von pausenclown am 01.10.2025 08:21
Shalom.
Heute ist Jom Kippur, allgemein spricht man vom Versöhnungstag.
Eigentlich heißt der Tag: Jom Ha-Kippurim und wörtlich meint das Tag der Bedeckung oder bedecken ( daher kommt auf das Wort, bzw die kleine Mütze auf dem Kopf, die Kippa).
Stellt sich die Frage, was bedeckt wird, dazu komme ich noch.
Heute ist der Tag, ein Tag des Fastens und Gebets. Es liegen jetzt Rosh ha Shanah und die 10 Tage der Ehrfurcht hinter mir.
Ein Jahr, mit Höhen und Tiefen, überprüfe ich mein Leben anhand der Torah, werden meine Sünde und das Scheitern an der Torah aufgedeckt. das Problem der Sünde.
Die gute Nachricht ist das Herz der Torah. Damit meine ich das Zentrum, die Mitte. Unsere hebräische Bibel ist nicht linear geschrieben, sondern zentriert, das wichtigste steht in der Mitte. Wir haben 5 Bücher Mose, die Torah. Das mittlere Buch ist das dritte Buch und wiederum in der Mitte des Buches:
3 Mose 16.16-17
und tue mit seinem Blut ebenso, wie er mit dem Blut des Stiers getan hat, und sprenge es auf die Deckelplatte und vor die Deckelplatte.
Die Deckelplatte heißt auf hebräisch Kapporet und bedeutet, dass unsere Sünden bedeckt werden. Das ist der Höhepunkt, der Hohepriester betritt einmal im Jahr das Allerheiligste, um das Blut auf die Deckelplatte zu sprengen.
Unsere Sünden werden dadurch bedeckt und gleichzeitig gesühnt.
Das Blut stammt vom Sündenbock, was für unsere Schuld stirbt und sein Blut wird vergossen.
Eigentlich sind es zwei Sündenböcke, das erste wird geschlachtet.
Dem zweiten Sündenbock überträgt der Hohepriester per Handauflegen unsere Sünden auf den Sündenbock.
Anschließend wird er in die Wüste geführt, nach Asasel.
Asasel, das ist ein großes Rätsel, wo, oder wer ist das, ein Ort, eine Person, was passiert da?
Selbst unsere Weisen haben darauf keine Antwort.
Bevor der Sündenbock nach Asasel geführt wird, wird ihm ein roter Faden um die Hörner gebunden.
Ein Stück von dem roten Faden wird abgeschnitten und kommt an die Tempeltore.
Nach einer gewissen Zeit verfärbt sich der Faden weiß, wir deuten es als: Die Schuld ist vergeben.
Es ist für mich immer ein Tag der gemischten Gefühle. Auf der einen Seite: Ich habe gegen Gott und Menschen gesündigt und ein Tier ist stellvertretend für mich gestorben.
Auf der anderen Seite:
Gott vergibt meine/unsere Schuld aus Gnade.
Unser Gott Israels ist der Gott der Gnade.
Deshalb beten wir am Neujahrsfest dieses Gebet aus voller Überzeugung, ein kleiner Auszug aus dem Avinu Malkeinu.
Unser Vater, unser König, tue es um deines großen Namens willen!
Unser Vater, unser König, tue es um deines großen, mächtigen und furchtbaren Namens willen, der über uns genannt wird!
Unser Vater, unser König, aus Gnade erhöre uns, denn wir haben keine verdienstvollen Handlungen, erweise uns Milde und Huld und hilf uns!
Zu meinen seltsamen Gefühlen gehört auch, dass es das erste Neujahrsfest, nachdem Jesus gekreuzigt wurde….
Stillschweigend betrachten wir den roten Faden am Tempeltor, er ist rot, der Tag neigt sich zu Ende und er ist immer noch rot. Ein neuer Tag bricht an und der Faden ist immer noch rot….. Golgatha.
Shalom