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sylvaki
Gelöschter Benutzer

Re: Oase 13 "Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir" (Jesaja 43,1 NL)

von sylvaki am 24.01.2015 10:05


Losung und Lehrtext für Samstag, den 24. Januar 2015

„Ich will dem HERRN singen,
denn er hat eine herrliche Tat getan."
(2.Mose 15,1)

 

„Wenn euch der Sohn frei macht,
so seid ihr wirklich frei."
(Johannes 8,36)

© Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine (www.ebu.de)
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Rapp
Gelöschter Benutzer

Re: Menschen, die mein Leben prägten

von Rapp am 24.01.2015 09:04

Hans ist mir sehr zum Segen geworden. Der Mühlenbauer hatte viele Jahre seines Lebens im Kongo verbracht. Nun war er wieder mal auf Europaurlaub, wie er es nannte. Urlaub war das ja kaum: Hans arbeitete wieder bei seinem früheren Arbeitgeber, denn die Gemeinde entlöhnte ihn nur, wenn er in Afrika war. Daneben besuchte er die Gemeinden...

Ich habe selten Menschen gefunden die mit größerer Freude von ihrer sicher nicht einfachen Arbeit berichteten.

Bei seinem nächsten Besuch zu Hause war Hans allein. Seine Frau hatte er in Afrika zu Grabe getragen und die Brüder zitierten den alternden Missionaren nach Hause. Keine ledigen Männer gehen in die Missionsarbeit. Hans erzählte mir da wie schwer es ihm fiel zu Hause den so genannten Ruhestand zu genießen, während im Kongo Menschen nach Rettung schrien. Wie gut konnte ich Hans verstehen!

Flucht nach vorn: Hans stand vor dem Traualtar. Er hatte ausdrücklich verlangt, dass der Trautext aus der Lutherbibel verlesen wurde, und zwar aus einer alten Ausgabe: ...das Weib sei dem Manne untertan... und: ihr Männer liebet eure Weiber... Das Brautpaar war daran die Kapelle zu verlassen als Hans ein sehr strenges Gesicht aufsetzte, stehen blieb und sein Rösli laut fragte: "Rösli, hast du gehört, was du sollst?" Rösli strahlt Hans an "Ja, Hans, du sollst mich lieb haben!!"

Wenn ich ihn auch nur wenige Male traf, Hans prägte mein Leben wie wenig andere.

Hans hat auch Rösli überlebt. Als ich ihn das nächste Mal traf war er bei neunzig Jahre alt. Er zeigte mir einen Briefbogen, den er meinem Pastor geben wollte: "Das ist mein Nachruf... damit die Leute nur kein Loblied auf mich singen: die Ehre gehört meinem Herrn. Komm mit, Willy, wir trinken noch nen guten schwarzen Kaffee!" Wenige Wochen später durfte auch Hans heimgehen.

Haben wir, habe ich begriffen, worauf es im Leben wirklich ankommt? Vaters Liebe weiter zu geben. Kann das soooooooooo schwer sein?

Willy

Antworten Zuletzt bearbeitet am 24.01.2015 09:15.

Cleopatra
Administrator

40, Weiblich

  Urgestein

Forenleitung

Beiträge: 5491

Re: Oase 13 "Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir" (Jesaja 43,1 NL)

von Cleopatra am 24.01.2015 08:33

Guten morgen ihr lieben
Na wer ist denn schon wach?
Hach, ich habe mich sooo sehr auf heute gefreut

In diesem Jahr hatte ich sehr viele volle und stressige Tage.
Auch an den Wochenenden war es teilweise natürlich sehr schön (Geschwister waren zB da zu Besuch oder Geburtstag vom Vater), aber dennoch immer viel los.
Daher habe ich mir vor zwei Wochen meinen Terminkalender genommen und ein gaaaanz großes "X" quer über den heutigen tag gelegt und diesen bis jetzt eisern verteidigt
Dieses "X" besagt "keine Termine". hach ja, und schwups hat es mir heute Nacht nicht ausgemacht, als ich umhalb drei länger wach liegen blieb- ich hatte ja keinen Wecker
Der heutige Tag wird einfach genutzt, um ohne Termine den Tag zu genießen.
Meißtens schaffe ich an diesen Tagen im Haushalt eh das Meißte, ich nehme mir nichts vor und gucke einfach mal, wieviel Zeit und Kraft ich nach dem Spaziergang mit dem Hund habe.
Bei uns liegt auch kein Schnee, seit einer Woche liegen dafür wieder viele frische Äste der gefällten Bäume auf den Wegen ;-(
Ich brauche keinen Schnee und hoffe, dass er uns noch etwas fern bleibt

Wie geht es euch?
Ich hoffe, ihr habt auch ein schönes, erholsames Wochenende vor euch?
Inyanael, hast du dieses Wochenende wieder Konzert?
AllesDurchIhn, gibt es Neuigkeiten wegen Wohnung und Klausuren deines Sohnes,wegen Arbeit deines Mannes?
Sylvaki, was macht deine Katzenmanschaft?

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, bis vielleicht später

Lg Cleo

Die Bibelverse sollen meine Meinung bilden, nicht begründen
Zitate im Forum, wenn nicht anders vermerkt, aus der rev.Elberfelder

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Rapp
Gelöschter Benutzer

Re: Missionsbefehl und introvertierte Christen?

von Rapp am 23.01.2015 23:32

Ich will noch einmal ansetzen bei Moses. Moses wand sich zwar und hielt Gott seine Unfähigkeit vor. Komisch, dass keiner auf die Antwort Gottes auf Moses' Einwand eingeht... Ich sags mit meinen eigenen Worten: Ich habe mit deinem Bruder Aaron gesprochen. Der hat ja ein geschliffenes Mundwerk und er ist bereits auf dem Weg zu dir. Du legst ihm meine Worte in den Mund, so darfst du schweigen... Also, wer nicht so gut reden kann muss keine Angst haben: Gott findet den Menschen, der das kann was dir fehlt. Dazu sind wir schließlich als Gotteskinder zusammengestellt. Wir dürfen auch darin einander ergänzen, ohne einander zu drängen."Jedes Häfeli hät es Decheli" das gilt auch für uns und wer wenig redet ist oft im hören den anderen weit voraus!!

Willy, der auch viel lieber schweigt.

Antworten Zuletzt bearbeitet am 23.01.2015 23:34.

solana

-, Weiblich

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Beiträge: 4164

Re: Oase 13 "Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir" (Jesaja 43,1 NL)

von solana am 23.01.2015 22:20

Inyanel schrieb:

Winter ???!!!
Wir haben in diesem "Winter" bis auf Schneeregen hier in "Marzipan-City" noch nicht einmal(!) Schnee gesehen
- das erste Mal in meinem Leben ein Winter ohne Schnee ???

Hallo Inyanel
Na, dann schick ich dir doch mal ein bisschen:

IMAG0272.jpgFot14.jpg

Die Bilder sind aber nicht von diesem Jahr ... dieses Jahr hatten wir bisher auch nur ein paar einzelne Flöckchen, die nicht liegen geblieben sind.
Mir solls recht sein.
Liebe Grüsse und gute Nacht (an alle) 
Solana 

angeführte Bibelstellen (soweit nicht anders gekennzeichnet) sind aus Luther 1984/2017 zitiert nach dem Bibelserver

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chestnut
Administrator

63, Weiblich

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Beiträge: 714

Re: Der vergessene Missionar

von chestnut am 23.01.2015 19:47

Danke für diese Geschichte Cipher

Wer nur für Ruhm und Ehre in einen "christlichen Dienst" eintritt, ohne ganz klare Berufung zu haben, ist gefährdet wie dieser Manfred. Dies passiert nicht nur in Missionsdiensten im Ausland, dasselbe gilt für Starter in unseren Ländern, wo wir herkommen.

Die Realität ist oft ganz anders als in den Ausbildungsstätten gelehrt. Frust stellt sich sehr leicht ein, wenn kein "Erfolgsausweis" nachgewiesen werden kann, sprich sich die Gemeinde nicht vergrössert oder mindestens stabil gehalten werden kann.
Wer in einen christlichen Dienst geht, rechnet nicht mit happigen Konflikten, mit nörgelnden Gemeindegliedern. Predigten, Kinderanlässe, Frauengruppen, Jugendanlässe stehen genauso auf dem Programm - ob man darin sehr viel Erfahrung hat oder nicht und ob einem die Vorbereitungen dafür laufen oder nicht. Gemeindeglieder können für angefragte Dienste nein sagen, Pastoren nicht. Wenn sie glück haben, können sie Dienste, die ihnen weniger liegen, delegieren an Gemeindeglieder.

Und zum dümmsten Zeitpunkt gibt es Beerdigungen zu arrangieren, Krankgewordene im Spital zu besuchen etc.

Hintergrund und Vordergrund sehen oft sooo vollkommen unterschiedlich aus.
Und wer aussteigt, wird bestenfalls vergessen, oder manchmal leider schlimmer: geächtet *seufz*


Deshalb: Ohne eine wirkliche Berufung hält dies niemand über Jahre durch.

Liebe Grüsse
Chestnut

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Cosima
Administrator

85, Weiblich

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Beiträge: 951

Re: Der vergessene Missionar

von Cosima am 23.01.2015 18:17

Hallo Cipher,

diese Geschichte hat mich berührt. Ja, ich kann mir den Weg, die Höhen und Tiefen, dieses Mannes gut vorstellen.
Als ich ein kleines Mädchen war, kam ein alter Missionar in unsere Gemeinde und erzählte von den Kindern in Afrika.
Seitdem war das mein Wunsch-Beruf: Krankenschwester werden und nach Afrika gehen.
Aber Gott hat diese Türen nicht geöffnet. Doch ich konnte eine Frauenarbeit gründen, die seit über dreißig Jahren
für ein Kinder-Hospital mitten im Kongo, in Vanga, arbeiten und viele Kinder dadurch gesegnet worden sind.

Türen mit Gewalt aufmachen, ist keine Lösung. Gottes Wege sind erkennbar, wenn wir IHN hören, uns leiten lassen durch
Sein Wort, dann kann ER uns gebrauchen, auf ganz unterschiedliche Weise. Wichtig ist, dass wir uns gebrauchen lassen, von IHM.

l.g.v.cosima

Die Liebe gibt nie jemand auf, in jeder Lage vertraut und hofft sie für andere; alles erträgt sie mit großer Geduld. 1.Kor.13:7 GNB

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solana

-, Weiblich

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Beiträge: 4164

Re: Missionsbefehl und introvertierte Christen?

von solana am 23.01.2015 11:16

Kayla schrieb:

Vielleicht ist das wirklich ein Problem unter Christen, irgendwie kommt es da ja gerne mal zu "Wettbewerbssituationen", wer der bessere Christ ist und dabei mehr aushalten und leiden muss.

Ja, Kayla, das denke ich auch, dass das ein generelles¨Problem unter Christen ist - und nicht nur unter Christen.
Dass sie sich mit anderen vergleichen und ihr "Selbstbewusstsein" daraus beziehen, wie sie in diesem Vergleich abschneiden.
Und andere spüren lassen, wie sie sie "einordnen" ("beurteilen") - nach dem Masstab dessen, was sie für das Wichtigste halten; Und das ist in der Regel das, worin sie besonders gut sind und vor anderen glänzen können. So sehr glänzen, dass alle Schwächen, die an anderer Stelle da sind, davon überstrahlt werden.

Wer nun "sensibel" darauf reagiert, weil ihm die Wertschätzung anderer sehr wichtig ist, , der lässt sich dadurch unter Druck setyzen und in Frage stellen. Geht in die Defensive und sucht Fehler nur bei sich - anstatt mal zu hinterfragen, wie "gottgewollt" und christlich so ein Verhalten überhaupt ist.

Ich habe im anderen Thread "Glaube leicht oder Schwermütig?" das Beispiel des "wankelmütigen Felsen" Petrus angeführt und wie Jesus damit umgegangen ist.

Er sagt nicht: "Du hast versagt, ich sehe bei dir keine Qualifikation - zeig erst einmal, dass ich dich wirklich gebrauchen kann für so ein verantwortungsvolles Amt. Dann vertraue ich dir erst einmal etwas Kleines an, bis du dich bewährt hast."

Nein, er fragt nur eine Sache: "Hast du mich lieb?"
Und darauf baut er auf.

Der "Leistungsgedanke" unserer heutigen Gesellschaft hat unseren zwischenmenschlichen Umgang vergiftet, und das gilt auch vielfach für Christen.
Aus der frohen Botschaft für die Kranken, Verachteten, Kranken, Mühseligen, Beladenen, Sünder, geistlich Armen usw, die nichts zu bringen haben und denen dennoch Erquickung, Heilung, Leben und volle Genüge, Anteil am Reich Gottes zugesagt wird - aus dieser Botschaft wird vielfach ein System der "Leistungsträger" aufgebaut, die mit ihrer Leistung genauso wieder - auf der anderen Seite - "Faule", schlecht Angesehene und seelisch Kranke, die dem Leistungsdruck nicht standhalten, Versager usw ausgrenzen. 

Liebe geht nicht so mit anderen um.
Liebe schenkt Freiraum, der zur Entfaltung des Besten dient, das in einem Menschen schlummert.
Liebe setzt nicht unter Druck und fordert und verurteilt, wenn zu wenig kommt.
Liebe gibt und schenkt im Voraus Annahme und Respekt, ermutigt, unterstützt, fördert.

Gott ist nicht auf unsere Leistung angewiesen, um etwas bei anderen Menschen zu erreichen.
Es ist ein Geschenk für uns, dass wir an seinem Reich mitbauen dürfen, er überfordert uns nicht. Das sollte uns eine Freude sein, uns mit dem, was wir haben und können - so wie kleine Kinder, die sich freudig mit ihren begrenzten Fähigkeiten einbringen, wenn sie den Eltern "helfen" dürfen. Sie machen sich keine Sorgen über die Unvollkommenheit der geformten Plätzchen usw. Und die Eltern machen ihnen das auch nicht zum Vorwurf, sondern freuen sich an der Freude der Kinder, an den strahlenden Augen und dem Eifer ....
Gruss
Solana

angeführte Bibelstellen (soweit nicht anders gekennzeichnet) sind aus Luther 1984/2017 zitiert nach dem Bibelserver

Antworten Zuletzt bearbeitet am 23.01.2015 11:23.

sylvaki
Gelöschter Benutzer

Re: Oase 13 "Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst mir" (Jesaja 43,1 NL)

von sylvaki am 23.01.2015 11:05


Losung und Lehrtext für Freitag, den 23. Januar 2015

„HERR, zürne nicht so sehr
und gedenke nicht ewig der Sünde!
Sieh doch an, dass wir alle dein Volk sind!"
Jesaja 64,8)

 

„Christus ist gekommen
und hat im Evangelium Frieden verkündigt
euch, die ihr fern wart,
und Frieden denen, die nahe waren."
(Epheser 2,17)

 

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cipher
Gelöschter Benutzer

Der vergessene Missionar

von cipher am 23.01.2015 11:00

Einleitung
Nachdem ich eine Weile in einem Missionswerk Dienst getan hatte, bestand für mich noch immer die Frage, ob Mission vielleicht für mich das Richtige wäre, Gott in diesem Bereich zu dienen. Dann lernte ich in der Gemeinde jenen Manfred Sauer kennen. Die Geschichte ist in den Grundzügen wahr, aber so, dass niemand die wahren Akteure erkennen kann. Die Geschichte hat meinen Stanpunkt dann auch beeinflusst. Ich stelle die Geschichte mal hier ein, weil es vielleicht Anlass gibt, über das Theme "Mission" zu sprechen?

Manfred war Sohn einer recht angesehenen Familie, welche in einem kleinen, nicht gerade idyllischen, aber sonst ganz ordentlichen Dorf wohnte. Seine Eltern waren gläubige Leute - wie erwähnt, ziemlich angesehen in diesem Dorf - und so wuchs er in jener christlichen Geborgenheit auf, die bewirkte, daß er den Glauben an Jesus Christus zu sich nahm, wie den wöchentlichen Eintopf oder das frühmorgendliche Honigbrot. Mit seinen Eltern und Geschwistern besuchte er ziemlich regelmäßig die Gottesdienste der Gemeinde, der sie angehörten.

Manfred Sauer erlebte eine angenehme und einigermaßen unbeschwerte Kindheit und Jugend. Weil seine Eltern ihn mit viel Verständnis behandelten, über- und durchlebte er auch die schwierige Zeit seiner Pubertät ohne allzuheftiges Auflehnen. Selbst die regelmäßige Teilnahme an den Gottesdiensten litt kaum darunter. Zu jener Zeit hätte man ihn, den ansehnlichen Manfred, durchaus als angepaßten Jugendlichen bezeichnen können.

Wie die meisten Eltern, gaben sich auch die seinen redlich Mühe, ihrem Filius eine ordentliche Ausbildung zuteil werden zu lassen. Infolgedessen besuchte er das Gymnasium in der Kreisstadt, schloß sein Abitur standesgemäß leicht über dem Durchschnitt ab, und begann zu studieren.

Schon während seiner Kindheit hatte er glauben gelernt, daß eine der höchsten Weihen, die einem gläubigen Christen zuteil werden können, die Berufung als Missionar auf das Missionsfeld war. Gespräche der Eltern über einen weitläufig Verwandten, der als Missionar im fernen Lateinamerika seinen Dienst versah, Bücher über berühmte Missionare und auch Erzählungen und vorgelesene Geschichten in der Sonntagsschule taten ihr Übriges, dem jungen Manfred diesen Glauben zu vermitteln.

Als er als Zwölfjähriger einmal einer etwas ältlichen, unbemannten Tante gegenüber den Berufswunsch „Missionar" äußerte, war diese völlig entzückt und hingerissen über Manfreds Äußerung, die von einer „frühen und tiefen Einsicht zeuge", wie die Tante zu wissen behauptete. Fortan versorgte sie ihn mit immer neuen Büchern, Lebensbeschreibungen und Erlebnisberichten von Missionaren, die in allen Teilen der Welt ihren Dienst getan hatten. Allmählich und fast zwangsläufig hatte dieser Wunsch auch in Manfred Raum gewonnen. Verstärkt wurde dieser Wunsch auch durch seine Gemeinde. Dort traten immer wieder einmal Missionare auf, die in der Außenmission ihren Dienst taten. In zum Teil sehr eindrucksvollen Worten legten sie von ihrer Arbeit Bericht ab, hin und wieder mit den unvermeidlichen „Missions-Diaschauen" ergänzt. Manch einer dieser Missionare nutzte seine Predigt, der Gemeinde klar zu machen, daß eigentlich nur die Arbeit auf dem Missionsfeld gottgefällig sein könne, wenn man denn Gott und die Menschen wirklich liebe.

Manfreds Glaube glich einer Ehe ohne Sex. Sein Verhältnis zu Jesus, das spürte Manfred je älter er wurde, desto deutlicher, war nicht gerade innig. Ein unbestimmtes Gefühl ließ Manfred glauben, sein Verhältnis zu Jesus würde intensiver werden, wenn er ihm erst einmal auf dem Missionsfeld diene.
Der Sohn angesehener Eltern begann also sein Studium zunächst an einem theologischen Seminar. Was er dort zuallererst lernte, war das Erstellen und Versenden von hochaktuellen und ebenso informativen Rundbriefen, damit die ihn im Gebet umgebenden Freunde, Bekannten und Verwandten und - natürlich - die Gemeinde, auch ständigen Anteil an seiner Entwicklung haben konnten. Um auch ein „vollwertiges" Theologiestudium vorweisen zu können, schloß er daran ein Studium an einer theologischen Fakultät an.

Während seines Studiums kehrte er häufig, für ein Wochenende oder, wie in den Semesterferien, auch länger, in sein ländliches Dorf zurück. Das hatte zur Folge, daß er ab einem bestimmten Zeitpunkt, ab dem man ihn, den Theologiestudenten der Gemeinde, für würdig genug dazu erachtete, von den Leitern der Gemeinde ab und an gebeten wurde, an einem Sonntag „am Wort zu dienen", wie es in schönstem Christinesisch ausgedrückt wurde. Das schmeichelte dem Manfred Sauer natürlich ungemein. An jenen Sonntagen gab er sich ganz besondere Mühe, seine Aufgabe gewissenhaft zu erledigen und zu zeigen, was er in seiner bisherigen Studienzeit gelernt hatte. Weil Manfred ein weltoffener und fortschrittlich denkender Theologiestudent war, brachte er so manche neue Idee von den Stätten seines Studiums mit in die Provinz, um sie dort an den Mitgliedern seiner Gemeinde anzuwenden.

Hin und wieder mochte das zu leichtem Befremden besonders unter den älteren Gemeindegliedern führen. Das focht allerdings weder Manfred an, noch seine Eltern und Geschwister, welche an solchen Sonntagen immer mit stolzgeschwellter Brust auf ihren Plätzen saßen und mit sichtlichem Wohlwollen auf ihren so prominenten Sohn und Bruder schauten.

Ganz hinten in seinem Hirn, in einem kleinen und verborgenen Kämmerlein, wünschte sich Papa Sauer, es sei erlaubt, in einem Gottesdienst Beifall zu spenden. Wäre ihm jedoch dieser Gedanke in seiner vollen Tragweite aus dem Unterbewußtsein ins Bewußtsein gelangt, hätte er als demütig-bescheidener Christ der er doch war, sich selbstverständlich dieses Gedankens geschämt und sich selbst kasteit.

Student der Theologie Manfred Sauer lernte die Nichtmehrstudentin Katinka Wunderblum kennen. Katinka Wunderblum, ehrgeizige Tochter deutsch-russischer Spätaussiedler, hatte als Ärztin ihren Doktortitel erworben, stammte ebenfalls aus gläubigem Elternhaus und verliebte sich Hals über Kopf in den Studenten Manfred Sauer.

Der angehende Theologe und die Ärztin wurden sich bald einig und heirateten. Zu Hause und in seiner Gemeinde wurde mit Ehrfurcht und übergroßer Bewunderung von dem Gemeindeglied gesprochen, das eine echte Ärztin geheiratet hatte. Vor allem, daß diese Ärztin nun also auch in die Mission gehen wollte - als eine Art weiblicher Albert Schweizer gewissermaßen - wurde mit heren Worten gewürdigt.

Die beiden verliebten Eheleute wurden mit Einladungen förmlich überhäuft, weil beinahe jedes der Gemeindemitglieder sich der Bekanntschaft solch prominenter Demnächstmissionare rühmen können wollte. Oh ja, wunderbar würde das sein. Wenn der bekannte Missionar und seine bekannte Missionsärztin erwähnt würden, würde man wie beiläufig sagen können: „Jaja, kenne ich gut, die beiden." Auch, wenn sich diese Bekanntschaft auf zwei regnerische Sonntagnachmittagsstunden zwischen zwei Stück Tiefkühlbuttercremetorte, einem selbstgebackenen Gugelhupf nebst in kostbares Supermarktporzellan eingeschenkten Kaffe beschränkte.

Die Gemeinde als Gemeinschaft und die Gemeindemitglieder schmückten sich mit diesen beiden Demnächstmissionaren und hängten sich deren Mitgliedschaft in der Gemeinde und die Bekanntschaft mit dem Ehepaar um den vor Ehrfurcht und Bewunderung ob soviel Opferbereitschaft zugeschnürten Hals.

Es gab einige Schwierigkeiten mit verschiedenen Papieren, von denen die beiden auch mit der Bitte um Fürbittegebet minutiös berichteten. Doch dann stand er fest, der Tag der Ausreise.

Die Gemeinde führte ein „Aussendungsfest" durch, auf welchem Manfred und Katinka Sauer feierlich verabschiedet - „ausgesendet" - wurden. Man gab ihnen zu verstehen, wie geehrt sich die Gemeinde fühle, zwei solche Reichgottesarbeiter in ihrer Mitte zu wissen. Man erlegte ihnen freundlich-streng auf, stündlich mindestens einen Rundbrief in die bald ferne Heimat zu senden, um stets über alles auf dem Laufenden zu sein.

Der Tag der Abreise kam, die beiden Eheleute machten sich auf die Socken. Dann blieb es eine Weile still, bis, allerdings längst nicht so regelmäßig, wie von vielen gewünscht, hin und wieder Rundbriefe eintrafen. Sie berichteten vom schwierigen Anfang, Krisensituationen und auch gelegentlich von Ängsten und ganz und gar nicht, oder doch eher selten, vom siegreichen Dienst im Reiche des Herrn, auch nicht von reicher Ernte.

Dem guten Manfred begann aufzugehen, daß seine Annahme, sein Dienst würde sein persönliches Verhältnis zu Jesus inniger werden lassen, ein Irrtum zu sein schien. Rasch ernüchternd unter den widrigen Umständen, die seine und die Arbeit seiner Frau immer und immer wieder behinderten, drang er zu der Erkenntnis vor, daß er für diese Art vom Dienst im Reich Gottes offensichtlich nicht geeignet war.

Er erkannte seine vermeintliche Berufung auf das Missionsfeld als das, was sie zweifellos war: Eine fremdbestimmte, ihm von anderen aufgezwungene Entscheidung für sein Leben. Zwar ging seine junge Frau in ihrem Dienst vollkommen auf, doch er, Manfred Sauer, wurde immer unglücklicher. Stundenlange Fahrten mit dem Allradwagen durch unwegsames Gelände wurden ihm zur Quälerei. Er war nicht fähig, zu diesen Menschen, denen er die frohe Botschaft der Bibel vermitteln sollte, eine Beziehung aufzubauen, geschweige denn, ihnen so etwas wie Liebe entgegen zu bringen. Eine Krankheit zwang ihn, mehrfach nach Deutschland zurückzukehren, um sich in fachärztliche Behandlung begeben zu können. Seine Frau war nicht in der Lage, ihn zu begleiten. So mußte er diese Zeiten ohne ihre beruhigende Gegenwart verbringen, was ihn und seine Frau gleichermaßen schmerzte.

Etwa drei Monate, nachdem er von seinem letzten Aufenthalt in Deutschland zurückgekehrt war, erlitt er mit dem schon altersschwachen Missionsgeländewagen mitten in der Nacht im Busch eine Panne, und verbrachte diese Nacht reichlich ungemütlich zusammengekauert auf dem staubigen Rücksitz des Wagens. In dieser Nacht gedieh sein schon lange keimender Entschluß zur Reife: Er würde bei seiner Missionsgesellschaft um seine Ablösung ersuchen. Er konnte und er wollte nicht mehr, das Maß selbstauferlegter Opferbereitschaft war übervoll.

Seine Frau verstand ihn, denn sie hatte längst bemerkt, was ihren Mann quälte.

So geschah es denn. Nach knapp zwei Jahren auf dem Missionsfeld kehrten die beiden Eheleute dem afrikanischen Kontinent den Rücken.
Manfred fühlte sich als Versager auf der ganzen Linie. Mit schmerzender Seele und verwundetem Herzen trat er zusammen mit Katinka den Rückflug nach Deutschland an.

Bei seinen Eltern gab es Platz. Dort kamen die beiden erst einmal unter.

Nun hätte Manfred sich eigentlich nach Arbeit umsehen müssen. Katinka war im dritten Monat schwanger. Doch sein Versagen hatte ihn tiefer getroffen, als er sich selber eingestehen mochte. Wochenlang verkroch er sich in der Wohnung und war für kaum jemanden zu sprechen.

Die Gemeinde indessen hatte - peinlich berührt irgendwie und reichlich betreten - zur Kenntnis genommen, daß der Missionar nicht mehr missionierte. Aus der Traum! Einige wollten es vorhergesehen haben und verbreiteten sich lautstark darüber. Andere waren einfach enttäuscht. Letztlich geschah jedoch in dieser Gemeinde, was auch in der „Welt draußen" mit Menschen passierte, von denen man enttäuscht worden war und die von dem Sockel gestürzt waren, den zu erklimmen man sie unbarmherzig gezwungen hatte: der gewesene Missionar Manfred und die gewesene Missionsärztin Katinka wurden vergessen. Niemand interessierte sich mehr für ihr Schicksal. Man wandte sich anderen, erbaulicheren Themen zu.

Manfred tastete sich behutsam ins Hier und Heute zurück, schließlich erhielt er ein Angebot für eine Pfarrstelle irgendwo in Deutschland und nahm sie an. Er wurde ein beliebter Prediger, die Menschen in seiner Gemeinde mochten ihn. Was manche von ihnen wunderte war, daß Manfred dem Thema „Mission" beharrlich aus dem Wege ging.

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