postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

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Hyperion

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Re: postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

von Hyperion am 17.03.2019 12:59

Guten Tag,

nachdem ich die letzten Beiträge hier gelesen habe, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier leider so allerhand durcheinander zu gehen droht. Ich versuch das deshalb mal für mich zu ordnen und muss in diesem Zusammenhang auf einen Beitrag von Hannalotti zu sprechen kommen. Da wird nämlich plötzlich der Begriff der "Emerging-Church" ins Spiel gebracht und mir ist überhaupt nicht klar, in welchem konkreten Zusammenhang der Postevangelikalismus mit der "Emerging-Church-Bewegung" stehen soll? Die dann verlinkte Leseprobe des Buchs von R. Ebertshäuser "Aufbruch in ein neues Christsein - Emerging Church", die ich persönlich nur als ideologisches Pamphlet betrachten kann, das nur dem Ziel dient den auserkorenen Feind (also die Emerging-Church-Bewegung) zu diffamieren, bringt dann leider auch keinerlei Klarheit hinsichtlich dieser Frage.

Bithya85 hatte ja geschrieben, dass sie niemanden kennt der freiweillig postevangelikal wird, da man zunächst sehr viel verliert und das beschreibt doch sehr deutlich, dass Postevangelikale aus einer Not heraus postevangelikal wurden. Die sind also offensichtlich nicht eines schönen Tages aufgewacht und haben sich gedacht "och, ich glaube ich werde dann ab heute mal Postevangelikaler", sondern da müssen sich schlimme und schmerzhafte Prozesse vollzogen haben, die dann irgendwann den Gläubigen postevangelikal werden ließen.

Es mag ja durchaus sein, dass sich mancher Postevangelikale, eben weil er seinen Glauben nicht verloren hat, dann solchen Bewegungen wie der "Emerging-Church" anschließen mag, oder sich zumindest dafür interessiert, aber gerade das zeigt dann doch, dass solche Bewegungen absolut notwendig, wichtig und wertvoll sind. Denn was sollte denn ansonsten die Alternative sein? Der Glaubensabfall? Also bitte....

Ich wünschte mir deshalb einen etwas differenzierteren, sensibleren und empathischeren Umgang mit diesem Thema. Auch solche Bewegungen wie die "Emerging-Church" entstehen nicht aus ketzerischen Gedanken heraus, wie Herr Ebertshäuser wohl suggerieren möchte, sondern sie sind Ausdruck einer Not- und Krisensituation, auf die die Gläubigen Antworten finden möchten und müssen. 

LG
Hyperion

Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige; immer ist der wichtigste Mensch der, der dir gerade gegenübersteht; immer ist die wichtigste Tat die Liebe.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 17.03.2019 13:33.

Burgen

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Re: postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

von Burgen am 17.03.2019 15:11


Hallo Hyperion, 

was verstehst du hier in diesem Thread unter "Empathie"? 

Ich für meinen Teil habe mich innerlich schon ziemlich weit davon entfernt mich mit dem Thema weiterhin zu beschäftigen. 

Ja, Bithya hatte da Thema aus eigener Betroffenheit angestoßen und selbst die Links hier eingestellt. Mit denen ich mich dann ja auch beschäftgt hier habe. 

Doch wie es eben so ist, geht es jetzt nicht mehr um Bithya, sondern um ein anderes Evangelium, welches der neue Link von Hannalotti weiterführt. 

Und meine eigene Auffassung, nämlich zurück in die Schrift, die Aussagen ua auch kulturell "studieren" und sich dabei von Gott Weisheit für das Leben mit IHM und seinem Wort, AT und NT, schenken lassen, ist ja nun mal immer meine Auffassung. Nicht nur hier in diesem Thread. 

Wie könnten wir anders uns ausdrücken von dem, was für uns eben nicht so ein Problem ist? Wie kann man, ohne sich zu sehen, Empathie ausdrücken? Vielleicht eine Mitleidspartie gestalten? Du hast vielleicht mitbekommen, dass Bithya nicht die Einzige ist? 
Die meisten Menschen wenden sich aus der Not heraus zu Gott, Jesus und bitten um Hilfe. 
Der Weg des Glaubens kann dann schon mal über 60 - 80 Jahre gehen. Manchmal wesentlich kürzer. 
Auch auf diesem Weg gibt es Chancen und verpasste Chancen. Und geistlich zu wachsen ist meist, fast immer, mit inneren Schmerzen verbunden. Die Schmerzen können sich auch nach außen oftmals zeigen. Aber auch mit Entscheidungen. 

Vielleicht ist das ja alles bei dir nicht so gewesen? 
Was bei einem durcheinander ist, ist für einen anderen kein Durcheinander oder sogar ein Suchen nach Wahrheit, was erst später in strukturierte Bahnen mündet. Das ist bei jedem anders. Niemand hier ist perfekt. Oder erhebt darauf einen Anspruch. 

Die Bitte um Weisheit und Unterscheidungsvermögen gilt hier und eben auch für das Vertrauen in Jesus. Für jeden. Es ist sogar existenziell, wie ich finde. 

Gruß Burgen 


Wir danken Gott allezeit für euch alle, wenn wir euch erwähnen in unseren Gebeten, indem wir unablässig gedenken ... 1.Thess 1,2

Antworten Zuletzt bearbeitet am 17.03.2019 15:17.

Hyperion

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Re: postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

von Hyperion am 17.03.2019 15:59

Hallo Burgen,

empathisch verhält sich der Mensch, der sich einfühlen kann und will. Denn nur auf diese Weise nimmt man den Gegenüber wirklich ernst und akzeptiert zunächst einmal seine Situation, ohne sie sofort zu bewerten. Es gibt ganz einfach einen gewaltigen Unterschied zwischen einer ganzen Bewegung wie der "Emerging Church" und einem einzelnen Menschen, der aus absolut individuellen und sehr verständlichen Gründen heraus postevangelikal wurde. Wie gesagt, das wird wohl niemand freiwillig, sondern durch schmerzhafte Prozesse hindurch wird man es eben.

Hannalottis Links problematisieren nun aber eine Bewegung, die sich nicht zuletzt vielleicht auch gerade deshalb entwickelt haben mag, weil Menschen diese schmerzhaften Prozesse durchlaufen mussten? Dabei wird dann aber überhaupt nicht mehr nach dem Menschen gefragt und nach den Gründen und den Ursachen seines Wandels, sondern pauschal eine Bewegung abgewertet und diffamiert. Und genau das ist eben kein empathisches Verhalten, weil es die schmerzhaften Prozesse, die der einzelne Gläubige durchlaufen musste, völlig ignoriert.

Stattdessen wird dann sofort eine Bewertung vorgenommen und so wie du jetzt z.B., gleich von einem "anderen Evangelium" gesprochen. Im Grunde sagt man damit, dass Postevangelikale und Anhänger der Emerging-Church-Bewegung Abgeirrte sind und man sich nicht weiter mit diesen beschäftigen sollte oder brauchte. Und genau deshalb beschäftigst du dich dann ja auch wohl auch nicht mehr mit diesem Thema und hast dich innerlich davon distanziert. Selbstverständlich steht es dir frei so zu denken, aber bitte gestehe mir dann auch zu dies als empathiearm wahrzunehmen.

LG
Hyperion

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Burgen

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Re: postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

von Burgen am 17.03.2019 16:24

Hallo Hyperion,

schön, nun hast du ganz strukturiert anhand meiner Person erklärt, wie du Empathie verstehst mittels Internet.

Und ich schrieb ja schon, dass in diesem Thread einige Themen angesprochen wurden.

Du hast gelesen, dass wir, die wir hier schreiben, ähnliche Erlebnisse hatten? Und anhand der Schrift zur Zeit im Frieden mit ihr leben?

Trotz evtl. unterschiedlichen Befindlichkeiten bezüglich einiger oder vieler Schriftaussagen?

Ich habe mich innerlich zurückgezogen, weil ich nichts mehr zu schreiben wüste. Das hat nichts mit dir oder Bithya zu tun.

Manchmal finden Diskussionsrunden eben ein Ende.

Gruß
Burgen

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Hannalotti

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Re: postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

von Hannalotti am 17.03.2019 17:15

Hallo Hyperion,

Hyperion: Da wird nämlich plötzlich der Begriff der "Emerging-Church" ins Spiel gebracht und mir ist überhaupt nicht klar, in welchem konkreten Zusammenhang der Postevangelikalismus mit der "Emerging-Church-Bewegung" stehen soll?


...die Emerging-Church-Bewegung ist mit der Postevangelikalen Bewegung eng verbunden.
Dazu ein wenig näher hier:
Eng verbunden mit dieser Ausrichtung ist die unter Konservativ-Evangelikalen umstrittene Emerging Church, die versucht Gemeinde und Theologie postmodern neu zu entwickeln. Vertreter des Post-Evangelikalismus sind beispielsweise Dave Tomlinson oder Stanley J. Grenz.


Unter Wiki gibt es eine Erklärung zu dem Begriff Post-Evangelikal:
Hyperion: Dabei wird dann aber überhaupt nicht mehr nach dem Menschen gefragt und nach den Gründen und den Ursachen seines Wandels, sondern pauschal eine Bewegung abgewertet und diffamiert. Und genau das ist eben kein empathisches Verhalten, weil es die schmerzhaften Prozesse, die der einzelne Gläubige durchlaufen musste, völlig ignoriert.

Es geht doch hier in diesem Thread nicht um eine Person, sondern um die sachliche Frage, was unter der postevangelikalen Glaubensrichtung zu verstehen ist. Und dazu gehört manchmal auch, dass man eine kritische Sicht über eine Glaubensbewegung mit einbringt. Vor allen Dingen dann, wenn sie in grundsätzlichen Fragen von der Bibel abweicht. Deshalb zusätzlich der "Pro-Artikel".

Die Frage lautete nicht: "Was führt Christen in die Postevangelikale Glaubensrichtung?", sondern "was versteht man darunter". Pro und/oder Contra fließen in solche Erklärungen mit ein.

LG
Hannalotti




Antworten Zuletzt bearbeitet am 17.03.2019 17:45.

Hyperion

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Re: postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

von Hyperion am 17.03.2019 19:41

Hallo Hannalotti,

danke für deine Rückmeldung!

Wie aus dem Wikipedia-Artikel hervorgeht, lässt sich der Postevangelikalismus ja nicht konkret als Bewegung umschreiben. Deshalb mag es zwar durchaus eine Nähe zur "Emerging-Church-Bewegung" geben, aber sie sind eben nicht ein und dasselbe. Wenn man nun davon ausgehen muss, dass sich Postevangelikale nicht bewusst dazu entschließen postevangelikal zu werden, sondern stattdessen aufgrund schmerzhafter Prozesse dem Evangelikalismus langsam entwachsen, muss es doch für diese Gläubigen eine Möglichkeit geben, sich neu orientieren zu dürfen und die Fragen zu stellen, die sie bewegen.

Dabei mag es dann ja durchaus so sein, dass einzelne Postevangelikale in der "Emerging-Church-Bewegung" diese Orientierung finden und sich mit den dort gegebenen Antworten identifizieren können, aber schlussendlich bleibt das doch eine ganz individuelle Sache. Deshalb meine Betonung des Unterschieds zwischen dem einzelnen Postevangelikalen und einer Bewegung wie der der "Emerging-Church". Wirft man beides undifferenziert in einen Topf und verlinkt dazu dann noch eine Leseprobe, in der die "Emerging-Church-Bewegung" in einem sehr schlechten Licht dargestellt wird, läuft man sehr schnell Gefahr abermals verletzend gegenüber Postevangelikalen aufzutreten, die ja nicht selten gerade darunter gelitten haben, dass ihre Fragen unsensibel beantwortet wurden. 

Als Beispiel verlinke ich mal einen Podcast von der von Bithya85 empfohlenen Seite "Hossa-Talk". Dort schildert ein Betroffener, wie er quasi zum Postevangelikalen wurde, weil seine Anfragen in der Gemeinde, von den Ältesten, sehr unsensibel abgetan wurden: https://hossa-talk.de/hossa-talk-12-keine-angst-vor-glaubenszweifeln/

Das Phänomen Postevangelikalismus lässt sich also nur verstehen, wenn man die damit verbundenen Einzelschicksale ernst nimmt und versucht den Anfragen dieser Menschen redlich und sensibel zu begegnen. Und das tut man eben immer dann nicht, wenn man das Ganze unter einem Schlagbegriff wie "Emerging-Church-Bewegung" labelt und dann zu dem Ergebnis kommt, dass dort ganz falsche Dinge gelehrt und in grundsätzlichen Fragen von der Bibel abgewichen wird. Das ist nämlich zunächst nur mal eine Behauptung, muss deshalb nicht unbedingt der Tatsache entsprechen und jeder für sich im Einzelfall überprüfen. 

LG
Hyperion

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Hannalotti

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Re: postevangelikale Glaubensrichtung, was ist darunter zu verstehen ?

von Hannalotti am 17.03.2019 22:10

Hallo Hyperion,

Hyperion: Deshalb meine Betonung des Unterschieds zwischen dem einzelnen Postevangelikalen und einer Bewegung wie der der "Emerging-Church". Wirft man beides undifferenziert in einen Topf und verlinkt dazu dann noch eine Leseprobe, in der die "Emerging-Church-Bewegung" in einem sehr schlechten Licht dargestellt wird, läuft man sehr schnell Gefahr abermals verletzend gegenüber Postevangelikalen aufzutreten, die ja nicht selten gerade darunter gelitten haben, dass ihre Fragen unsensibel beantwortet wurden.


ja, da gebe ich Dir recht und Du hast mich an diesem Punkt nachdenklich gemacht: dass es eben nicht gut ist, voreilig eine Bewegung wie Emerging Church und einzelne Postevangelikale in einen Topf zu werfen. Und da will ich in Zukunft auch ein bisschen sensibler sein.

Hyperion: wenn man das Ganze unter einem Schlagbegriff wie "Emerging-Church-Bewegung" labelt und dann zu dem Ergebnis kommt, dass dort ganz falsche Dinge gelehrt und in grundsätzlichen Fragen von der Bibel abgewichen wird. Das ist nämlich zunächst nur mal eine Behauptung, muss deshalb nicht unbedingt der Tatsache entsprechen und jeder für sich im Einzelfall überprüfen.

Zur Emerging-Church konkret habe ich einige Dinge gelesen und Interviews, bspw. mit Rob Bell, gehört. Bei ihm komme ich tatsächlich zu dem Schluss, dass seine Auffassung über den Himmel, und dass nicht nur "auserwählte" Christen dorthin kommen, nicht dem Evangelium entspricht.
Unterscheidung der Geister: Manchmal ist das neben dem Hilfsmittel der Bibel wie ein Empfinden: "Nee, da stimmt was nicht". Und meistens kann ich mich darauf verlassen.


Hyperion: Als Beispiel verlinke ich mal einen Podcast von der von Bithya85 empfohlenen Seite "Hossa-Talk". Dort schildert ein Betroffener, wie er quasi zum Postevangelikalen wurde, weil seine Anfragen in der Gemeinde, von den Ältesten, sehr unsensibel abgetan wurden: https://hossa-talk.de/hossa-talk-12-keine-angst-vor-glaubenszweifeln/



Da höre ich in der kommenden Woche gerne mal rein. Dass unangenehme Fragen gerne mal abgetan werden, kennen wir leider glaube ich alle. Bin gespannt...



So, nun wird´s aber Zeit. Muss morgen wieder früh raus und bin sooo müde.
Gute Nacht Dir und Euch!

LG
Hannalotti

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