Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

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Uwe_Be

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Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von Uwe_Be am 30.09.2018 22:16

Liebe Schwestern und Brüder,
mein Weg zu Christus begann auch mit einer Krise, wobei ich seit Kindheitstagen den Glauben nie vollständig verloren hatte. Letztes Jahr, so ca. 1,5 Wochen vor Ostern, musste ich ins Krankenhaus und mein Leben hing an einem seidenen Faden. Die Ärzte gaben mir eine 50/50-Chance. Wieder daheim war ich mit der Situation konfrontiert, dass einfach alles weg war. Ich konnte nicht mehr arbeiten gehen und auch mein Hobby nicht mehr ausüben. In dieser Zeit fragte ich mich, was ich eigentlich mit meiner Restlebenserwartung (5-6 Jahre) überhaupt anfangen sollte und wie ich die letzten beiden Jahrzehnte verbracht hatte. Was hab ich für mich, meinen Geist und meine Seele getan? Antwort: herzlich wenig. Dann folgte der zweite Klinikaufenthalt und danach trat ich wieder in die Kirche ein und seitdem beschäftigte ich mich auch mit der Schrift. Ich wurde nochmals eingesegnet und es war wunderschön.
Nach Krankenhausaufenthalt drei und vier wurde ich mit einer Horrorprognose nach Hause entlassen. Mein Hausarzt gab mir weniger als ein Jahr. Wenige Tage später bekam ich das ein weiteres Mal zu hören, nämlich dass meine Nieren zu schwach sind, Wasser nicht mehr ausgeschwemmt werden kann, aber das Nierenversagen ein gnädiger Tod sei und ich nicht werde leiden müssen, da ja die Palliativmedizin bereits so weit sei. An diesem Abend habe ich völlige Ohnmacht erlebt und legte mein Schicksal in die Hand von Gott. Ich hab dann auch aufgehört um einzelne Dinge zu bitten. Komischerweise fühlte ich mich anschließend ruhiger.
Mein Leben hat sich drastisch geändert. Dinge, die vorher scheinbar wichtig waren sind es nun nicht mehr. Das Loslassen war sehr schwierig, denn mir war klar, dass ich Menschen hinterlassen werde, die mir sehr wichtig sind und dass ich dann nichts mehr tun kann. Außerdem musste ich alle weltlichen Sachen regeln, wie z. B. Patientenverfügung, wie ich beerdigt werden möchte, wer die Grabrede halten soll und was ich nicht möchte, dass es angesprochen wird sowie die Frage, wer alles in meinem Todesfall informiert werden soll.
Das Loslassen und die Akzeptanz waren jedoch der schwierigste Part, denn mir war klar, dass ich nicht in der Vergangenheit leben darf, weil ich daran nicht mehr anknüpfen kann, und gleichzeitig darf ich nicht an die Zukunft denken, denn sonst trauere ich jetzt schon einer Zukunft nach, die ich wahrscheinlich ohnehin nicht haben werde. Zwei Tage im Voraus, maximal, muss reichen.
Seitdem ging es gesundheitlich wieder besser, was ziemlich unwahrscheinlich war. Es gibt zwar keine Heilung, aber mit etwas "Glück" habe ich noch einige, wenige Jahre. Okay, regelmäßige Blut-Laboruntersuchungen sind notwendig und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich nicht regelmäßig angespannt bin, bevor das Ergebnis da ist. Außerdem steht mir noch ein weiterer Eingriff bevor und ich kann nur hoffen, dass meine Organe mitspielen.
Wäre das alles nicht passiert, dann hätte ich mein altes, oberflächliches Leben einfach weitergeführt. Ich weiß, dass wir mehr sind, als eine bloße Ansammlung von biologischen Zellen und ich durfte auch eine spirituelle Erfahrung machen. Wenn man das auch nur ein einziges Mal gespürt hat, dann möchte man es am liebsten hier, jetzt und sofort wieder haben. Es ist unglaublich!
Als ich mich hier anmeldete, wurde ich mit Psalm 28 Vers 7 empfangen und es trifft den Nagel auf den Kopf. Mein Glaube hilft mir sehr bestimmte Dinge zu unterlassen und mich an die Regeln der Ärzte zu halten. Dafür bin ich total dankbar und das wollte ich hier zum Ausdruck bringen. Jesus ist der einzig gangbare Weg und als ich die Entscheidung traf, tat ich es nicht mal aus Angst heraus, da mir einige Jahre als noch genug Zeit erschien. Ich konnte ja nicht wissen, was dann noch kommen sollte. Ich glaube, dass ich ohne diese Entscheidung bestimmt schon Dummheiten gemacht hätte, aber, wie gesagt, gibt mir der Galube unglaublich Kraft und ich bin auch für mein stabiles soziales Umfeld dankbar.
Das ist meine Geschichte. Habt keine Angst!
Liebe Grüße
Uwe Be

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nennmichdu
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Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von nennmichdu am 01.10.2018 19:48

Danke für dein Zeugnis...


Loslassen ist hier dein Stichwort...
ganz wichtig...

Gott sorgt für uns.... ob wir viel oder wenig haben...so oder so...

lg,
Thomas

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nennmichdu
Gelöschter Benutzer

Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von nennmichdu am 01.10.2018 19:51

Und eine Gemeinde wo es Menschen gibt, die einen lieb haben, ist dann auch sehr schön..


zur Not kommt ein Christ aber auch alleine klar...   

eine Zeitlang.. - wenn er denn gefestigt ist im Glauben -- kann er sich, wie ich, über mangelnde Arbeit im Reich Gottes dann nicht beschweren..




und so hat jeder mindestens eine besondere Gabe mit der er als Glied am Leib des Herrn wichtig ist, gebraucht wird, dienen kann ... und auch selbst von anderen dann in seinem Mangel Hilfe erfährt..



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Uwe_Be

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Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von Uwe_Be am 02.10.2018 01:09

Hallo Nennmichdu,
ja, das stimmt. Unser Pfarrer hat mich sogar im Krankenhaus besucht, das letzte Mal und das war auch wirklich gut so, denn eines Abends tauchte ein Arzt vor meinem Bett auf und teilte mir mit, dass alles in meinem Körper im Eimer sei und ich die Nachoperation am kommenden Morgen wahrscheinlich eh nicht überleben würde. Aber noch gibt es mich hier auf Erden und der Gesprächskreis, der von der Kirche organisiert ist, tut mir ebenfalls gut. Wir haben wirklich eine Super-Gemeinde hier und es hat seinen Grund, warum die Kirche jeden Sonntag gut besucht ist - und zwar von allen Altersgruppen.
Ich hab zwar echt Schiss vor dem nächsten Eingriff, aber ich glaube, dass ich hier noch was tun muss. Ist allerdings nicht meine Entscheidung und ich bin bereit, falls er mich zu sich rufen möchte. Im Moment geht alles nur über Telefon und Internet, aber ich stehe nicht alleine da. Es war die beste Entscheidung nach zig Jahren wieder in die Kirche einzutreten.
Viele Grüße
Uwe Be

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Uwe_Be

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Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von Uwe_Be am 02.10.2018 01:13

Ja, ist ebenfalls richtig und das Loslassen umfasst ja auch noch weitere Aspekte. Z. B. dass man nicht alles, was man hat, zusammenrafft, sondern auch mal was abgibt (vgl. Lukas 12, Vers Vers 19 und 20).
Viele Grüße
Uwe Be

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Cleopatra
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Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von Cleopatra am 02.10.2018 07:37

Lieber Uwe,
du erlebst im  Moment eine schwere Situation und ich bin echt froh, dass du Gott an deiner Seite hast und auch eine Gemeinde, die mit für dich betet.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht- selbst, wenn es menschlich unmöglich scheint- aber das letzte Wort hat Gott.
Und er entscheidet über unser Leben.
Und ich wünsche dir da weiterhin ganz viel Gewissheit.
Und eben auch, dass du Gott weiterhin spürst.
Lg Cleo

Die Bibelverse sollen meine Meinung bilden, nicht begründen
Zitate im Forum, wenn nicht anders vermerkt, aus der rev.Elberfelder

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nennmichdu
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Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von nennmichdu am 02.10.2018 11:29

Hallo Uwe,

ich denke daran, das man in einer Gemeinde/Kirche dann Menschen treffen kann, die einem vielleicht dort weiterhelfen können, wo es nicht um reine medizinische Heilkunst geht..

Und darüberhinaus  haben wir als Christen sogar einen "Blickpunkt"  - , wenn wir krank sind...

Jakobus 5,
14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.

15 Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.

16 Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

17 Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. 18 Und er betete abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht.
Verantwortung für die Irrenden



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solana

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Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von solana am 02.10.2018 15:36

Lieber Uwe
Dein Zeugnis hat mich sehr berührt und ich finde es ganz toll, wieviel Zuversicht und Kraft aus deinen Zeilen spricht!
Ich wünsche dir, dass du Gottes Liebe und seine tragende Hand immer spürst und erlebst und dass er dir ein erfülltes und schönes Leben schenkt, und das möglichst lange.

Liebe Grüsse
Solana

angeführte Bibelstellen (soweit nicht anders gekennzeichnet) sind aus Luther 1984/2017 zitiert nach dem Bibelserver

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Uwe_Be

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Re: Mein Weg zu Christus-meine Stärke und mein Schild

von Uwe_Be am 02.10.2018 20:46

Liebe Solana,
das ist nicht meine Kraft. Ich bin körperlich schwach geworden und psychisch hat das auch Spuren hinterlassen. Insofern kann ich jedem nur raten wirklich demütig zu sein und alles anzunehmen, wie es halt kommt. Das geht aber. Ich merke, dass ich nicht allein bin und das hilft ungemein.
Gruß
Uwe Be

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