch lieber, wir Menschen würden einander nicht verletzen. Manchmal denke ich, wir sind wie kleine Igel – wenn wir nicht einsam sein wollen, suchen wir Nähe zu den anderen Igeln – nur das piekst dann halt sehr. Wenn man den anderen Igeln deshalb Vorhaltungen macht, muss man sich oft gleichzeitig ans eigene Schnäuzchen fassen. Wenn es aber sehr ungünstig piekt, an eine sehr verletzliche Stelle piekt oder jemand extra piekt, muss man, finde ich, schon etwas sagen dürfen. Und manchmal merkt man, dass sich vielleicht ein anderes Igelchen etwas zurückzieht und man ist traurig darüber - offenbar hat man selbst zu sehr gepiekst. 

Oder in einem anderen Bild gesprochen, das die Eigenverantwortung noch mit hineinnimmt: Durch unsere Kindheitsprägungen und weitere Erfahrungen haben wir uns, denke ich, ein bestimmtes Repertoire an Mustern angeeignet – wie einen Werkzeugkoffer (das Bild habe ich mal gehört), mit dem wir das Thema Beziehungen (zu einem Gegenüber oder in einer Gemeinschaft) angehen. Einige der Werkzeuge im eigenen Koffer sind hilfreich und führen, wenn man sie einsetzt, zu einem guten Miteinander, z.B. das Tool „ehrlich zuhören und den anderen verstehen wollen". Aber vermutlich hat jeder auch so manches in seinem Werkzeugkoffer, das nicht so förderlich für das Miteinander ist (so einen kleinen Vorschlaghammer zum Beispiel). Und dann ist man wohl nicht dafür verantwortlich, dass ursprünglich unpassendes Werkzeug im Koffer gelandet ist – wohl aber dafür, dass man sich dessen mit den Jahren bewusst wird und lernt, destruktives Werkzeug auszusortieren und aus seinem Repertoire zu entfernen. Was natürlich nicht so einfach ist, wie es klingt.

Und ich finde es weise, dass im jüdischen Kalender eine Zeit im Jahr für diese Reflexion vorgesehen ist. Dass hierfür ein ganzer Monat vorgesehen ist, zeigt viel Menschenkenntnis auf jüdischer Seite. Wenn es bei euch vielleicht auch Traditionen gibt, die dabei helfen, würde mich das z.B. auch interessieren. 
Ich fand mal folgenden Gedanken sehr hilfreich: Sich zu überlegen, in welchen Bezügen man lebt – Vater, Tochter, Freundin, Sohn, Enkelin, Bruder, Schwester – und sich einen davon herauszunehmen, z.B. Freundin sein, und zu reflektieren: Wie würde es aussehen, eine gute Freundin für diese eine bestimmte Freundin zu sein? Und lebe ich das? Wo lebe ich das nicht? So hat man vielleicht eine Chance, blinde Flecken überhaupt zu sehen. Aber du hast recht: Eine ehrliche Rückmeldung kann helfen, sich zu reflektieren, zu verstehen, wie das eigene Verhalten beim anderen angekommen ist - manchmal kommt man selbst nicht darauf, weil man es ganz anders gemeint hat. Sie kann einem die Chance geben, daran zu wachsen und sich vielleicht zu versöhnen. 

Vielleicht haben die anderen auch noch weitere Ideen: Wie kann man Gemeinschaft leben, obwohl das auch Verletzung bedeutet? Habt ihr einen Umgang damit gefunden? Und wenn dir noch Gedanken kommen, Pausenclown, immer sehr gerne! 

Liebe Grüße und dir, Pausenclown, auf jeden Fall schon mal ein schönes Neujahrsfest! ★★★★★★

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