Der schmale Weg

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nusskeks

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Re: Der schmale Weg

von nusskeks am 14.04.2026 11:23

Bisher sehe ich keine in Frage gestellten Überzeugungen (zumindest zu meinen Beiträgen nicht). Von daher, gibt es aus meiner Perspektive bisher keinen Konflikt. Die jüdische Perspektive ist mir sehr willkommen.

gruß
nk

Hoditai, Mensch des Weges 
One of Israel

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Merciful

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Re: Der schmale Weg

von Merciful am 14.04.2026 11:58

דֶּרֶךְ
 
Weg, Reise, Verhalten, Wandel.
 
Im Psalm 119 kommt der hebräische Begriff דֶּרֶךְ (derekh) wohl 13 mal vor.
 
Glücklich sind, die im Weg untadelig sind, die im Gesetz des HERRN wandeln.
Glücklich sind, die seine Zeugnisse bewahren, die ihn von ganzem Herzen suchen.
Die auch kein Unrecht tun, die auf seinen Wegen wandeln!
 
(Psalm 119,1-3; Elberfelder Bibel 2006 [(C) SCM R.Brockhaus])
 
Vielleicht mag jemand untersuchen, in welcher Bedeutung der Begriff im Psalm 119 verwendet wird?
 
Nach meinem Verständnis steht der Begriff sinngemäß für die von Gott gewiesene Lebensweise.
 
Diese orientiert sich an den Geboten, Verheißungen und Werken des Gottes Israels.
 
Der Weg ist immer im Zusammenhang mit der Bundesgnade und -gemeinschaft zu sehen.
 
Merciful

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pausenclown

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Re: Der schmale Weg

von pausenclown am 14.04.2026 12:25

Hallo Mericful 

Das ist kein Widerspruch.
Derech bedeutet auf deutsch, treten und/oder stampfen und betont mehr den tatsächlichen Weg/Straße.
Was ist jetzt der Unterschied?

Derech wird im AT oft für die „Wege Gottes“ oder den „Weg der Gerechten“ verwendet. Es beschreibt eher die Richtung z. B. „der Weg deiner Gebote“ in Psalm 119

Im Gegensatz zur Halacha, ein späterer Begriff, die in der mündlichen Tradition und zur Zeit Jesu gab. Die Halacha betont die konkrete Ausformulierung der Gebote für den Alltag. Was ist erlaubt, was ist verboten ….. 

Ich hoffe, es ist etwas verständlich.

Shalom 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 14.04.2026 12:25.

Merciful

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Re: Der schmale Weg

von Merciful am 14.04.2026 16:09

pausenclown schrieb: Was ist jetzt der Unterschied?

Hallo, pausenclown,
 
die Liebe zu Gott besteht darin, dass wir seine Gebote halten.
 
So in etwa beschreibt Johannes in seinem Brief die Liebe zu Gott.
 
Für den Psalmdichter (Psalm 119) waren die Gebote Gottes Freude, Trost und Leben.
 
Jene Satzungen zur Zeit Jesu, die den Alltag bis in kleinste Vorgänge hinein regelten,
 
bedeuteten für nicht wenige Menschen des Volkes hingegen eine schwere Last.
 
Die Satzungen richteten den Fokus auf die äußeren Vorgänge.
 
Die innere Gesinnung, die die Taten motivierte, trat in den Hintergrund.
 
Die Leistungen des Gehorsams bedeuteten für den Menschen Ruhm und Ehre.
 
Die Übertretung der Satzung hingegen ließ den Menschen in Schuld und Schande versinken.
 
Aber auch die gewissenhafte Befolgung der Satzung konnte die Seele der Gerechten nicht beruhigen.
 
Von jener Last, die das Volk bedrückte, hat Jesus seine Jünger frei gemacht.
 
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.
Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
 
(Evangelium nach Matthäus 11,28-30; Lutherbibel 2017 [(C) Deutsche Bibelgesellschaft])
 
Jesus hat seine Jünger nicht zu Schülern des Talmud gemacht.
 
Das Alte Testament aber, die Tora, die Propheten und die Schriften,
 
Gottes Gebote und Verheißungen, die Bundesgnade und Bundesgemeinschaft,
 
bilden die bleibende Grundlage auch der christlichen Gemeinde.
 
Es gibt im Psalm 119 einen Vers, der sowohl für Christen als auch für Juden besonders bedeutsam ist:
 
Halte fern von mir den Weg der Lüge und gib mir in Gnaden dein Gesetz.
 
(Psalm 119,29; Lutherbibel 2017 [(C) Deutsche Bibelgesellschaft])
 
Ich meine hier insbesondere den zweiten Teil des Verses.
 
Gib mir in Gnaden dein Gesetz - das heißt doch auch:
 
Lass mich dein Gebot bewahren als einer, der aus Gnaden durch Glauben nach der Gerechtigkeit des Reiches Gottes trachtet.
 
Merciful

Antworten Zuletzt bearbeitet am 14.04.2026 16:12.

pausenclown

-, Männlich

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Re: Der schmale Weg

von pausenclown am 14.04.2026 16:22

Hallo Mericful.

Das ist deine Sicht, damit habe ich kein Problem, trotzdem teile ich sie nicht.
Shalom Pausenclown 

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Argo

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Re: Der schmale Weg

von Argo am 14.04.2026 23:21



                                                          דֶּרֶךְ  der Weg Gottes, der Weg des Lebens.

 

Der Psalm 119 dient in erster Linie der Verherrlichung des Gesetzes und des Wortes Gottes und stellt sie als Richtschnur für das Leben dar.

Diese besteht aus dem Prozess, das Lernen und die Erfahrungen auf dem Weg zum Ziel die wichtiger im Leben sind, als das eigentliche Endergebnis.

Der Prozess besteht aus Zusammenhängende, meist wiederkehrende Arbeitsschritte die aus den Gesetzen Gottes entstehen.

Das Lernen der Gesetzen Gottes ist wichtig.

Die Erfahrungen die man im Leben bei der Anwendung oder nicht den Gesetzen Gottes macht, ist ein Grund sich zu erfreuen oder sich zu verbessern.

Psalm 119 ist das längste Kapitel der Bibel und gilt als religiöse Hymne, die der Größe des Wortes Gottes gewidmet ist. Im hebräischen Text verwendet der Psalmist systematisch verschiedene hebräische Synonyme für Gottes Gebote, die mehrmals vorkommen.

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Merciful

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Re: Der schmale Weg

von Merciful am 15.04.2026 09:56

Der Psalm 119 wird häufig missverstanden.
 
Das eigentliche Thema dieses Psalms ist nicht das Gesetz oder die Tora.
 
Vielmehr ist dieser Psalm das ausführlich ausformulierte Gebet eines Menschen auf dem Weg.
 
Der Psalm handelt von der Beziehung dieses Menschen zu Gott.
 
Der Psalmdichter beschreibt, was die Tora ihm bedeutet und was er in Zuversicht in und bei dieser sucht.
 
Der Psalmdichter lebt in Beziehung zu Gott, weil dieser durch die Tora zu ihm gesprochen hat.
 
Der Psalmdichter erfährt Gottes Gnade, dessen Zuwendung, Hilfe, Trost durch das Hören auf die Tora.
 
Er weiß sich gefährdet durch mancherlei Gefahr, er sucht, er bittet um Rettung und bekennt Gottes Wahrheit und Treue.
 
Der Psalmdichter beschreibt sich selbst als einen Pilger auf Erden, einen Diener Gottes.
 
Er wurde (von Gott) gedemütigt und zur Umkehr geleitet, er fand Einsicht in die Wege Gottes durch die Tora.
 
Er hat sich bewusst zum Gehorsam der Tora entschieden, da er in ihr und durch sie die Gnade des Gottes Israels erfährt.
 
In der Gemeinschaft mit Gott kennt und erlebt er beides, sowohl Gewissheit als auch Furcht.
 
Die Tora ist seine ganze Freude, sein Trost, seine Zuversicht.
 
Sein Gebet bringt diese Liebe zur Tora, aber auch seine Bitte um Beharrlichkeit und Treue zur Tora zum Ausdruck.
 
Immer wieder neu bittet er um Belebung, Einsicht in die Zuverlässigkeit der Tora.
 
Er wird angefeindet auf Erden, er hält stand durch die Bitte um Bewahrung des Leibes und der Seele gleichermaßen.
 
Er ist auf dem Weg, noch nicht am Ziel, er hat gefunden und bleibt doch ein Suchender.
 
Sehnsucht und Zuversicht, Freude an der Tora und Traurigkeit angesichts der Anfeindungen stehen nebeneinander.
 
Der Psalmdichter empfängt die Tora in Gnaden, das Gebot ist ihm nicht Forderung, sondern belebende Gabe.
 
Nicht der Ruhm des Tüchtigen, die Ehre des Gehorsams bilden seine Beweggründe.
 
Nicht der Gehorsam stellt die zu belohnende Leistung dar, aber durch die Tora erlebt er die helfende Kraft Gottes.
 
Darum wird ihm das Gebot zur Leiter, hinauf, und zur Brücke, hinüber zur Gerechtigkeit Gottes in Gottes Reich.
 
Merciful

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Argo

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Re: Der schmale Weg

von Argo am 15.04.2026 13:33


Psalm 119: wenn man es genau betrachtet, ist ein Gebet eines hebräischen Autors an Gott, der eine tiefe Liebe zum Wort Gottes hatte, konnte aber dieses nicht anwenden. Der Psalm handelt von der Beziehung dieses Menschen zu Gott.

Der Psalmist ist hier stellvertretend für alle Menschen. Wie z.B. Apostel Paulus für alle gepredigt und gebetet hat und nicht für sich allein.

In fast jedem Vers werden Synonyme für das Wort Gottes verwendet.

Die Verse 33-40 z.B. darstellten ein Gebet, da der Wunsch, Gottes Wort zu lesen, sehr schwach war. Wie auch heute genau das gleiche ist. Unsere Herzen müssen sich ändern, aber wir können aus eigener Kraft keine Liebe zu Gottes Wort entwickeln. Wir müssen uns Gott zuwenden. Und Gott durch den Heiligen Geist erweckt in uns seine Gesetze die er in unsere Seele bei der Geburt gespeichert hat. Unser Herz (oder auch Gewissen) der die Gesetze Gottes kennt meldet sich bei uns. Somit machen wir das was unser Herz uns empfiehlt. Paulus in Seiner Römerbrief beschreibt genau diesen Effekt.

33 Lehre mich, HERR, den Weg deiner Anweisungen, dass ich ihn einhalte bis ans Ende.
34 Gib mir Verständnis, so will ich dein Gesetz bewahren und es befolgen von ganzem Herzen.
35 Lass mich wandeln auf dem Pfad deiner Gebote, denn ich habe Lust an ihm.
36 Neige mein Herz zu deinen Zeugnissen und nicht zur Habgier!
37 Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen; belebe mich in deinen Wegen!
38 Erfülle an deinem Knecht dein Wort, das denen gilt, die dich fürchten.
39 Wende von mir die Schmach, die ich fürchte; denn deine Bestimmungen sind gut!
40 Siehe, ich sehne mich nach deinen Befehlen; belebe mich durch deine Gerechtigkeit!

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