Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

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Katechon

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Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von Katechon am 17.08.2026 13:33

Seid mir gegrüßt! 👋🏼🧔🏼‍♂️

Meine seelige Großmutter pflegte bei Erschrecken, Überraschung und zur Bekräftigung einer Ablehnung ein kräftiges Jesses, Maria und Josef von sich zu geben, wobei Jesses für unseren Herrn Jesus stand. Jeder von uns hat schon Himmel Herrgott oder Oh mein Gott gesagt oder von sich gegeben.

Solche Ausrufe meine ich nicht, sondern Aussagen wie 

  • etwas ist ketzerisch / jemand ist ein Ketzer
  • jemand ist ein ungläuber Thomas
  • jemand ist ein Guter Samariter
  • jemand ist ein Pharisäer 
  • ...
Kürzlich erst ist mir in einem Gespräch die Aussage herausgerutscht, dass ich einen bestimmten Herren des öffentlichen Lebens fü einen Pharisäer halte ... und habe mir dafür einen schiefen Blick und eine pikierte Belehrung eingefangen. 

Die Pharisäer seien ein hochgeschätzer Teil der jüdische Gemeinschaft und den "schlechten Ruf" hätten sie der 2000jährigen Verunglimpfung und üblen Nachrede des Christentums zu verdanken. Die Nutzung des Wortes wäre, in diesem Kontext, antisemitisch und sogar rassistisch. 

Wie denkt die geschätzte Forumsgemeinschaft darüber? Ist der Begriff zu vermeiden? Gibt es weitere derartige Stolersteine, an denen man sich stoßen oder Anstoß nehmen könnte?

Ich wünsch euch allen einen gesegneten Tag!



»Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss, wo Todesschatten mich umgeben, fürchte ich mich vor keinem Unglück, denn Du, Herr, bist bei mir! Dein Stock und Dein Hirtenstab geben mir Trost.« - Psalme 23:4 NGU

Antworten Zuletzt bearbeitet am 17.08.2026 15:02.

nusskeks

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von nusskeks am 17.08.2026 14:27

Außerhalb der Bibel ist mir "Pharisäer" als ein Kaffeespezialität und als ein veraltetes Schimpfwort bekannt. Ich selbst nutze dieses Wort nicht ebenso wie ich die anderen von Dir genannten und die mit noch bekannten Redewendungen nicht nutze. Also auch kein "ToiToiToi" kein "Herrje!" oder ähnliches mit nahem oder fernen religiösem Bezug.

Ich nutze den Begriff "Pharisäer" halt, wenn er in einem Gespräch vorkommt. Beispielsweise im Hauskreis oder wenn ich mit anderen Menschen über Pharisäer rede, wie ich es hier gerade mache. Meiden tu ich also nur den negativen Kontext, der in wenigen Kreisen noch dazu vorhanden ist. Die Jugend kenne "Pharisäer" gar nicht mehr. Spreche ich also mit meinen inzwischen erwachsenen Kindern, so kennen (kannten) sie den historisch negativen Gebrauch des Wortes gar nicht.

Hoditai, Mensch des Weges 
One of Israel

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Katechon

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von Katechon am 17.08.2026 14:49

Die Jugend kenne "Pharisäer" gar nicht mehr. Spreche ich also mit meinen inzwischen erwachsenen Kindern, so kennen (kannten) sie den historisch negativen Gebrauch des Wortes gar nicht.

Man hat mir in jungen Jahren eingeimpft, mich bildungssprachlich zu artikulieren. Es gab eine Vielzahl an Schimpfnamen für derart unliebsame Menschen, man sollte sie aber nicht nutzen, weil dies ›Gossensprache‹ sei. Und wurde nicht geduldet. Das dieser Begriff heute so negativ aufgefasst werden würde, wäre mir nie in den Sinn gekommen.

»Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss, wo Todesschatten mich umgeben, fürchte ich mich vor keinem Unglück, denn Du, Herr, bist bei mir! Dein Stock und Dein Hirtenstab geben mir Trost.« - Psalme 23:4 NGU

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Burgen

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von Burgen am 18.08.2026 09:19


interessant. 

Vielleicht sollten wir mal danach lesen, was die Bibel dazu sagt? 
Wie wird das Wort dort verstanden und gebraucht. 

Im Evangelium wird von Pharisäer und Schriftgelehrte gesprochen und unterschieden. 
Und auch wird zB der Pharisäer dem einfachen Soldaten bzw. Zöllner unterschieden / gegenübergestellt 
usw. 



Darum, ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden! 
2.Kor 5,17 (Schl 1995) 

In Ihm leben, weben und sind wir! (als wiedergeborene Christen)  


Antworten Zuletzt bearbeitet am 18.08.2026 09:20.

Katechon

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von Katechon am 18.08.2026 09:40


Die Bibel (v. a. die Evangelien) stellt Pharisäer meist als besonders gesetzes- und traditionsbewusste Fromme dar. Häufiger Kritikpunkt ist, dass sie Religion zu stark ›äußerlich‹ sehen: Jesus wirft ihnen ›Heuchelei‹ und ›Selbstgerechtigkeit‹ vor, wenn die Herzenshaltung (Gott lieben, Barmherzigkeit üben) hinter Regeln und Traditionen zurücktritt.

Aber ist die Verwendung des alten (bildungsprachlichen) Begriffs damit antisemitisch? Wenn ich jemanden, der öffentlich (sprichwörtlich) ›Wasser predigt aber Wein säuft‹ einen ›Pharisäer‹ schimpfe … dann kann / könnte ich diesen Menschen auch einen ›scheinheiligen Heuchler‹ schimpfen, was viel beleidigender und untergriffiger klingt. 

»Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss, wo Todesschatten mich umgeben, fürchte ich mich vor keinem Unglück, denn Du, Herr, bist bei mir! Dein Stock und Dein Hirtenstab geben mir Trost.« - Psalme 23:4 NGU

Antworten Zuletzt bearbeitet am 18.08.2026 09:46.

Cleopatra
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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von Cleopatra am 18.08.2026 09:40

Guten Morgen, 

ich habe den "Pharisäer" außerhalb von christlichen Kreisen einmal im Reiterurlaub kennengelernt, dort war der "Pharisäer" ein Getränk, ich glaube entweder etwas mit Kaffee oder ein Mixgetränk aus Cola und Bier. So sicher bin ich mir nicht mehr.

Ansonsten kenne ich diese Beschreibung nur in biblischen Gesprächen, wenn über biblische Inhalte gesprochen wird.

Was ich ganz schlimm finde ist, wenn dieses "Oh Gott" oder so gesagt wird, wenn man erstaunt ist oder so.
Das empfinde ich als geschmacklos, weil man den Namen Gottes nicht missbrauchen soll. 

Auch "Gott sei Dank" wird eher selten gesagt, ich habe mir einen Autoaufkleber besorgt, um dem aufzugreifen.
Dort steht "Gott sei Dank- wem denn sonst?"

Eine ehemalige Cheffin hat auch einen Spruch oft gesagt, in dem der heilige Geist vorlkommt, diesen wiederhole ich hier nicht.
Das fand und finde ich auch sehr schlimm.

Diese Begriffe aus der Bibel fallen mir gerade ein, die in meinem Umfeld genannt werden.

Liebe Grüße, Cleo


Die Bibelverse sollen meine Meinung bilden, nicht begründen
Zitate im Forum, wenn nicht anders vermerkt, aus der rev.Elberfelder

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Katechon

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von Katechon am 18.08.2026 10:01

In den Wiener Kaffeehäusern ist der ›Pharisäer‹ ein Kaffeegetränk, in dem gezuckerter Rum mit schwarzem Kaffee aufgegossen und mit einer Haube aus ›Schlagobers‹ (Sahne) serviert wird. Auch hier schlägt durch, dass derjenige, der sich dieses Kaffeegetränk bestellt, nach außen den Eindruck des biederen nüchternen Kaffeetrinkers geben wolle … sich tatsächlich aber den gesellschaftlich verpönten Alkohol zuführe. Also wieder die Metapher von ›Wasser und Wein‹.

»Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss, wo Todesschatten mich umgeben, fürchte ich mich vor keinem Unglück, denn Du, Herr, bist bei mir! Dein Stock und Dein Hirtenstab geben mir Trost.« - Psalme 23:4 NGU

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pausenclown

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von pausenclown am 18.08.2026 10:19

Hallo Katechon.

Sorry das ich nachfrage, um was geht es jetzt eigentlich, geht um Pharisäer, oder dass du jemanden als Pharisäer bezeichnet hast, oder weshalb der Begriff etwas problematisch ist?

LG 

Antworten Zuletzt bearbeitet am 18.08.2026 10:20.

Katechon

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von Katechon am 18.08.2026 10:44

Es geht darum wie der Begriff heute verstanden wird, ob er tatsächlich heute von der (neudeutsch) ›wokeness‹ geächtet und ›gecancelt‹ wird. Kann man ihn heute noch verwenden ohne als Antisemit ›geframed‹ zu werde?

Seht ihr, ich alter Knochen spreche, wenn es sein muss, auch die Sprache meiner Enkel. Ob die auch irgendwann vor dem Problem stehen werden, dass sie ob ihrer als harmlos empfundenen gewohnten Wortwahl gemaßregelt werden?

»Selbst wenn ich durch ein finsteres Tal gehen muss, wo Todesschatten mich umgeben, fürchte ich mich vor keinem Unglück, denn Du, Herr, bist bei mir! Dein Stock und Dein Hirtenstab geben mir Trost.« - Psalme 23:4 NGU

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pausenclown

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Re: Begriffe aus der Bibel im tägl. Sprachgebrauch

von pausenclown am 18.08.2026 11:04

Hallo Katechon.

Irgendwie fällt es mir, als Jude dir darauf eine Antwort zu geben.
Aus meiner Erfahrung heraus gibt es eben viele christliche Zerrbilder über die Pharisäer.
Die meisten entstanden aus Unwissenheit über den Glauben und ihre Praxis zur Zeit Jesu.


Darüber hinaus verstehe ich nicht den Sinn, Menschen generell als Pharisäer zu bezeichnen.
Natürlich verstehe ich die Melodie dahinter, XY ist ein Heuchler.
Das Ding ist, ich bin Heuchler, ich bin ein Sünder, mir mangelt es am Ruhm Gottes und wer ist es nicht?

Hast du gewusst, was die damaligen Pharisäer über sich dachten und lehrten?
Der „Schulter-Pharisäer trägt seine guten Taten auf den Schultern herum, um sie zu zeigen. Der „Hinhalte-Pharisäer" sagt: Warte noch kurz, ich muss erst noch schnell ein Gebot erfüllen. Der „Rechen- Pharisäer" sündigt erst und erfüllt dann ein Gebot, um es wieder auszugleichen. Der„Sparsamkeits-Pharisäer" sagt: Ich habe doch so wenig, womit soll ich denn noch ein Gebot erfüllen.
Der „Ausgleichs-Pharisäer" sagt: Nenne mir doch erst eine Sünde, die ich begangen habe. Dann tue ich auch eine gute Tat, um sie auszugleichen. Aber dann gibt es auch den Pharisäer, der aus Ehrfurcht vor Gott handelt, so wie Hiob. Und schließlich den Pharisäer, der aus Liebe zu Gott handelt, wie Abraham. Dieser ist Gott der Liebste. 

LG 


Antworten Zuletzt bearbeitet am 18.08.2026 11:05.

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