Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

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marjo
Gelöschter Benutzer

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von marjo am 09.06.2015 09:31

Status: Der Kurs ist immer noch in der Mache. Wir bleiben dran.

Zwischenzeitlich fühlte ich mich bei einigen Kollegen im Kirchenvorstandskreis erneut an 2Tim 3,5 erinnert

2Tim 3,5 Sie geben sich zwar einen frommen Anschein4, aber von der Kraft Gottes, die sie so verändern könnte, dass sie wirklich ein frommes Leben führen würden, wollen sie nichts wissen...

 wobei ich anmerken muss, mir wirklich Mühe zu geben und nicht eben strenge oder harte Maßstäbe angesetzt zu haben. Besonders die "Kraft der Veränderung" kommt in deren Leben nicht vor. Sie leben, wie man halt lebt, reden über die Dinge des Lebens, wie man halt redet... wenn man weder Bibel, Jesus oder den kennt, vor dem man sich verantworten muss.
 
gruß,
marjo 

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Kayla
Gelöschter Benutzer

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von Kayla am 11.06.2015 12:58

Nun habe ich mir den Thread noch mal durchgelesen und fürchte, dass ich aus Sicht einiger Mitglieder hier keinesfalls Christ sein kann.
Da kam weiter vorne in der Diskussion der typische Satz: "Wenn das Herz voll ist, quillt der Mund über." Ist bei mir nicht der Fall. Weder in Bezug auf Gott, noch in Bezug auf andere gute Dinge, die mir passieren - bei ganz engen Freunden und Familienmitgliedern schon, aber ansonsten habe ich oft Hemmungen, Persönliches zu erzählen, egal welchen Bereich es betrifft und bin froh, wenn ich beim Wetter bleiben kann. Zugegebenermaßen hat das bei mir viel mit sozialen Ängsten zu tun, zusätzlich bin ich ein eher zurückgezogener, introvertierter Mensch und brauche viel Zeit für mich alleine, kann auch schwer von mir aus auf andere zugehen. Ich glaube nicht, dass man mir das Christsein anmerkt, wenn man mich nicht kennt.

Ich bewege mich auch nicht in Bereichen, in denen sich meine Mitmenschen so unmöglich verhalten, dass ich mich klar davon distanzieren muss, sondern habe eigentlich eher mit Menschen zu tun, die, egal ob gläubig oder nicht, von den Bereichen, in denen wir miteinander zu tun haben, die gleichen moralischen Vorstellungen haben - z. B. machen wir alle uns im Nachhilfeinstitut Gedanken, wie man den Schülern am besten helfen kannn. Wenn wir über einen Schüler reden, dann nicht um zu lästern, sondern um Lösungen zu finden. Die Arbeit ist ja einer von typischen Bereichen, in denen man es angeblich so klar zeigen kann, dass man Christ ist. Klar geht das, wenn die anderen tratschen und lästern, übles Vokabular verwenden oder ihre Arbeit schludrig erledigen und unehrlich sind. Die Situation habe ich nicht. Bei meinen Freunden ist das ähnlich.

Angeblich sollen sich Christen ja deutlich von anderen unterscheiden, aber ich müsste dann schon ein so extrem übertrieben frommes Verhalten an den Tag legen, dass es unnatürlich wäre und andere wohl eher verwirren würde. Früher dachte ich, es zeigt sich zumindest an Erfolg im Leben, z. b. am Einser-Zeugnis in der Schule, weil christliche Schüler unglaublich fleißig sein müssen, an einer strahlenden, einnehmenden Persönlichkeit oder ganz vielen christlichen Aktivitäten wie z. B. Bibelkreis, hauskreis etc. Heute weiß ich es gar nicht mehr, ich weiß nur, dass ich, obwohl ich Christ bin, soziale Ängste habe und in Stresssituationen schnell hilflos und überfordert bin. Genau das, was ein Christ nicht zeigen soll, denn als Christ soll man ja ruhig, gelassen, offen und freundlich sein. Das schaffe ich seit Jahren nicht, trotz vielen Gebeten. Und wenn genau das einen Christen auszeichnet, dann bin ich wohl keiner und ebenso einige Freunde die ich habe, die ähnliche Schwierigkeiten haben.

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marjo
Gelöschter Benutzer

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von marjo am 11.06.2015 13:39

Hallo Kayla.

letztendlich können nur zwei Personen wirklich wissen, ob Du Christ bist. 1. Gott und 2. Du.

Würden wir zwei uns begegnen, könnte ich Dir vielleicht dabei helfen, Deinen Stand zu erkennen. Nicht sofort, aber im Laufe der Zeit, in der Begegnung, im Gespräch und in der Beobachtung, könnte ich Dir die Dinge mitteilen, die ich beobachte. Ein geschultes Auge, sozusagen. Irgendwie bekomme ich oft Zugang zu introvertierten Menschen. Vermutlich, weil ich sie gut verstehen kann.

Was die Erkennbnarkeit von Christen angeht, so sind die Kategorien von "Deutlichkeit" sehr verschoben. Als Christ wird man erkannt. Oder, ich formuliere anders: Wenn man mit Jesus lebt und sich von ihm verändern lässt, wird man erkannt, auch ohne verbal (für Nichtchristen) unangenehm aufzufallen oder lautstark auf fromme Aktivitäten hinzuweisen. Man wird nicht immer positiv erkannt, aber darauf haben wir ja auch keine Verheißung.
   

Kayla schrieb: Heute weiß ich es gar nicht mehr, ich weiß nur, dass ich, obwohl ich Christ bin, soziale Ängste habe und in Stresssituationen schnell hilflos und überfordert bin. Genau das, was ein Christ nicht zeigen soll, denn als Christ soll man ja ruhig, gelassen, offen und freundlich sein. Das schaffe ich seit Jahren nicht, trotz vielen Gebeten. Und wenn genau das einen Christen auszeichnet, dann bin ich wohl keiner und ebenso einige Freunde die ich habe, die ähnliche Schwierigkeiten haben.

Sehr schönes Beispiel. Jetzt stell Dir das noch vor als christlicher Mann. Haupt der Familie, Vater, Verantwortlich, oberstes Vorbild in allen Dingen... dann hast Du beschrieben wie ich wahr bis vor... hm, ich würde mal sagen bis vor 5 Jahren traf das noch zu 100% auf mich zu. Heute noch zu 50%, plus / minus 20%.

Bei mir hat dieser elender Zustand den Effekt, dass ich meine Abhängigkeit von Jesus spüre. Körperlich. In all den von Dir beschriebenen Situationen stelle ich fest, wie unfähig ich bin. Das ist großartig. Ich empfinde es so, in all meinen Unzulänglichkeiten. Ich werde Gott dafür immer lieben.

gruß, marjo 

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Kayla
Gelöschter Benutzer

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von Kayla am 11.06.2015 14:15

Was die Erkennbnarkeit von Christen angeht, so sind die Kategorien von "Deutlichkeit" sehr verschoben. Als Christ wird man erkannt. Oder, ich formuliere anders: Wenn man mit Jesus lebt und sich von ihm verändern lässt, wird man erkannt, auch ohne verbal (für Nichtchristen) unangenehm aufzufallen oder lautstark auf fromme Aktivitäten hinzuweisen. Man wird nicht immer positiv erkannt, aber darauf haben wir ja auch keine Verheißung.

Das ist aber genau das, was ich schwer verstehe. Woran wird man denn dann erkannt - vor allem, wenn sich die Menschen um einen herum eben auch vorbildlich verhalten, wie ich das z. B. im Nachhilfeinstitut oder bei Freunden kenne? Ich dachte früher, dass es dann etwas in der Ausstrahlung sein muss, wie eine Art Heiligenschein, aber das fehlt mir definitiv auch. Natürlich kommt es in langen, intensiven Gesprächen durchaus mal raus, aber die gibt es eben auch nur mit engen Freunden und nicht z. b. auf der Arbeit. Ich finde es dann schwer, festzustellen, worin diese "Früchte", die ja erkennbar sein sollen, bestehen. Ich merke in mir mit den Jahren schon eine Veränderung (wenngleich ziemlich langsam, ich brauche wohl immer eine Weile), aber ob sich das nach außen zeigt, wage ich zu bezweifeln.

Bei mir hat dieser elender Zustand den Effekt, dass ich meine Abhängigkeit von Jesus spüre. Körperlich. In all den von Dir beschriebenen Situationen stelle ich fest, wie unfähig ich bin. Das ist großartig. Ich empfinde es so, in all meinen Unzulänglichkeiten. Ich werde Gott dafür immer lieben.

So geht es mir auch und ich denke auch, dass das letzten Endes die wichtigste Erkenntnis für mich war, dass ich nichts ohne ihn tun kann, gerade mit meinen Ängsten und sozialen Schwierigkeiten, die ich irgendwie immer als sehr unchristlich empfinde. Aber dazu kam auch die Erkenntnis, dass es besser ist, Gott darum zu bitten, dass er mich verändert, anstatt krampfhaft an einer nach außen sichtbarer Veränderung zu arbeiten, bei der ich leider meine Beziehung zu Gott oft vernachlässigte - es ging dann ja um die äußeren Dinge und nicht um die inneren. Das hat sich geändert, aber das Ergebnis ist, dass ich gar nicht sagen könnte, ob irgendjemand, der mich nicht besonders gut kennt, noch erkennen könnte, dass ich Christ bin. Es muss sich ja auf irgendeine Weise zeigen, oder?

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solana

-, Weiblich

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Beiträge: 4164

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von solana am 11.06.2015 14:34

Hallo Marjo
Mal anders herum gefragt: Woran erkennen oder spüren andere das denn bei dir?
Und wenn das vor ein paar Jahren noch anders war - damals warst du doch auch schon Christ - wie hat man das denn damals gespürt?
Und kannst du dir vorstellen, dass jemand, bei dem man das nicht in derselben Weise wahrnimmt wie bei dir, trotzdem Christ ist? 

Du schreibst:

letztendlich können nur zwei Personen wirklich wissen, ob Du Christ bist. 1. Gott und 2. Du.

Und es gibt sogar Menschen, die sich selbst nicht sicher sind, ob sie sich als "Christ" bezeichnen würden oder nicht.

Ist es dann überhaupt möglich, als Aussenstehender Unterscheidungskriterien anzulegen?
Und womöglich sogar jemandem, der sich selbst als überzeugten Christen sieht, anhand dieser Kriterien das Christsein "abzusprecchen" . (ich meine jetzt, von dem, was man an seinem Verhalten wahrnimmt, nicht von seinem Bekenntnis her - also wenn er bspw Christus nicht als seinen Herrn sieht oder ähnliches).
Gruss
Solana 

angeführte Bibelstellen (soweit nicht anders gekennzeichnet) sind aus Luther 1984/2017 zitiert nach dem Bibelserver

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marjo
Gelöschter Benutzer

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von marjo am 11.06.2015 14:49

Kayla schrieb: Ich dachte früher, dass es dann etwas in der Ausstrahlung sein muss, wie eine Art Heiligenschein, aber das fehlt mir definitiv auch.

Na, den Schein der Heiligkeit haben wir hoffentlich nicht. (kleines Wortspiel)

Ich erinnere mich an eine Wirtschaftsprüferin. Vor etwa 8 Jahren traf ich sie zum ersten Mal. Sie prüfte unsere Bücher. Tatsächlich hatte sie keinen Heiligen Schein, aber das war wohl auch so klar. Tatsache war aber auch, dass ich fast sofort bemerkte, dass mit ihr etwas "nicht stimmte". Sie war (ist) freundlich, aber das sind viele. Kompetent, aufmerksam, sicheres Auftreten usw. usw.... alles schön und gut. Aber da war noch mehr.

Sicher kannst Du Dir vorstellen wie lange ich brauchte um diese Prüferin anzusprechen. Das ich es überhaupt tat ist eigentlich schon die "Nachricht" an sich. Aber ich tat es. Sie ist Christ. Mir war es klar. Lange bevor ich sie angesprochen hatte oder überhaupt nur das Thema darauf kam.

Woran habe ich es erkannt? Keine Ahnung. Nichts vom Verstand her. Trotzdem war es eine innere Gewissheit. Sonst hätte ich sie nie im Leben angesprochen. 

Was wir haben ist keinen Heiligenschein. Trotzdem hat es damit zu tun. Es ist die Heiligung an sich. Ganz praktisch wirkt sich das "In der Welt, aber nicht von dieser Welt" (Johannes 17) in der Wahrnehmung der Menschen aus, ohne das man es genau erklären könnte.

Kayla schrieb: Ich merke in mir mit den Jahren schon eine Veränderung (wenngleich ziemlich langsam, ich brauche wohl immer eine Weile), aber ob sich das nach außen zeigt, wage ich zu bezweifeln.

Selber Weg hier. Mittlerweile traue ich mich sogar Gott zu bitten die Veränderung zu beschleunigen. DAS ist auch eine "Meldung", zumindest bei mir.

Kayla schrieb: Aber dazu kam auch die Erkenntnis, dass es besser ist, Gott darum zu bitten, dass er mich verändert, anstatt krampfhaft an einer nach außen sichtbarer Veränderung zu arbeiten

Es war bei mir vor etwa 10 Jahren als ich aufgegen habe. Am Boden zerstört, Ehe beschädigt. Was tun? Alles dem Ewigen überlassen. Klingt theoretisch? Oh, das ist es nicht. Unter Tränen habe ich Gott angefleht mich zu verändern. Von innen. Nicht mit einer Therapie oder mit antrainiertem Verhalten. SOndern von Grund heraus zu verändern. Ich habe meine Frau dies mitgeteilt. Sie glaubte mir, hielt geduldig durch. Heute sind wir Gott unendlich dankbar für diese Erfahrung, auch wenn es keine leichte Zeit war, damals.

Mein Fazit: Dem Ewigen die Bereitschaft zur Veränderung vor die Füße werfen und einfach zu realisieren, dass man es selber nachhaltig nicht bewerkstelligen kann.  

Ich bedauere heute jeden der meint, sich selbst ändern zu müssen oder zu können. So viel Krampf und Leid wie ich in dem Versuch mich zu ändern erlebt habe, wünsche ich niemandem.

viele grüße, marjo 


   
    
  

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clausadi

71, Männlich

  Neuling

Beiträge: 25

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von clausadi am 11.06.2015 19:39

Wer ist Christ?

Die Berufenen Christi, also die zum Leib Christi Berufenen, diese sollte man als „Christen" bezeichnen.
Denn das Geheimnis des Christus ist sein Leib, welcher die Herausgerufene (Ekklesia) ist! (Eph 1:22-23)

Und Gott rettete und berief mit heiliger Berufung durch das Evangelium und im Heiligen Geist.
Denn die in Christus sind, diese gemäß Vorsatz Gottes Vorersehene und Berufene sind.
Denn welche Gott vorher ausersah Söhne Gottes in Christus zu sein, diese berief er auch; und welche er berief, diese rechtfertigte er auch; welche er aber rechtfertigte, diese verherrlichte er auch. (Röm 8:28-30)

Und die in Christus sind, diese versiegelt wurden mit dem Geist der Verheißung, dem heiligen. (Eph 1:13)
Wenn aber jemand Geist Christi nicht hat, dieser ist nicht sein!
Denn so viele im Geist Gottes geführt werden, diese Söhne Gottes sind.
Der Geist selbst aber zusammenbezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. (Röm 8:9,14,16)

Da nun die Leibesglieder Christi Berufene sind, wissen logischerweise nur die Berufenen Christi selbst davon.
Die Welt aber erkennt sie nicht. Denn der seelische Mensch nimmt nicht an, was vom Geist Gottes ist. 
Denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt werden muss.
 

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christ90

34, Männlich

  Motiviert

Beiträge: 121

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von christ90 am 11.06.2015 22:24

Ich erinnere mich an die Zeit, in der ich mich zum ersten Mal ernsthaft mit dem Christentum auseinandersetzte, und damit was einen Christen im Vergleich zu anderen Menschen ausmacht. Ich suchte nach einem eindeutigem Unterscheidungs-Kriterium.

Das Sündigen konnte es schon mal nicht sein; auch Christen sündigen.

Ich ging einen Schritt weiter: Das ernsthafte Bestreben nicht zu sündigen. Auch hierin konnte ich den Unterschied nicht festmachen: Auch Christen sündigen nicht immer gänzlich unvorsätzlich, außerplanmäßig, aus Unwissenheit.

Ich kam zu dem Schluß: Ein eindeutiges Kriterium, an dem man Christen zweifelsfrei erkennen kann, gibt es wohl nicht.    
 
Heute würde ich besagten Unterschied an einer Tendenz festmachen, daran wohin die Richtung geht: hin zu bzw. weg von Christus. Man legt sich allmählich fest. Beim Christen wächst das Verlangen Jesus immer ähnlicher zu werden, während sich der irdisch gesinnte Mensch mehr und mehr von Gott entfernt, bis letztlich keine Umkehr mehr möglich ist. 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 11.06.2015 22:25.

marjo
Gelöschter Benutzer

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von marjo am 12.06.2015 07:42

Hallo Solana,

Dein Beitrag kam irgendwo dazwischen, während ich noch Beiträge schrieb und die Beiträge von anderen Usern Deine Zeilen rasch nach oben haben rutschen lassen. Aber ich habe ihn dann doch noch gesehen. :)

Erstmal zwei Aussagen:

Solana schrieb: Und es gibt sogar Menschen, die sich selbst nicht sicher sind, ob sie sich als "Christ" bezeichnen würden oder nicht.
Solana schrieb: Ist es dann überhaupt möglich, als Aussenstehender Unterscheidungskriterien anzulegen?

Die Frage erscheint mir etwas theoretisch. Alle Lehrbriefe greifen Verhalten und Aussagen von Christen auf und entfalten auf deren Basis den Willen Gottes. Apostel waren auch Menschen, denen der Blick in das Herz der Christen verwehrt blieben. Trotzdem schienen sie sich recht sicher mit dem zu sein, was sie schrieben. Es gibt eine ganze Anzahl an Menschen, die ihren Heilsstand nicht klar bestimmten können. Wäre es absolut unmöglich als Außenstehender zu diesem Thema etwas zu sagen, wäre folgendes wohl nicht das einzige Problem:
Solana schrieb: Und womöglich sogar jemandem, der sich selbst als überzeugten Christen sieht, anhand dieser Kriterien das Christsein "abzusprecchen" . (ich meine jetzt, von dem, was man an seinem Verhalten wahrnimmt, nicht von seinem Bekenntnis her - also wenn er bspw Christus nicht als seinen Herrn sieht oder ähnliches).

Es geht ja nicht nur darum jemandem etwas abzusprechen. Es geht doch gerade auch darum, zweifelnden Menschen etwas zuzusprechen um ihnen dadurch Halt zu geben. 

Zurück zum absprechen: Deine Aussage dazu ist sehr schwer einzugrenzen. Jemand der sagt das er Christ wäre und sich verhält als ob er keiner wäre, hat sich ganz andere Probleme als, das ihm jemand sein Christsein absprechen könnte. Paulus sagt zu solchen Leuten folgendes:
2Tim 3, 1-5: Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten Feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!

Womit wir wohl wieder bei möglichen Kriterien wären. Gäbe es keine Kriterien, wären Aussagen wie die aus 2Tim 3 gelinde gesagt eine Unverschämtheit. Man müsste Paulus streng zurechtweisen und es verwundert nicht, dass mir tatsächlich schon einige Leute begegnet sind, die alle Schriften von Paulus am liebsten aus der Bibel entfernt sehen würden und die sich für Christen halten.
 
Solana schrieb: Mal anders herum gefragt: Woran erkennen oder spüren andere das denn bei dir?

Du solltest mich besuchen kommen. :)
Solana schrieb: Und wenn das vor ein paar Jahren noch anders war - damals warst du doch auch schon Christ - wie hat man das denn damals gespürt?

Da würde ich auf meine Antwort an Kayla verweisen:
marjo schrieb: Was wir haben ist keinen Heiligenschein. Trotzdem hat es damit zu tun. Es ist die Heiligung an sich. Ganz praktisch wirkt sich das "In der Welt, aber nicht von dieser Welt" (Johannes 17) in der Wahrnehmung der Menschen aus, ohne das man es genau erklären könnte.

Weiter zum nächsten Punkt:
Solana schrieb: Und kannst du dir vorstellen, dass jemand, bei dem man das nicht in derselben Weise wahrnimmt wie bei dir, trotzdem Christ ist?
Was wäre denn "die Weise" auf der ich wahrgenommen werden? Nicht das wir aneinander vorbei reden.

gruß, marjo




        


 
 



     




       

  
  

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Kayla
Gelöschter Benutzer

Re: Praxis: Wann ist man (jemand) ein Christ und wie stellt man das fest?

von Kayla am 12.06.2015 08:40

Marjo, die von dir zitierte Bibelstelle empfinde ich aber gerade als ein Problem. Wenn ich von Menschen umgeben bin, die geldgierig, prahlerisch und Lästerer sind etc., dann wäre es sicher leichter, mich von denen zu unterscheiden. Nicht, dass ich all diese Dinge niemals wäre, aber ich bemühe mich schon darum, so nicht zu sein, wie es in der Bibelstelle beschrieben wird. Aber ich habe atheistische Freunde, die sich ebenfalls darum bemühen, nicht so zu sein, nur eben aus anderen Gründen. Da wird eine Unterscheidung schon schwierig.

Mag sein, dass man das manchmal an anderen erkennen kann, wie das in deinem Beispiel mit der Wirtschaftsprüferin der Fall war. Allerdings glaube ich nicht, dass das immer so ist, dass Christen das immer irgendwie ausstrahlen. Gerade bei mir hätte ich da Zweifel wegen meiner Unsicherheiten und Ängste. Es gibt auch schon mal Tage, da scheint Gott ziemlich weit weg zu sein und gerade, wenn ich wieder Kopfschmerzen habe (ich habe chronische Migräne), sieht man mir vermutlich eher an, dass ich mich gerade nur irgendwie durch den Tag zu retten versuche.

Was ich früher gelernt habe, wie sich Christen von anderen unterscheiden sollen, betraf recht eindeutige Kriterien: ehrlich sein, nicht lästern und tratschen, hilfsbereit sein, anderen vergeben und selbst Fehler zugeben und sich etnschuldigen... eben die Dinge, die man in der Interaktion mit anderen Menschen auch bemerkt. Aber da beginnt eben schon das Problem, dass es durchaus viele Nichtchristen gibt, die sich ebenso verhalten. Wenn man also nicht gerade mit ganz vielen verdorbenen Menschen ohne moralische Vorstellungen zu tun hat, wird der Teil schon mal schwierig.

Der andere Teil, den ich später gelernt habe, betrifft eben so etwas wie die Ausstrahlung. Ein Christ ist zufrieden, (selbst)sicher in seinem Auftreten, strahlt eine innere Ruhe und Freude aus... da fallen alle, mit Unsicherheiten und Ängsten oder mit psychischen Problemen schon mal raus - mich mit eingeschlossen. Ich war z. B. in den vergangenen Tagen enorm gestresst, weil uns die Elektriker, die bei uns etwas einbauen sollten, in einer ohnehin schon sehr stressigen Zeit, mehrfach versetzt hatten und schließlch nur die halbe Arbeit gemacht hatten und mir später, als ich ihnen im Keller begegnete, gestanden, dass die vergessen hatten, dass sie ja noch eine neue Leitung in die Küche legen müssen. Ich stand so unter Stress, dass ich in Panik geriet, da hatte sich einiges aufgestaut und das war der berühmte Trofen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ich stauchte ihn nicht zusammen oder beschimpfte ihn, aber ich brach fast in Tränen aus, sagte ihm, ich könne gerade keine neuen Termine planen und ließ ihn stehen. Der kommt mir Sicherheit nicht auf die Idee, dass ich Christ bin. Und wer mich an einem Migränetag sieht, wird wohl auch nicht auf die Idee kommen.

Wenn ich mich also weder durch mein Verhalten, noch durch meine Ausstrahlung als Christ erkennt, dann bleibt nicht mehr viel. Gut, meine Bibelkenntnisse sind sicher besser als die der meisten Nichtchristen. Das merkt aber keiner, der nicht mit mir über die Bibel redet (was im Alltag bei Kollegen oder Freunden eher selten passiert). Ich trage auch keine T-Shirts mit der großen Aufschrift "Jesus liebt dich" oder ähnliches (ebenso, wie ich auch kein T-Shirt mit anderen Botschaften wie "You only live once" tragen würde) und es läuft letzten Endes darauf hinaus, dass ich befürchte, dass mich selbst Christen, gerade in schwierigen, stressigen Zeiten, nicht als solchen erkennen könnten. Da muss man mir schon sehr nahe stehen.

Daher stellt sich mir bei solchen Themen immer wieder die Frage, ob man einen Christen wirklich an seinem Verhalten oder seiner Ausstrahlung als solchen erkennen kann bzw. können muss. Und wenn man es nicht kann, bedeutet dass, dass dieser unerkannte Christ keiner sein kann? Bei vielen Christen scheint es ja gerade in der Situation den Impuls zu geben, einem "unerkannten Christ" das Christsein abzusprechen.

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