Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
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Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von StefanS am 06.10.2015 11:07Tja, ein bisschen musste ich schon schmunzeln ...

Tief drinnen sehe ich auch (und gerade) bei älteren Christen eine Menge Defizite.
Viele haben aufgegeben, weil sie am Anfang eines Kampfes dachten oder suggeriert bekamen, Gott hört nicht, danach, ihre Bitte wäre falsch und schlussendlich, sie wären für eine Gebetserhörung nicht gut genug.
Ich fühle mich ehrlich gesagt von diesen "gescheiterten" Christen umgeben, die einfach ihre Strategien entwickelt haben, ihren (Klein)Glauben zu behalten, weil der zum Himmel reicht, sie aber kein Stück in ihrem Glaubensleben weiterbringt. Überspitzt formuliert haben sich viele irgendwann vom Kampf verabschiedet, weil sie den Kampf verloren haben. Übriggeblieben sind Glaubensformeln, die sie sich und ihrer Umgebung vordiktieren.
Ich persönlich muss mich natürlich auch (und gerade mich) hinterfragen, ob ich die von Gott verordnete Ruhe durch meine eigene Ruhe ersetzt habe, weil ich Kämpfe nicht mehr ausfechte, sei es aus Bequemlichkeit oder Feigheit.
Versteht ihr, was ich sagen will?
So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
Rapp
Gelöschter Benutzer
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von Rapp am 05.10.2015 21:18Ja, zu Beginn meines Weges mit Jesus war ich voller Tatendrang: die Menschen sollten doch begreifen, dass ich durch Jesus ein neuer Mensch geworden bin. Da stand wohl Absturz im Programm... Mit den Jahren lernte ich einige Lektionen. Da war jene Schlange in der Wüste, die Moses aufrichten musste. Es ging nicht darum die Schlange vom Galgen zu holen. Es ging einzig darum die Schlange anzuschauen. Ist doch unlogisch: der Biss einer Giftschlange sollte beim anschauen des Schlangenbilds unschädlich werden!! Aber genau da beginnen Glauben und Vertrauen zu spielen. Ich darf ruhen, weil Jesus alles im Griff hat. Es geht dabei absolut nicht darum, Jesus was in die Schuhe zu schieben, was ich anpacken sollte. Nein, es geht darum den Sieg Jesu als Realität in meinem Leben zuzulassen. Zu viele Menschen kämpfen selbst einen sinnlosen Streit. Selbst kann ich Satan niemals bezwingen. Aber ich kann den Sieg Jesu für mich in Anspruch nehmenr. Wie? Denke an den König, dem Gott sagen ließ, er soll zwar sein Heer aufstellen, dann aber zuschauen wie Gott selbst mit der feindlichen Übermacht abrechnete. Er erfasste die Situation und stellte vor sein Heer die Priester, die Gott lobsingen und anbeten sollten. Das ist mein Weg zur Ruhe: ich sehe immer mehr, wie Gott alles im Griff hat und so wird der Kampf Gottes, und nicht meine Sache. Mein Teil ist Dank und Anbetung, denn Gott streitet für mich.
Klar ich bin Uhu im obersten viertel, hatte ja über sechzig Jahre Zeit zu lernen. Glaubt nur nicht, dass ich einen einfachen Weg ging um zu dieser Ruhe zu finden. Und wenn wir schon mal dabei sind: es kann immer noch mal vorkommen, dass ich neu nach dieser Ruhe suchen muss. Trockene Feststellung: kommt sie mir abhanden, wollte ich sicher wieder mal in Eigenregie hochfahren...
Noch ein Wort, das mir beim lesen hier in den Ohren klingelt: Durch stillesein... würdet ihr stark sein. Aber ihr sprecht: Nein, auf Rossen wollen wir reiten. So werdet ihr auf Rossen fliehen...
K(r)ampf mit Pferdestärken, statt in der Kraft des Geistes, der uns zur Seite steht, in uns wohnt...
Willy, sehr nachdenklich.
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von Pal am 05.10.2015 19:49Als Solana schrieb:
mußte ich an eine Szene in dem Luther-Film denken.
Da gab es ein sehr bemerkenswerten Dialog zwischen Luther und seinem Seelsorger, so ab der Minute 4:00.
Ich habe diesen Dialog einmal aufgeschrieben, weil er sehr gut widerspiegelt, was da bei dem jungen Luther falsch aufgefaßt wurde, und wie er mit gutmeinender, eigener Kraft gegen den Teufel kämpfen wollte.
Hier der Dialog:
Luther (zum Teufel): Laß mich in Ruhe, ich trampel auf deinen verlogenen Zauber! Ich habe nie behauptet gut zu sein. Sie kennen ja meine Fehler, meinen Stolz, meine verfluchte Lästerei. Ich beichte sie alle, nur laß mich! Laß mich in Ruhe! - (weint verzweifelt)
Seelsorger (spricht durch die Tür der Kloserzelle): Du bist zu streng zu dir selbst, Br. Martin! Mit dem Teufel zu streiten hat noch keinem von uns etwas genützt. Er hat 5000 Jahre Erfahrung! Er kennt alle unsere Schwachpunkte.
Luther: Das mit Heute tut mir leid!
Seelsorger: Ich bin nicht hier um dich zu schelten, Martin.
Luther: Ich bin zu voll von Sünde um Priester zu werden!
Seelsorger: (tritt in die Klosterzelle hinein) Weißt du, in diesen zwei Jahren hast du mir nie etwas gebeichtet, was auch nur im mindesten interessant war!
Luther: Ich lebe im Schrecken vor dem jüngsten Gericht.
Seelsorger: Und du glaubst, das dein Selbsthaß dich rettet?
Luther (flüsternd vor Scham): Ich habe mir vorzustellen gewagt, das Gott nicht gerecht ist!
ER setzt uns befleckt von Sünde in die Welt. Und dann zürnt er mit uns unser ganzes Leben lang, weil wir fehlerhaft sind. Dieser (höhnisch) "gerechte Richter"! ER verdammt uns und ER droht uns ständig mit den Feuern der Hölle.
Ich weiß, ich weiß, ich bin böse so etwas zu denken!
Seelsorger: Du bist durchaus nicht böse. Du bist nur nicht aufrichtig! Gott hegt keinen Zorn gegen dich. Aber du hegst einen Zorn gegen Gott.
Luther: Ich wünschte es gäbe keinen Gott!
Seelsorger: Martin, - sag´ - was suchst du?
Luther (weinend): Einen barmherzigen Gott! Einen Gott den ich lieben kann und einen Gott, der mich liebt!
Seelsorger (nimmt ein Kreuz von seinem Hals): Dann schau auf Christus! Vertrau dich Jesus Christus an und du wirst Gottes Liebe erfahren! (Und drückt das Kruzifix in Luthers Hand.) Sage zu IHM: Ich bin dein, erlöse mich! - Ich bin dein, erlöse mich!
Luther: Ich bin dein, erlöse mich! (Und Luther umgreift das Kruzifix sowie die Hand des Seelsorgers.)
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von Cleopatra am 05.10.2015 18:48Es wäre ja langweilig, wenn keiner dem Stefan wiedersprechen würde (Scherz), also:
Das habe ich nicht so beobachtet, wenn ich dich richtig verstanden habe.
Witzigerweise sind mir nämlich genau die Älteren Geschwister darin ein Vorbild, weil sie gelernt haben, Geduld zu zeigen und Gott zu vertrauen. Auf mich wirken diese Menschen in meinem Umfeld mehr sanft und innerlich ruhig, als so mancher hibbelige, gestresste Christ im Arbeitsalltag
Der Satz war mir soooofort aufgefallen und ich musste sofort an den sogenannte "Sensationsglauben" denken.
In einem teile ich die Meinung:
Die Gefahr besteht. Vor allem bei Gefühlsvollen Menschen. Wenn sie aufgrund eines Wunders zB Gläubig wurden und diese Wunder dann im Alltag nicht mehr vorkommen... dafür aber mal ein Angriff, der den Glauben hinterfragt... dann besteht wirklich die Gefahr eines Endes, wobei sich mir dann auch ehrlich gesagt die Frage stellt, wie groß der Glaube war.
Aber- es muss nicht zwangsläufig so sein, es ist keine absolute Gefahr, die jeden trifft, oder...?
Paulus wurde glaube ich aufgrund eines Wunders richtig Gläubig und er wurde zum Vorbild.
Bei den Aucas war doch der bekannte Missionar, der getötet wurde und die Aucas haben die Engel gesehen. Mir fällt gerade der Name nicht ein, die Ehefrau hat dann Bücher geschrieben... Diese Aucas wurden auch aufgrund dieses Wunders gläubig und gehen nun von Stamm zu Stamm, sie haben mit der Zeit nicht den Glauben verloren, oder...?
Ich weiß, wie groß die Gefahr ist. Das sage ich selbst ja auch so oft, wenn man den gefühlen eben zu viel Raum gibt.
Aber Absolut ist es doch nicht, oder...?
Und was den zweiten beitrag betrifft, den mit der Frau...
Weißt du, was mir beim Lesen dieser Bibelstelle sofort auffiel?
Diese Frau gab nicht nach beim Wiederstand. Sie glaubte fest und blieb dran, sie gab nicht auf.
Sie hatte Vertrauen zu Jesus, dass er hilft obwohl sie wusste, dass er nicht für sie da war, es also garnicht musste.
Lg Cleo
Die Bibelverse sollen meine Meinung bilden, nicht begründen
Zitate im Forum, wenn nicht anders vermerkt, aus der rev.Elberfelder
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von solana am 05.10.2015 11:31Scheinbar relativiert sich die Ruhe im Herrn oder das sanfte Joch im Laufe des Christenlebens. Das dicke Ende folgt dann, wenn einem scheinbar erstmal Gebetserhörungen zufliegen, bevor alles im Glaubenskampf endet.
Ja, das ist ewas provozierend gesagt, Stefan

Vor allem das "endet"

Ich würde schon sagen, dass am Anfang des Glaubenswegs manches leichter sxcheint, weil "die erste Liebe" Flügel verleiht, das Staunen und die Überwältigung angesichts der Liebe Gottes überstrahlt alles andere.
Die Kampferfahrung beginnt wohl dann, wenn man entdeckt, dass der "alte Mensch", den man abgelegt hat und gedacht, er wäre "ersäuft" - doch schwimmen kann und einem immer noch "an der Backe klebt" .....
Aber (in Abwandlung von Röm 5,20) kann man auch sagen: Da, wo der Kampf heftiger wird, da ist der Sieg um so strahlender und der Friede um so tiefer. Der Sieg und der Friede, der uns schon zur Verfügung steht - und den wir mitten im Kampf in Anspruch nehmen können. Und ihn so in seiner Tragfähigkeit und Tiefe erleben.
Also "am Ende" - und eigentlich schon von Anfang an - ist da "Sieg" im Kampf und "Ruhe/Frieden".
Gruss
Solana
angeführte Bibelstellen (soweit nicht anders gekennzeichnet) sind aus Luther 1984/2017 zitiert nach dem Bibelserver
Rapp
Gelöschter Benutzer
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von Rapp am 05.10.2015 10:47Hierin sehe ich keinen Gegensatz: für mich ist es oft ein Kampf, zur Ruhe zu kommen und zuzuschauen, was Gott tut...
Bibelschule. Einer, der mit mir nachts im Leuchter-Verlag gearbeitet hatte, merkte, dass seine Prüfungsarbeit vieles, nur keine Glanzleistung war. So titelte er:
Der Herr gibts den seinen im Schlaf - aber ich war ein Opfer des Leuchter-Verlags!
(Also kam er nicht zum schlafen...)
Unser Dozent, Opa Kolenda, strich seinen zweiten Satzteil durch und schrieb dazu: ...aber Faulpelze gehen leer aus.
Willy
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von StefanS am 04.10.2015 20:10Mir fällt gerade ein Glaubenskampf in der Bibel ein.
Matth. 15,22-28
Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt.
Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Lass sie doch gehen, denn sie schreit uns nach.
Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir!
Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, dass man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde.
Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.
Ich stelle fest:
- Erstmal scheint es, als ob Jesus gar nicht hört.
- Dann, als ob die Bitte der Frau falsch wäre.
- Zum Schluss bekommt man den Eindruck, als ob die Frau selbst nicht gut genug sei.
Und das alles aus dem Mund von Jesus!
Ist das überhaupt Jesus, der diese Aussagen macht?
Ist es wirklich Jesus, der die Frau prüft?
Will Jesus nicht von der ersten Minute an, dass die Bitte der Frau erhört wird?
Fakt ist, die Frau kämpft und sie kämpft richtig, indem sie drei wichtige Hürden überspringt.
So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von StefanS am 04.10.2015 20:05Vielen Dank erstmal für eure Antworten.
Ich möchte aber mal eine etwas provozierende Antwort geben, auch wenn ich nach vielen Jahren Christsein eine andere Sicht auf die Dinge bekommen habe.
Scheinbar relativiert sich die Ruhe im Herrn oder das sanfte Joch im Laufe des Christenlebens.
Das dicke Ende folgt dann, wenn einem scheinbar erstmal Gebetserhörungen zufliegen, bevor alles im Glaubenskampf endet.
So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von Pal am 04.10.2015 18:47Für mich ist die "Ruhe in Christus" die größtmögliche "Aktivität des Geistes".
Das heißt, es geht um das Ruhen von "eigenen Werken". Und das aktiv werden in der impulsiven, ersten Liebe.
Zumindest verstehe ich es so.
Ein Beispiel ist mir da:
Joh 2:15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Ochsen und verschüttete den Wechslern das Geld und stieß die Tische um ...Joh 2:17 Seine Jünger aber gedachten daran, daß geschrieben steht: Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen.
Das war Jesu "Ruhe im VATER" - Er ereiferte sich nicht aus einer Eigeninitiative, sondern um des Vaters willen und durch den Antrieb des Vater... Somit war dieses "sich verzehren" eine Wirkung des göttlichen Geistes.
Und hier trifft sich Ruhe und höchste Aktivität - wie es ein Grundprinzip in Jesu gesamten Erdenleben war.
Jesus hütete sich vor seinem Selbst. Nur so konnte er immer das tun, was er den Vater tun sah.
Jesus mußte Selbstverleugnung leben. Das geschah aus Liebe.
Er durfte niemals sein SELBST ausleben. - Bis hin nach Gethsemane.
Das war sein Erfolgsrezept um nicht zu sündigen.
nur m.M....
Re: Kampf des Glaubens vs. Ruhe im Herrn
von solana am 04.10.2015 17:02Ich denke auch nicht, dass das kein Widerspruch ist: "Ruhe für die Seele" und "Kampf".
Denn die Ruhe, zu der die Seele findet, die "mühselig und beladen" ist kommt ja daher, dass sie die Last ablegt, die sie sich aufgebürdet hat /sich aufbürden lassen hat. Und stattdessen "das sanfte Joch" von und mit Jesus zusammen auf sich nimmt, von ihm lernt - statt mit der ganzen aufgebürdeten Last allein zu kämpfen.
Dass es etwas zu kämpfen gibt, ist wohl unbestreitbar.
Ruhe ist also nicht ein Zustand ohne Kampf, sondern eher so, wie Jesus auch von dem Frieden sagt, den er schenkt:
Joh 14,27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.
Es gibt also offensichtlich Gründe, die das Herz "erschrecken" und "sich fürchten" lassen. Der Friede ist aber trotzdem da - und er gibt die Kraft, dem Schrecken und der Furcht standzuhalten und geht nicht verloren durch den Kampf, sondern trägt durch.
Nicht wie der "Frieden, die die Welt gibt", der eigentlich nur die "Waffenruhe zwischen den Kämpfen" ist.
Gruss
Solana
angeführte Bibelstellen (soweit nicht anders gekennzeichnet) sind aus Luther 1984/2017 zitiert nach dem Bibelserver